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Ramblin' Armenians

Der Friedensfestabend zum Thema Armenien: Zwischen Rätselkiste und Schatztruhe, Basel und Eriwan, einem mysteriösen Instrument - und Hank Williams...

Auch wenn es nicht immer ganz einfach ist: Die Diskussionen mit ausländischen Gästen im Rahmen des Friedensfestprogramms haben ihren ganz eigenen Reiz, der vielleicht nicht unmittelbar und sofort bei der Veranstaltung selbst, aber spätestens beim Bier danach Wirkung zeigt.

Als vor zwei Wochen die ukrainische Künstlergruppe "Izolyatsia" in der Stadtbücherei zu Gast war, konnte zwar das eigentliche Thema der Podiumsdiskussion, "Zensur", nur sehr eingeschränkt erörtert werden, doch die Berichte der Künstler aus ihrer Zeit in einem Gefängnis der Separatisten in Donezk und ihre verständliche Abneigung (ums mal euphemistisch auszudrücken) gegenüber dem russischen Präsidenten waren mindestens eine lohnende emotionale Ergänzung zum eher kühl-beschreibenden Ton der täglichen Nachrichten.

In der Soho Stage lautete am Montagabend das Thema "Armenien", zu Gast waren der zurzeit in Basel lebende Musiker und Schauspieler mit armenischen Wurzeln, Alain Croubalian von der Band The Dead Brothers, der Frankfurter Filmemacher Marc A. Littler, der Armenienexperte Eduard Saroyan aus Eriwan und Gebro Seven vom Augsburger Mesopotamienverein. Unter der Moderation von Friedensbüroleiterin Christiane Lembert saßen also schon mal rund zehn Sprachen am Tisch, allein Croubalian spricht fünf – bezeichnenderweise kein Armenisch. Dass so ein Abend auf Deutsch stattfinden kann, ist für sich genommen schon ein Phänomen, in dem sich das diesjährige Friedenfestthema "Grenzen" ganz automatisch in all seiner Absurdität zeigt.

Den groben roten Faden bildeten Ausschnitte des noch nicht fertiggestellten Filmprojekts "Armenia" von Littler und Croubalian sowie die dazugehörigen Reiseberichte, es folgten Ausflüge in so ziemlich alle Gefilde, die eine handelsübliche geisteswissenschaftliche Fakultät bietet: Geschichte, Philosophie, Religion, Kunst, Kultur, Soziologie...

Und natürlich spielte der Völkermord 1915 eine Rolle, war aber nicht das bestimmende Thema, vermutlich auch, um keine weitere Konfrontationslinie zu ziehen, in diesem Fall zur Türkei. Wie gesagt, schon allein wegen der Sprachschwierigkeiten waren nicht alle Argumente und Erzählungen hundertprozentig nachvollziehbar, aber den Abend als anregungsreich zu bezeichnen, dürfte noch das Mindeste sein, und so mancher Satz tauchte erst ein paar Stunden später wieder aus dem Gedächtniszwischenspeicher auf.

Nicht aufgetaucht ist indes die thüringische Waldzither, auf der laut Programmheft Croubalian spielen sollte. Das ist fast ein bisschen schade, obwohl dem Weltbürger das Banjo natürlich ganz hervorragend steht. Doch die Vorstellung, wie diese sympathische Mischung aus Robert de Niro und Goran Bregovic den Hank-Williams-Song "Ramblin Man" auf einem Instrument spielt, das gar keine Zither ist, sondern eine Laute, die zu Beginn des letzten Jahrhunderts sogar als deutsches Nationalinstrument gehandelt wurde... Na ja, vielleicht beim nächsten Mal.

Womit wir bei einem weiteren entscheidenden Punkt des Friedensfestprogramms wären: Auch wenn man nicht alle Meinungen der Protagonisten teilt (sonst wär's ja komplett langweilig) – man möchte unbedingt wissen, wie's weitergeht. Wie's weitergeht mit "Izolyatsia" in Kiew, dem Filmprojekt "Armenia", den Musikern von "Heimatlieder aus Deutschland", dem israelischen Aktivisten Moriel Rothman-Zecher, den Darstellern der Mozartadaption "Zaide" und und und - und vielleicht sogar mit Klaus Rösler...
(flo)

Infos zum Filmprojekt "Armenia" gibt's hier, weitere Bilder aus der Soho Stage auf unserer Flickr-Seite.

Bild oben: Eduard Saroyan, Alain Croubalian; unten: C. Lembert, M.A. Littler, A. Croubalian, E. Saroyan, G. Seven (v.l.); Fotos: Christian Menkel

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