Theater Augsburg - Premiere von 1968 spaltet die Geister

1968: Geschichte kann man schon machen, aber so wie jetzt ist’s scheiße

50 Jahre nach den wilden Zeiten von 1968, von Studentenrevolte, Freier Liebe und Außerparlamentarischer Opposition, wird überall zurückgeblickt. Auch das Theater Augsburg tut dies, allerdings nicht, ohne auch einen Ausblick zu wagen und die Theorien dieser denkwürdigen Tage auf die Gegenwart zu übertragen.

Nicht wenige Premierenbesucher der gesellschaftskritischen Stückentwicklung von Peer Ripberger verließen die Brechtbühne noch vor dem Ende, was vielleicht an wild rauchenden, kiffenden und am Ende völlig nackten und orgiastischen Schauspielern gelegen haben könnte. Doch wem schon das zu viel ist, der findet womöglich sowieso keinen Zugang zu Ripbergers Blick in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und unterstreicht sogar noch unfreiwillig die Theorie des jungen Regisseurs: Im Hier und Heute ist uns die Utopie der Freiheit, ein Privileg der 68er, längst abhanden gekommen.

Im ersten Teil der Uraufführung fesselt besonders die Rhythmik, mit der die 68er-Thesen und deren Positionen proklamiert werden. Es geht um Konsumkritik, Feminismus und Umweltdiskussionen, mühelos auch auf die heutige Zeit übertragbar. Fünf Schauspieler sitzen schwarz gekleidet mit weißen Turnschuhen an Podesten auf der Bühne, sprechen miteinander, nacheinander und im Chor. Die Frage, was Theorie und Theater bewirken können, führt das Publikum noch vor der Pause heraus aus dem Theater und mitten in eine Demonstration auf der Straße.

Im zweiten Teil wird dann ein Ausblick gewagt. Wie sieht das Zusammenleben der Menschen in der Zukunft aus? Ripberger liefert dem Theaterbesucher seine Utopie: Ein Garten, in dem die Schauspieler sich in Cyborgs verwandelt haben und ohne den Druck von Arbeit oder Beziehungsstress zusammenleben. Die Menschen sprechen nicht mehr, gehen geschlechtsunabhängig zunächst sehr zärtlich miteinander um, um am Ende nackt und orgiastisch ungebremst ihrer Lust zu frönen.

1968: Geschichte kann man schon machen, aber so wie jetzt ist’s scheiße, ist alles, aber sicher nicht langweilig. Und wer auch nach dem Theaterbesuch noch ein bisschen grübeln will und wem es gefällt, wenn all seine Sinne in Anspruch genommen werden, der sollte in eine der folgende Aufführungen gehen:

15.3.2018 19:30 | brechtbühne
23.3.2018 19:30 | brechtbühne
06.4.2018 19:30 | brechtbühne
13.4.2018 19:30 | brechtbühne
14.4.2018 19:30 | brechtbühne
28.4.2018 19:30 | brechtbühne
06.5.2018 15:00 | brechtbühne
27.5.2018 18:00 | brechtbühne

Bild: Jan-Pieter Fuhr

Alle Macht der Phantasie!(pm/max)

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