This is my opera!

“And the winner is ...” - Interview mit der Augsburger Sängerin Lienne

Die RnB-Sängerin Lienne war im vergangenen Jahr mit Sicherheit eine der aktivsten Künstlerinnen der Stadt. Mehrere Single-Auskopplungen und Videos und als vermeintliche Krönung ein unterschriebener Major-Deal. Der Pop-Himmel schien so nahe, doch dann kam alles ganz anders. Trotz aller Rückschläge, vor zwei Wochen wurde Lienne beim Augsburger Poppreis ROY zur besten Nachwuchskünstlerin gewählt. Walter Sianos zählte zu den ersten Gratulanten.


Jedes Mal wenn wir uns begegnen, muss ich zweimal hinschauen. Du wechselst schon gerne mal deinen Style?
Ja, ich bin da tatsächlich recht experimentierfreudig. Während des Lockdowns hatte ich viel Zeit und da habe ich mir erlaubt, einfach mal ein paar neue Hairstyles auszuprobieren. Erst grau, jetzt blond (lacht). Ich denke, es ist nichts Ungewöhnliches, wenn man in jungen Jahren etwas ausprobieren will.

Glückwunsch, du bist beim Augsburger Poppreis ROY 2020 zur besten Nachwuchskünstlerin des Jahres gekürt worden. Verdient! Ich nehme an, das war ein großer Moment.
Absolut, ich bin überglücklich, diesen Preis gewonnen zu haben. Schade, dass es keine Preisverleihung gab. So wie letztes Jahr im Gaswerk, das hatte doch etwas Festliches. Aber es ist eine Ehre und auch eine Bestätigung dafür, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Es war ja doch ein sehr bewegendes Jahr und Corona hat viel durcheinandergewirbelt. Und gerade im künstlerischen Sektor auch einiges zerstört.

Genau vor einem Jahr haben wir unser erstes Interview geführt. Damals warst du voller Tatendrang und quasi in den Startblöcken, um die Welt zu erobern. Was ist in den letzten zwölf Monaten alles passiert?
Es war ein Jahr wie auf einer Achterbahnfahrt. Ich habe schnell Fahrt aufgenommen, es gab eine Phase, in der wir quasi ein Video nach dem anderen veröffentlich haben. Meine erste richtige Live-Show in Augsburg fand statt. Ich hatte Auftritte bei Puls-TV und im Bayerischen Fernsehen, dazu viel Airplay im Radio. Eigentlich war alles angerichtet.

Und dann kam Corona ...
Genau! Es sind plötzlich Dinge passiert, die so einfach nicht vorhersehbar waren, mit denen man nicht rechnen konnte. Es fühlte sich an, als ob jemand plötzlich auf die Stopp-Taste gedrückt hat. Mit einem Mal waren alle Showlichter aus, das war gespenstisch. Und es kam leider noch dicker.

Was kann denn noch dicker als Corona sein?
Ein geplatzter Major-Deal, trotz unterschriebener Verträge!

Das klingt hart, das musst du uns jetzt näher erläutern.
Ich will jetzt den Namen des Labels nicht nennen, aber alles lief, wie es laufen sollte. Wie eben erwähnt waren die Verträge bereits unterschrieben und ich war überglücklich. Aber leider hat die Plattenfirma dann völlig unerwartet einen Rückzieher gemacht.

Man wähnt sich am Ziel seiner Träume und dann steht man mit leeren Händen da. Das ist bitter.
Die Enttäuschung war wirklich sehr groß und ich hatte ehrlich gesagt schon eine Zeit daran zu knabbern. Aber irgendwann kam der Augenblick, wo ich wieder aufgestanden bin. Man kann aus solchen Momenten schon auch viel lernen, es war mir klar, dass mein Weg nicht immer nur nach oben gehen kann und man auch mit Niederlagen leben muss.

Wie findet man wieder ins richtige Fahrwasser?
Mein Produzent und Mentor Stefan Krause hat mir gerade in dieser Zeit sehr geholfen. Seine Band John Garner musste durch Corona und dem daraus resultierenden Auftrittsverbot selber viel mitmachen, über 60 Konzerte wurden abgesagt. Für eine Band, die von ihrer Musik lebt, ist das natürlich schon fast existenzbedrohend. Auch ich musste übrigens circa 15 Shows canceln, darunter einige schöne Festivals.

Am 15.08. ist die Leidenszeit aber erst einmal vorbei, dein erster Auftritt vor Publikum seit dem Lockdown findet statt. Wie fühlt sich das an?
Ich konnte die Zeit durch einige Livestream-Auftritte überbrücken, aber es ist schon komisch, so ganz ohne Publikum und ohne Feedback zu spielen. Deswegen bin ich sehr glücklich, dass ich am 15.08. beim “Heute im Stadion-Festival” im 11er Biergarten in der Rosenau auftreten kann.

Was darf man denn erwarten? Wird das eine eher intime Show in minimaler Besetzung oder wird das große Besteck aufgefahren?
Wenn man so lange nicht mehr gespielt hat, dann will man auch gleich in die Vollen gehen. Deswegen werden wir auch mit einer größeren Besetzung auftreten, also mit Band und Streichern.

Das klingt super. Du machst dich in deiner Heimatstadt ja eher rar, was Live-Konzerte angeht. Ich glaube, deine letzte richtige Show in Augsburg war im November 2019.
Genau, das war vor knapp neun Monaten und da ist ein Auftritt hier längst mehr als überfällig. Ich freue mich, dass an diesem Abend auch Lilla Blue mit dabei sind.

Wirst du auch einige neue Songs präsentieren?
Ja, es wird einige Songs geben. In der ersten Coronaphase war ich schon etwas deprimiert über die ganze Situation. Aber dann habe ich wieder angefangen, Texte zu schreiben. Auch die Geschehnisse in den USA, die durch den Tod von George Floyd einen traurigen Höhepunkt erlangten, haben mich unglaublich mitgenommen. In dieser Zeit entstand auch der Song “I Can´t Breathe”.

Ich kann mich an letztes Jahr erinnern, als gefühlt im Wochentakt neue Songs und Videos präsentiert wurden.
Durch die abgesagten Auftritte fehlen natürlich auch Gagen, die wir damals gleich wieder in die Produktionen reinvestiert haben. Und durch den gescheiterten Plattendeal fehlte einfach das Budget. Wenn man alles nur mit Manpower kompensiert, kommt man schnell an sein Limit. Das ROY-Preisgeld kommt also wie gerufen, damit lässt sich einiges bewegen.

2019 ging alles sehr schnell in die richtige Richtung. Zu schnell vielleicht?
Nein, das würde ich so nicht sagen. Dafür sind in meinem Umfeld zu viele Personen, die das richtig einschätzen können. Da kann ich also praktisch nicht abheben oder gar größenwahnsinnig werden.

Gibt es für 2020 noch einen Matchplan oder steht die ganze Unterhaltungsbranche noch zu sehr auf wackeligen Beinen?
Es weiß im Moment wirklich niemand, wo die Reise in diesem Jahr hingeht. 2020 ist mehr oder weniger durch und wenn es keine weiteren Lockerungen mehr gibt, wird es sowieso sehr schwierig. Ich werde aber weiterhin an neuen Songs arbeiten und die Hoffnung auf einen Deal mit einem Majorlabel ist noch lange nicht gestorben.

Lienne live:
Sa. 15.08. in Augsburg “Heute im Stadion” - Festival im 11er Biergarten in der Rosenau. Special guests: Lilla Blue.
Tickets gibt es bei www.ourticket.de

Lienne im Netz:
www.facebook.com/liennemusic

Foto: Hagaff

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