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Wie einst der FC Barcelona

"Gift" im Hoffmannkeller startet als Sternstunde - und endet in Ergebnisverwaltung...

Auf den Fußball übertragen wäre das dann wohl ein Champions-League-Spiel, in dem der FC Barcelona in der ersten Halbzeit eine Sternstunde hinlegt, nach der Pause Ergebnisverwaltung betreibt und schließlich ungefährdet 2:1 gewinnt.

"Gift. Eine Ehegeschichte" von der niederländischen Autorin Lot Vekemans lässt ein Ehepaar nach zehn Jahren Trennung anlässlich der Umbettung ihres verstorbenen Sohnes beim Ortstermin zusammentreffen. Ein optimales Szenario für das Kammerspiel im Hoffmannkeller, der wie die Rumpelkammer eines Friedhofs gestaltet ist, mit verwelkten Kränzen, Grablichtern und einem tropfenden Wasserbecken. Hier kämpfen die lediglich 'sie' und 'er' benamsten Figuren, gespielt von Jessica Higgins und Gregor Trakis, um die Erinnerung, um das Weiterleben, um Verlassen und Verlassenwerden und den Umgang mit Trauer. Pfeile schießen hin und her, dass die Neonleuchten flackern, mit dem Blitzen in den Augen der fantastischen Jessica Higgings könnte man die komplette Energiewende wuppen.

Dann kommt der Break - zum Glück erst nach ungefähr zwei Drittel der Inszenierung - und das Stück fällt in sich zusammen wie eine Dampfnudel, die man zu früh aus dem Ofen nimmt. Selbst Regisseurin Maria Viktoria Linke muss vor diesem Stimmungswechsel so erschrocken sein, dass sie den Pausentee mit einem kindischen-dramatischen Zwischenspiel mit gegeigtem Bach und einer sich windenden Jessica Higgins aufzuladen versucht. Ein Riesenfehler, denn nach dem Verzweiflungssolo ist die Luft doppelt raus.

Die nun folgende, reichlich gezwungene Turtelei der beiden Protagonisten lässt jegliche Spannung vermissen. Das Blitzen, die Emotionen, alles weg, all die sprachlich ausgefeilten, tiefgehenden und kaum zu klärenden Fragen des ersten Teils lösen sich auf in ein befremdend heimeliges Teenagergeplänkel, das auch die beiden guten Schauspieler nicht mehr retten können.

Dieses Ende mit Schrecken ist, mit Verlaub, so dermaßen schade, dass man fast raten sollte, sich beim Pausenbier zu verbröseln. Das Blöde daran: Es gibt für die Zuschauer keine Unterbrechung und sich unauffällig aus den Bänken im Hoffmannkeller zu schälen ist schlechterdings unmöglich. Aber warum soll es Theaterfreunden anders gehen als Fußballfans? Schließlich ist eine Stunde Lionel Messi in Topform bekanntermaßen jeden gottverdammten Cent wert - und eine Jessica Higgings sowieso. (flo)


"Gift. Eine Ehegeschichte" ist noch zu sehen am 14. und 27. Juni sowie am 02. Juli.

Fotos: Nik Schölzel

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