Podiumsgespräch „Frauenhandel und das Prostituiertenschutzgesetz“

Podiumsgesprüch in der Stadtbücherei Augsburg:
Prostituiertenschutzgesetz schützt Täter

Am 9.11.2018 fand das vom Verein „AugsburgerInnen gegen Menschenhandel e.V.“ initiierte Podiumsgespräch „Frauenhandel und das Prostituiertenschutzgesetz“ statt. Die Veranstaltung in der Stadtbücherei stand unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Kurt Gribl sowie seiner Frau Sigrid Gribl.

Die etwa 70 Interessierten wurden von Klaus Engelmohr, Vorstand des Vereins, begrüßt und mit der Frage konfrontiert, ob das vor gut einem Jahr in Kraft gesetzte Gesetz auch bewirke, was es besagt.
Nach einem kurzem Grußwort des Ordnungsreferents Dirk Wurm, führte Moderator Jürgen Single durch die Talkrunde, bestehend aus Dirk Wurm, Manfred Paulus (Kriminalkommissar a.D.), Dr. Inge Kleine (Kofra München), Martin Warnecke (Referent Prof. Dr. Dr. Thomas Schirrmachers, Präsident der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte) und Sabina Rasinariu (Gesundheitsamt Augsburg).

In Augsburg arbeiten in etwa 600 Prostituierte. Laut Sabine Rasinariu, die regelmäßig Kontakt zu vielen der Frauen hat, sei es schwer herauszufinden, ob sie sich freiwillig oder unter Zwang prostituieren, was oftmals an der Sprachbarriere, aber auch am Druck seitens der Zuhälter liegt.

Manfred Paulus ist überzeugt, mehr als 95% der Frauen befänden sich in Deutschland in der Zwangsprostitution.

In Augsburg kämpfe man für echte Verbesserungen, so Dirk Wurm, es gäbe aufsuchende Millieusozialarbeit in Zusammenarbeit mit Solwodi e.V (Frauenrechts- und Hilfsorganisation), um Frauen den Ausstieg zu erleichtern. Nur wenige Frauen jedoch wagen den Ausstieg, Gründe dafür sind Angst vor den Zuhälterbanden, Scham, Schulden.

Das Gesetz schreibe Auflagen für die Bordelle und die Frauen vor, ein Opferschutz fehle jedoch komplett, es setze Freiwilligkeit für die Prostitution voraus und gehe an den vorherrschenden Problemen vorbei, so Dr. Inge Kleine. Die organisierte Kriminalität werde dadurch nicht bekämpft.

Paulus bezeichnete das Gesetz als „Täterschutzgesetz“.

In einigen europäischen Ländern ist die Gesetzeslage, ebenso das Frauenbild anders: Dort ist Sexkauf verboten und es müsse auch in Deutschland ein Umdenkungsprozess stattfinden, so Martin Warnecke.

Die Kriminalisierung der Freier würde dazu führen, dass Frauen nicht mehr als Ware gesehen werden.
Deutschland läge als zentral-europäisches Land in der Verantwortung, sich an die anderen Länder anzugleichen, Prostitution prinzipiell als Gewalt gegen Frauen anzusehen und einen Opferschutz zu gewährleisten.

Im anschließenden Plenumsgespräch stellte Frau Sigrid Gribl als Schirmherrin der Veranstaltung die Frage, warum es in unserer Gesellschaft möglich sei, dass man schneller eine Mehrheit für den Mehrwegbecher finde, als für den Schutz von Frauen in der Prostitution. Auch sie wertete Prostitution generell als Gewalt gegen Frauen.

Zum Abschluss der Veranstaltung zitierte der Moderator den CDU-Bundestagsabgeordneten und Vorsitzenden des Bündnisses „Gemeinsam gegen Menschenhandel“ Frank Heinrich mit den Worten, das Prostituiertenschutzgesetz sei ein Gesetz, dass in die richtige Richtung gehe, aber nur einen ganz kleinen Schritt.

"Mir erschien die Verderbtheit des Sklavenhandels so enorm, so furchtbar und nicht wiedergutzumachen, dass ich mich uneingeschränkt für die Abschaffung entschieden habe. Mögen die Konsequenzen sein, wie sie wollen, ich habe für mich beschlossen, dass ich keine Ruhe geben werde, bis ich die Abschaffung des Sklavenhandels durchgesetzt habe."
William Wilberforce (1759 - 1833) vor dem britischen Unterhaus

AugsburgerInnen gegen Menschenhandel e.V. ist Mitglied im Bündnis Gemeinsam gegen Menschenhandel e.V.

Kontakt:
„AugsburgerInnen gegen Menschenhandel e.V.“
Klaus Engelmohr (Vorstand)
Bahnhofstr. 12 1/2
86150 Augsburg
0821 / 40 88 16 51
0174 / 2671700
info@AUXgegenMH.de
http://auxgegenmh.de

www.gemeinsam-gegen-menschenhandel.de

(PM / Pit)

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