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Showdown im Schlachthof
Eigentlich ist ja alles relativ einfach bei der Diskussion über die Fusion zwischen der Energiesparte der Stadtwerke und Erdgas Schwaben mit der Thüga im Hintergrund. Die Befürworter befürchten, dass die Stadtwerke auf dem sich stark verändernden Energiemarkt in Zukunft nicht alleine bestehen können, womit u.a. die Finanzierung des öffentlichen Nahverkehrs in Augsburg gefährdet wäre. Für die Gegner sind alle Sparten der Stadtwerke das Tafelsilber par excellence, das um jeden Preis verteidigt werden muss. Das nennt man dann wohl eine politische Entscheidung, die je nach Sichtweise von dem getroffen werden soll, der bekanntermaßen den Auftrag der Wähler dazu bekommen hat – oder eben direkt vom "Volk" per Bürgerentscheid.
Der Rest ist – viel Emotion und eine sehr gemischte Informationslage, die dem Souverän auch mal bisschen was abverlangt. So auch bei der Podiumsdiskussion am Donnerstagabend in der Kälberhalle. Die Vertreter des Bürgerbegehrens wollten eigentlich gar nicht mitmachen wegen "groben Verletzungen der Grundlagen einer demokratischen Diskussion", wie sie in einer Erklärung schrieben - eine nachvollziehbare Entscheidung angesichts der Waffenungleichheit bei der Veranstaltung von Stadtwerken und Erdgas Schwaben. Zum Glück und auch dank Einsatz von Thüga-Vertreter Michael Riechel, der seinen Platz an Tobias Walter von der Bürgerinitiative "Augsburger Stadtwerke in Augsburger Bürgerhand“ abgetreten hat, konnte die Diskussion doch stattfinden. Da hatte A-TV die Live-Übertragung allerdings schon abgesagt - auch sehr schade.
Denn die Besucher bekamen einiges geboten: OB Kurt Gribl erstaunlich dünnhäutig, sein Kollege aus Nürnberg, Ulrich Maly, souverän wie immer, eine komplett indisponierte Marianne Weiß von den Augsburger Grünen, ein engagierter und angesichts der Übermacht der Gegenseite bewundernswert sachlicher Bruno Marcon von Attac, während Stadtwerke- und Erdgas-Schwaben-Geschäftsführer Klaus-Peter Dietmayer die joviale Mischung aus John Wayne und Günther Jauch gab. Dazwischen A-TV-Moderatorin Silvia Laubenbacher, deren neutrale Schiedsrichterrolle bei diesem Heimspiel der Fusionsbefürworter auch das ein oder andere Mal ins Wanken geriet.
Ob es der Moderatorin wirklich gelungen ist, "Licht ins Dunkel" zu bringen? Ja und nein. Die Angst der Fusionsgegner, die Hereinnahme der "deutschen Stadtwerke-Gesellschaft Thüga" (Maly) könnte "die Tür öffnen für Privatisierungen" (Marcon), konnte genauso wenig ausgeräumt werden, wie es gelang, die verbissene Gegenwehr der Stadtregierung angesichts eines Bürgerentscheids zu besänftigen, hinter dem Gribl nicht zuletzt seinen Lieblingsgegner Volker Schafitel vermutet. Abseits der Polemiken sind die Argumentations- und Motivationslinien aber mittlerweile einigermaßen klar.
Wie gesagt, es ist eine politische Entscheidung, eine wichtige für Augsburg und nicht zuletzt deswegen ist die laufende öffentliche Auseinandersetzung eine gute Sache. Und genau genommen gibt es keinen Grund, warum darüber nicht die Bürger entscheiden sollten. Der Rest ist Theaterdonner. (flo)
Bild unten (v.l.): Tobias Walter, Bruno Marcon, Kurt Gribl, Silvia Laubenbacher, Ulrich Maly, Klaus-Peter Dietmayer, Marianne Weiß (Fotos: Christian Menkel)
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