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Hinterglas-Kunst im Schaezlerpalais
Hinterglas-Kunst im Schaezlerpalais
Zweites Konvolut aus Sammlung Steiner konnte erworben werden
▪ Teil der Objekte nun im „Steiner-Kabinett“ im Schaezlerpalais zu sehen
▪ Erweiterung der Sammlung auf 510 Hinterglas-Objekte
▪ Highlight: Hans Jakob Sprünglis „Allegorie der Künste“ (ca. 1585)
▪ Eintritt frei (über das Museumscafé)
Die Kunstsammlungen & Museen Augsburg ergänzen ihre Sammlung mit dem Ankauf eines weiteren Konvoluts von hochwertigen Hinterglas-Gemälden aus der bedeutenden Privatsammlung von Gisela und Prof. Wolfgang Steiner. Die städtische Hinterglas-Sammlung wächst mit den Neuzugängen auf insgesamt 510 Objekte an. Ermöglicht wurde der Neuankauf durch ein Erwerberkonsortium unter maßgeblicher Beteiligung der Ernst von Siemens Kunststiftung, des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, der Stadt Augsburg sowie einem privaten Geldgeber. Unter dem Titel „Der Blick dahinter – Allegorien“ sind nun einige der Neuerwerbungen, wie Hans Jakob Sprünglis „Allegorie der Künste“, im neukonzipierten Ausstellungsraum, dem „Steiner-Kabinett“, im Erdgeschoss des Schaezlerpalais zu sehen (Freier Zugang über das Museumscafé). Kulturreferent Enninger: „Dank an alle Beteiligten“ „Das vorliegende Konvolut umfasst herausragende Werke, die das Spektrum der Hinterglas-Kunst zwischen der Schweiz, Tirol und den wichtigsten süddeutschen Produktionszentren auf allerhöchstem Niveau abbilden. Deshalb sind wir sehr dankbar für das erneute Engagement aller Beteiligten, um dieses hochwertige Kulturgut für die städtischen Kunstsammlungen zu sichern“, so Kulturreferent Jürgen K. Enninger.
Dr. Wolfram Weimer: „Gewinn für Augsburg und deutsche Museumslanfschaft“
„Es freut mich sehr, dass es den Kunstsammlungen & Museen Augsburg gelungen ist, ihre Sammlung an Hinterglas-Gemälden zu erweitern. Dass diese Werke der einst weltberühmten Maltechnik mit regionaler Verwurzelung in Augsburg für Wissenschaft, Forschung und Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden können, ist nicht nur ein Gewinn für Stadt, sondern die deutsche Museumslandschaft insgesamt. Daher hat der Bund den Ankauf gern unterstützt“, so Dr. Wolfram Weimer, Staatsminister für Kultur und Medien.
Dr. Martin Hoernes: „Eheleute Steiner kamen mäzenatisch entgegen.“
„Wenige Jahre nach dem Erwerb des ersten Konvoluts mit herausragenden Werken aus der Sammlung Steiner, beteiligt sich die Kunststiftung nun an einer zweiten Tranche von Hinterglas-Gemälden für die Kunstsammlungen & Museen Augsburg – bei der die Eheleute Steiner den Museen mäzenatisch entgegenkamen. Besonders die „Allegorie der Künste“, eine der wenigen Tafeln mit Hinterglas-Bemalung von Hans Jakob Sprüngli, ist eine Bereicherung für die bestehende Sammlung“, so Dr. Martin Hoernes, Generalsekretär der Ernst von Siemens Kunststiftung.
Dr. Christof Trepesch: „Neue Highlights zeigen”
„Dank der Neuerwerbungen, allen voran der „Allegorie der Künste“ von Hans Jakob Sprüngli, können wir in der neukonzipierten Dauerausstellung zur Hinterglas-Kunst nun weitere Highlights zeigen. Allegorien waren vor allem im 17. und 18. Jahrhundert beliebt. Die neu ausgestellten Hinterglas-Bilder verdeutlichen eindrücklich die Verbreitung dieses Sujets“, so Dr. Christof Trepesch, leitender Direktor der Kunstsammlungen & Museen Augsburg.
