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"Ohne Hardware keine Software"

Der Stadtrat stimmt den Theater-Sanierungsplänen zu, doch es gibt auch warnende Stimmen...

Man kann dem Augsburger Stadtrat ein gewisses Unterhaltungspotential nicht absprechen – und das ist jetzt gar nicht negativ gemeint.

Die knapp fünf Stunden der Sondersitzung zum Stadttheater am Dienstag waren relativ kurzweilig, zumal einige Abgeordnete mit blumigen Grundsatzreden die Haltung ihrer Fraktion erläuterten. Stefan Quarg von der SPD bemühte die Dichterfürsten Voltaire und Goethe und bezeichnete das Theater als "vitaler Bestandteil der Polis seit der Antike". Das "Bürgertheater" sei eine "Antwort auf die Dämlichkeiten im Fernsehen", der Neubau also "vertretbar".

CSU-Mann Andreas Jäckel fühlte sich nach den Ausführungen des Architekten zumindest "trittsicherer" in seiner Entscheidung. Das Theater sei ein gleichberechtigter Standortfaktor für die Stadt wie eine Industrieansiedlung oder eine Infrastrukturmaßnahme, so Jäckel, nicht zuletzt da hier die Marken Brecht, Fugger, Mozart und Frieden behandelt würden. Und: "Ohne Hardware keine Software", das Haus am Kennedyplatz ist nach seinen Worten eine "Bildungsergänzung" und "nicht nur zur Bespaßung" da.

Als "Theater der Zukunft" bezeichnete Verena von Mutius (Bündnis90/Die Grünen) das "offene Haus", das 2023 wieder eröffnen soll und betonte nicht zuletzt die Bedeutung des Stadttheaters als "konsumfreier Ort".

Etwas Wasser in den Wein gossen verständlicherweise die Oppositionsparteien, allen voran der Linken-Abgeordnete Otto Hutter, der sich zwar als Sanierungsbefürworter bezeichnete, aber angesichts der immensen Kosten die "Priorisierung" kritisierte: "Das Theater ist nicht unsere größere Herausforderung, sondern die Schaffung von guten Lebensbedingungen", also zum Beispiel der "Wohnungsbau für Durchschnittsverdiener". Ein Bonmot, das vielen Stadträten entgangen sein dürfte, die den unkonventionellen Ausführungen des Deutschlehrers zumeist wenig Beachtung schenken. Und das ist noch verharmlosend ausgedrückt, auf Seiten der CSM wurde da schon mal der Zeigefinger zur Stirn geführt. Zu Unrecht. Hutters Verweis auf die Unterhaltskosten, die 1,2 % der Baukosten betragen würden, also 2,2 Millionen Euro jährlich, fand sich in keiner Betrachtung der anderen Parteien. Den aktuellen Kostenschätzungen traut Hutter aber sowieso nicht: "Ich glaube, das ist schöngerechnet", urteilte der Linken-Stadtrat pauschal.

In eine ähnliche Kerbe schlug Regina Stuber-Schneider von den Freien Wählern: "Theater gehört dazu, aber schaffen wir es auch, unsere anderen Aufgaben zu bewältigen, um den sozialen Frieden zu sichern?", fragte die Parteifreundin von Volker Schafitel, der zur allgemeinen Verwunderung keinen Redebeitrag leistete. Pro Augsburg beschäftigt derweil hauptsächlich eine mögliche "Kostenexplosion", zumal Architekt Walter Achatz nach eigenen Worten die angepeilten 188 Millionen Euro (naturgemäß) "nicht garantieren" kann.

Wie sehr die Stadträte das laut Finanzreferentin Eva Weber "größte Projekt der letzten 60 Jahre in Augsburg" umtreibt, zeigten die vielen Anträge zur Sondersitzung. Auch Andreas Jäckel war sich da nicht mehr sicher: "33 plus fünf, glaube ich." Und die bedeuteten nicht zuletzt für den verantwortlichen Architekten eine Menge Arbeit, Achatz referierte lange über mögliche und unmögliche Änderungen, über deren Stoßrichtung er sich absolut im Klaren ist: "Und nun, das Wichtigste für Sie: die Einsparungen." Nachdem es gelungen ist, die Kosten von 222 Millionen Euro auf 189 zu drücken, sieht der Münchner die Grenzen aber auch erreicht. "Mir wäre es ein Herzenswunsch, würde das Projekt nun so verwirklicht", sagte Achatz zum Schluss seines Vortrags.

Das Stadtparlament tat ihm den Gefallen und stimmte dem "Grundsatzbeschluss II zur Generalsanierung und Neukonzeption des Theaterstandortes Augsburg" mit großer Mehrheit zu. Sechs Gegenstimmen kamen aus der Fraktionsgemeinschaft Polit-WG, Die Linke, Freie Wähler und ÖDP, eine steuerte Grünen-Finanzexperte Christian Moravcik bei.

Wie Michael Hörmann von der AZ berichtet, waren die beiden AfD-Stadträte bei der Abstimmung abwesend. Dass Markus Bayerbach und Thorsten Kunze bei den vorhergehenden Beratungen und Aussprachen zumindest körperlich anwesend waren, kann der Autor bestätigen. Vielleicht fühlten sie sich etwas zu sehr von den einleitenden Worten des Oberbürgermeisters angesprochen: "Es ist für ehrenamtliche Stadträte nicht einfach, das alles zu durchdringen", so Kurt Gribl zu Beginn der Sitzung. Der überwiegende Teil des Stadtrats hat es zumindest versucht. Eine Fortsetzung folgt im November, dann soll es um die endgültige Finanzierung gehen.
(flo)

Wer den langen Nachmittag im Rathaus nochmal en détail nachlesen will: Hier geht's zum Liveticker der Stadt Augsburg.

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