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Die Auferstehung des Hermann Weber
Hermann Weber ist auferstanden von den politisch Scheintoten, nachdem er und die CSM bei den Stadtratswahlen im Mai untergegangen waren. Zwar wird Weber, wenn man es streng dienstrechtlich betrachtet, ein ganz gewöhnlicher leitender Beamter sein, de facto hat Gribl ihn aber aus dem machtpolitischen Hades gerettet und ihn quasi neben seinem Schreibtisch platziert.
Gribl hat damit einmal mehr bewiesen: Er ist viel mehr Machiavelli als biederer Stadtvater. Seine Verteidigung, dass es sich mitnichten um eine Mauschelei handele, sondern um ein unabhängiges, transparentes Verfahren, kann man glauben, muss man aber nicht. Die Aussage des OBs, er habe sich mit seinem engen Vertrauten Weber nie über Möglichkeiten der zukünftigen Zusammenarbeit unterhalten und es ging nie um die Ausschreibung des Stadtdirektorpostens – pardon, Herr Oberbürgermeister, aber um das zu glauben, müsste man schon ziemlich doof sein.
Weber wird sich als Stadtdirektor um Personal und Großprojekte kümmern, er wird eine Art Lordkanzler Gribls werden und damit in Wahrheit weitaus mächtiger als die meisten Referenten. Begeistert davon können eigentlich nur Gribl, Weber und Teile der CSU sein. SPD und Grüne, die Koalitionspartner Gribls, wussten im Vorfeld nichts von der Personalie Weber. Die Grünen sind gegen ihn, weil er sich in Vergangenheit als harter Verwalter in Sachen Personalmanagement bewiesen hat. Die SPD erklärt sich zähneknirschend einverstanden mit der Installierung Webers.
Große Teile der Opposition sehen ein Beispiel für Vetternwirtschaft - das ist nicht ganz richtig, aber auch nicht ganz falsch. Sicher hat Weber seinen Posten der Nähe zu Gribl zu verdanken, aber seine neue Aufgabe ist mehr als ein bequemes Austragshäusel. Er wird Macht besitzen und diese auch ausüben. Bernd Kränzle dürfte kaum erfreut darüber sein, dass sein Intimfeind wieder auf der großen Bühne steht, er hätte die CSM und ihre Galionsfigur lieber im Abseits verhungern lassen. Dieses Schicksal steht der CSM jetzt ohne Weber bevor. Oder sie wirft sich mittelfristig in die rettenden Arme einer CSU in der Gribl an Einfluss gewinnen und Kränzle verlieren wird.
Das alles ist kein Skandal, es ist aber auch kein ganz normaler Verwaltungsvorgang. Es ist ein Paradebeispiel für wendige, mäßig kaschierte Machtpolitik. In dem Feld hat Kurt Gribl derzeit tatsächlich kaum ebenbürtige Gegner. (me)