Zentrales Stück der Neuerwerbung: Sprünglis „Allegorie der Künste“
Das zentrale Stück des neu erworbenen Hinterglas-Gemälde-Konvoluts bildet Hans Jakob Sprünglis (um 1559-1637) „Allegorie der Künste“. Bisher waren weltweit nur fünf Tafeln mit Hinterglas-Bemalung Sprünglis bekannt. Diese befinden sich im Kunstgewerbemuseum Berlin (zwei Exemplare) sowie je eines im Schweizerischen Landesmuseum, im Kunstgewerbemuseum Prag und im Museo Civico in Turin. Die neuerworbene Allegorie ist stilistisch eng verwandt mit den beiden Berliner Tafeln aus dem Praun’schen Kabinett – einer Art patrizischer Kunstkammer und zeigt eine Darstellung zweier antikisch anmutender, nackter Gestalten inmitten einer perspektivischen Architektur. Beide Arbeiten greifen auf ein Gotthart Ringglis „Allegorie der Kunst“ aus der Graphischen Sammlung des Kunsthauses Zürich zurück.
Die Sammlung Steiner
Das Sammlerehepaar Gisela und Prof. Wolfgang Steiner trug über mehrere Jahrzehnte hinweg die bedeutendste europäische Privatsammlung an Hinterglas-Gemälden mit mehr als 700 Objekten zusammen. Die in München und am Mondsee beheimatete Kollektion ist aufgrund ihrer qualitativen Dichte und ihres Umfangs einzigartig, da sie nicht nur hoch qualitätsvolle Beispiele von der Zeit der Renaissance bis zum frühen 19. Jahrhundert beinhaltet, sondern auch geografisch einen weiten Bogen spannt: Schwerpunkt sind die deutschen Produktionszentren, hier vor allem der gesamte süddeutsche Raum, ferner die angrenzenden Regionen und Länder, darunter Österreich, Italien, Böhmen, die Schweiz, Flandern, die Niederlande und bis nach China mit Hinterglas-Gemälden für den europäischen Markt.
Die Hinterglas-Malerei
Der Sammelbergriff „Hinterglas-Malerei“ bezeichnet jegliche auf der Rückseite eines transparenten Bildträgers ausgeführte Malerei. Im Gegensatz zur Glasmalerei ist die Hinterglas-Malerei eine Kaltmalerei, die nicht eingebrannt wird. Malereien in Hinterglas-Technik werden nicht im Durchlicht sondern im Auflicht betrachtet, wobei die Lichtbrechung des Glases der Darstellung Glanz und zusätzliche Tiefe verleiht.
Die Hinterglas-Malerei wurde bereits seit dem 3. Jahrhundert n. Chr. zur Dekoration von Schmuck und Gebrauchsgegenständen angewandt. Ihre Blütezeit erlebte sie in der Zeit von 1550 bis 1850. Aufgrund der Kostbarkeit des Rohmaterials Glas waren die Hinterglas-Bilder des 16. Jahrhunderts noch seltene Kunstkammerstücke. Dies änderte sich ab dem 17. Jahrhundert: Glas wurde allmählich preiswerter und Hinterglas-Bilder fanden bald Eingang in die Häuser des Bürgertums. Im ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhundert fanden sie zunehmend Verbreitung in der Volkskunst. Beim Malen hinter Glas muss die Farbe „verkehrt herum“ aufgetragen werden, das heißt der Maler widmet sich zunächst den Details, dann dem Mittelgrund und erst ganz zum Schluss der Hintergrunddarstellung. Da das Bild von der Rückseite bemalt wird, erscheint die Darstellung auf der Schauseite spiegelverkehrt, was im Arbeitsprozess berücksichtigt werden muss. Die Maler der Blütezeit der Hinterglas-Kunst arbeiteten dabei in der Regel nach druckgrafischen Vorlagen. Durch die individuelle Farbwahl, Hintergrundgestaltung sowie die Neukomposition und -kombination der Motive entstanden so ganz individuelle Kunstobjekte.
Bildunterschrift: Hans Jakob Sprüngli (1559-1637), Allegorie der Künste, ca. 1585
Bildnachweis: Kunstsammlungen & Museen Augsburg






