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Wahlbeobachter: Der Schlafwahlkampf

Gäääähhhn! Is was? Ach so, ja, die Wahl!

Gäääähhhn! Is was? Achso, ja, die Wahl! Die aufregende, die spannende die ner-ven-auf-rei-ben-de Wahaaaal. Hätte man als guter Staatsbürger fast vergessen können in den letzten Tagen. Jetzt weiß man auch, warum die Parteien die ganzen Wahlplakate aufgestellt haben, weil man ohne gar nicht auf die Idee gekommen wäre, dass am kommenden Sonntag noch irgendwas Demokratisches ansteht.

Es ist eine traurige Wahrheit - aber der Wahlkampf in Augsburg befindet sich momentan in einer gefühlten Tiefschlafphase. Natürlich, die Parteisoldaten marschieren motiviert und absolut siegessicher durch die Straßen und es gibt keine Vereinsversammlung, mag sie noch so poppelig sein, die nicht von mindestens einer Partei heimgesucht wurde. Aber es gibt kein zündendes, kein emotionalisierendes Thema. Die Wahlkämpfer werden dieser Aussage natürlich empört widersprechen und staatstragend die Köpfe schütteln. Aber was sollen sie auch sonst tun?

Jetzt ist es ja nicht so, dass es einen grundgesetzlichen Anspruch auf spannende Wahlkämpfe gäbe. Der letzte Bundestagswahlkampf war auch eher müde, und die Landtagswahl auch. Es ist also nicht so, dass wir es anders gewohnt wären. Vielleicht herrscht ja auch so etwas wie ein inoffizielles Stillhalteabkommen: Ihr macht euren Wahlkampf, wir unseren, Schmutzeleien gibt's nicht und die großen Medien, die Unangenehmes ausgraben könnten, berichten lieber über die krächzenden Krähen am Kö. Einzig die Polit-WG mit ihrer "Augsburg Allgemein"-Guerilla-Aktion und die Freien Wähler mit "Augschbook" brachten in den letzten Tagen etwas Leben in die Bude.

Nun liest man, dass die Radio- und Fernsehableger der Augsburger Allgemeinen am Donnerstag eine Umfrage zur Wahl veröffentlichen werden. Das wäre allerdings eine der kühnsten Aktionen des Wahlkampfs. Denn knapp zwei Tage vor einer Wahl eine solche Umfrage zu veröffentlichen, wäre schlicht manipulativ. Die Gewinner der Umfrage werden entweder davon profitieren oder Stimmen verlieren, da die Anhänger denken, der Käse sei eh schon gegessen. Dasselbe gilt vice versa für die Opposition.

Ein gutes Beispiel also, wie eine Umfrage zur falschen Zeit Weckruf und Schlaftablette in einem sein kann. Aber man kann auch aus der Langeweile immerhin etwas Spannendes ziehen, nämlich die Frage, wem diese müde Art des Wahlkampfs am meisten nützt. Gribl, Kiefer, der bemühten bis frechen Opposition, dem bemühten Regierungspartner?

Nehmen wir an, die Wahlbeteiligung wird niedrig sein, was als Folge eines dümpelnden Wahlkampfs gut möglich ist, dann könnte das die Opposition nutzen, da die wenigen Stimmen mehr Gewicht haben werden. Möglich auch, dass die Gribl-Anhänger die bisherige Ödnis des Wahlkampfs als Beleg für die erfolgreiche Arbeit des OBs sehen und es ihm mit ihrer Stimme danken. So oder so, am Sonntag kommt das Erwachen. (me)

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