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Die Architekten schlafen
Ehrlich gesagt, weiß ich nicht mehr, wo der Satz herkommt, "Die Architekten schlafen", aber angesichts der meisten Neubauten in Augsburg - allen voran das Maxstraßengeschmacksmassaker und die ARAL-Tankstelle am Kö - klingt das doch irgendwie plausibel. Die Jury des Augsburger Kunstförderpreises sieht es anscheinend ähnlich und hat die Kategorie "Architektur" dieses Jahr unter den Zeichentisch fallen lassen. Irgendwie dann doch ein deutliches Zeichen, in unserer Stadt aus tausendundeiner Baustelle.
Der tatsächliche Grund ist dann natürlich ein ganz anderer, laut Elke Seidel vom Kulturamt hat sich schlicht und einfach kein einziger Architekt beworben. Ein Trend, der seit längerem zu verzeichnen ist, dieses Jahr seien insgesamt nur 24 Bewerbungen für den Kunstförderpreis der Stadt Augsburg eingegangen, so Seidel.
Was selbstverständlich die Leistungen der tatsächlichen Preisträger nicht schmälern soll: Im Bereich Ballett trifft es 2014 die erst 16jährige Angela Welz, die in Augsburg die Schule besucht und an der Ballettakademie Dance Center No.1 die ersten Schritte gewagt hat. Seit September 2014 wird sie in Mannheim zur professionellen Bühnentänzerin ausgebildet.
Der Künstler Moritz Prüfer (geb. 1986) hat an der FOS und der Hochschule Augsburg studiert und mit seinen "Emergotypien" sogar ein eigenes bildgebendes Verfahren entwickelt, in dem "Natur malt oder druckt". Dabei überzeugte die Jury die "eigenständige, konsequente, tiefgründige Arbeit des jungen Künstlers".
Beim Jazz hat es dieses Jahr gleich zwei Jungs getroffen, beides Schlagzeuger: Ohne Tilman Herpichböhm (29) ist die junge Jazzszene in Augsburg fast nicht mehr vorstellbar und Nathanael Ott (25) ist vielen u.a. durch seine Formation Maik Mondial bekannt. "Beide sind in der Lage eine Band unaufdringlich zu führen und durch ihr Interaktionsvermögen musikalische Impulse zu setzen", so die Jury.
In der Sparte Literatur wird ebenfalls ein in Augsburg bestens bekannter Akteur ausgezeichnet, der 1974 geborene Feuilletonredakteur der Augsburger Allgemeinen, Richard Mayr, der für seine Debüterzählung "Feltys Berg" 2010 den Schwäbischen Literaturpreis erhielt und zurzeit einen Roman in der Schublade hat, der auf Veröffentlichung wartet.
Die Preisgelder (3000 Euro für Ballett, Kunst und Literatur, 2000 für die Musik) und Urkunden werden am 27. November im Goldenen Saal feierlich überreicht. Wir gratulieren! (flo)
Foto: Eric Wüstenhagen






