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Musik

Ein ganz großer kleiner Abend

Derr Hamburger Singersongwriter Niels Frevert im Sensemble Theater...

Mit knapp fünfzig kann man sich schon mal ein Theater wünschen, auch eine ganze Reihe: Der Hamburger Singersongwriter Niels Frevert hat für seine "Morgen ist egal"-Tour Spielstätten ausgewählt, die mit Bühne und Vorhang und Stuhlreihen dem Motto zwar etwas widersprechen mögen, "der Sache" aber sehr gut tun, wie sein Gastspiel im Augsburger Sensemble Theater am Donnerstag bewies.

Dass sich unter Locations wie das Hamburger Imperial-Theater oder das Stuttgarter Theaterhaus auch die sympathische Augsburger Off-Bühne geschmuggelt hat, verwunderte nicht zuletzt die Bookingagentur des Liedermachers, wie er schmunzelnd erzählt, Augsburgs Ruf als "Act Cemetary" ist längst legendär. Für Niels Frevert ist die vielgeschmähte "C-Stadt" nichtsdestoweniger ganz vorne - zum Glück!

Witzigerweise fand bereits sein letztes Gastspiel in der Stadt am Lech in einem Theater statt: Im Rahmen des Brechtfestivals 2009 absolvierte der 47jährige einen Kurzauftritt im Foyer des Stadttheaters, u.a. an der Seite des mittlerweile verstorbenen Seelenverwandten Nils Koppruch.

Gestern im Sensemble dürfte er sich um einiges wohler gefühlt haben, die knapp hundert Gäste hängen an seinen Lippen, die Stimmung ist eine Mischung aus Klassenausflug und Familientreffen. Mit seinen Mitmusikern an Piano und Cello wirkt Frevert zunächst etwas schüchtern und auch seine Fans müssen sich erst noch in die ungewohnte Atmosphäre einfühlen - einen Abstellplatz für die Bierflasche finden und die Sitzordnung etwas lockern -, doch spätestens ab dem dritten Song sind Publikum und Band eins.

Die reduzierte Besetzung lässt die fragile und einzigartige Stimme noch eindringlicher klingen, die mit seinen Texten – bei denen ihm kaum ein deutscher Songwriter das Wasser reichen kann – ein Team bildet wie Salz & Pfeffer, Netzer & Overath oder Bonnie & Clyde. Songs von der aktuellen Platte und "Gassenhauer" von früher wie "Seltsam öffne mich" im Soloset mit E-Gitarre - es ist nicht nur das halbe Leben des früheren Nationalgalerie-Sängers, das da in gut anderthalb Stunden vorüberzieht. Klar, dass die Zuhörer die Band nicht gehen lassen wollen, gar nicht können, auch nach zwei Zugabensets nicht und vermutlich würden wir jetzt noch klatschend im Sensemble sitzen...

Ein ganz großer kleiner Musikabend endet an der Sensemble-Bar und beim Küchenbüfett neben der Tür zur Raucherveranda steht Niels Frevert und verkauft Platten und T-Shirts. Die tragen den Titel des aktuellen Albums "Das Paradies der gefälschten Dinge", aber zumindest heute Abend war alles echt im Paradies. Klar, kannst du uns an der Ecke rauslassen, Niels, aber nicht noch mal sechs Jahre dort stehen lassen, okay? Wir sind ja auch keine zwanzig mehr. Danke. (flo)

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