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Benefizlesung gegen ein klassistisches System
Roland van Oystern, Ferdinand Führer und Gerald Fiebig lesen am 06.08. im House of New Realities!
Angestoßen durch einen aktuellen Augsburger Fall von Justizirrtum haben sich Gerald Fiebig, Krawallpoet und Musiker, Roland van Oystern und Ferdinand Führer, Autorenduo und Bandkollegen, zusammengeschlossen, um Aufmerksamkeit für dieses Problem zu schaffen und den aktuell Geschädigten zu unterstützen. Die Lesung findet am Sonntag, den 6. August 2023, um 20 Uhr
im Café Édêr statt – im Pop-up-Museum House of New Realities, Bäckergasse 4.
Benefizlesung gegen ein klassistisches System
Außenseiter und Nonkonformisten stehen im Zentrum der Lesung, die den ikonischen Songtitel „Allein machen sie sich ein“ von Ton Steine Scherben trägt. Die Autoren sammeln Spenden, um die finanzielle Last ihres Freundes ein wenig zu mindern. Er ist in Not, weil er eine Geldstrafe und Prozesskosten zahlen muss, für etwas, das so nie passiert ist, das er aber mangels Mitteln für den Rechtsweg nicht beweisen konnte.
Die Strafe für diesen Justizirrtum ist so hoch (im oberen vierstelligen Bereich), dass er sie nicht bezahlen kann; sie ist unerwartet hoch, weil die gegnerische Partei offenbar beste Verbindungen besitzt und die Pflichtverteidigung das Mandat abgewickelt hat. Ihn treffen nicht nur seine im Verlauf der haarsträubenden Farce zusätzlich verschlechterten wirtschaftlichen Verhältnisse – bei Zahlungsunfähigkeit droht evtl. Ersatzhaft; und damit der Verlust der Wohnung – ihn trifft auch, die Machtlosigkeit des gesellschaftlichen Außenseiters.
Was passiert mit Menschen, die Strafzahlungen nicht begleichen können?
Geringverdiener, Frührentner, Berufsunfähige, Menschen mit Pflegestufe oder Schwerbehindertenausweis haben oft wenig bis keine finanziellen Mittel. Strafzahlungen treffen Menschen mit geringem Einkommen härter, auch wenn sie nach dem Einkommen bemessen werden. Ca. 10 Prozent der deutschen Häftlinge sitzen ein, weil sie eine Strafzahlung nicht begleichen konnten.
Ersatzhaft nennt man das. Privatinsolvenz oder Knast, danach Obdachlosigkeit. Das sind die Alternativen, vor denen sogenannte "sozial Schwache" angesichts einer hohen Strafzahlung stehen.
Ohne Lobby, ohne Rückhalt, ohne Öffentlichkeit: Und hätte dieser Fall das Interesse der Medien geweckt, würde es "Hätte er halt nix Unrechtes begangen" in den Kommentarspalte tönen. Fiebig, van Oystern und Führer erwidern: "Wer im Glashaus sitzt,..." und "Und du weißt, das wird passieren, wenn wir uns organisieren".
Kunstauktion & Spendensammlung in Pop-up-Museum
Während der Lesung versteigern die Künstler ausgewählten Drucke von Anomaler Circus. Sie zeigen Augsburger Nonkonformisten, die aneckten und teilweise schwer dafür gebüßt haben. Die Drucken können online über die Seite des Künstlers erworben werden.






