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Politik

Wahlkampf in gepflegten Sitzreihen

Ein Kommentar von Thomas Krones

"Wie wirtschaftsfreundlich ist Augsburg?" fragt Moderator Jan Klukkert zum Auftakt. Eine große Frage, anlassentsprechend formuliert, mit genug Platz, um niemandem wehzutun. Passend für einen Abend, der eher auf Ordnung als auf Überraschung setzt.

Der BDS hat eingeladen, und man merkt: Hier soll Gespräch möglich sein, nicht Eskalation. Rund 120 Menschen sind da. Parteifreund:innen, Verbandsmenschen, Presse. Publikum also, das weiß, wie solche Abende laufen. Keine spontane Straßenöffentlichkeit, eher ein kuratierter Kreis. Das wirkt ein wenig exklusiv, sorgt aber auch für Ruhe. Niemand ruft dazwischen. Niemand wird nervös. Demokratie im gepflegten Innenraum.

Florian Freund (SPD) bringt Bewegung hinein. Er spricht über Schultoiletten, über einen Fünf-Minuten-Takt im ÖPNV. Über Dinge, die man riecht, hört und jeden Tag benutzt. Das hat Drive. Freund wirkt, als wolle er nicht nur kandidieren, sondern auch gestalten. Nach Punkten geht der Abend knapp an ihn, auch weil er spürbar Lust auf die Bühne hat.

Eva Weber (CSU), die amtierende Oberbürgermeisterin, steht daneben wie jemand, der den Raum kennt. Souverän, ruhig, mit jener Gelassenheit, die man sich über Jahre erarbeitet. Eine "Elder Townwoman", die nichts mehr beweisen muss. Sie spricht pointiert, bekommt Applaus. Verlässlich. Erfahrung ist an diesem Abend eine eigene Währung.

Martina Wild (Grüne) spricht über Fördermittel. Fördermittel als politisches Multitool: abgreifen, um zu sparen, investieren, um effizienter zu werden. Das klingt technisch, ist aber ehrlich. Politik als kluge Verwaltung des Möglichen.

Hannes Aigner (Freie Wähler), der Ex-Kanute, ist auf Kurs. Solide Themen, klare Haltung, angenehme Unaufgeregtheit. Nicht unsympathisch. Jemand, dem man zutraut, einen Businessplan zu Ende zu rechnen – auch wenn man sich zwischendurch etwas mehr Risiko wünscht.

Elisabeth Wiesholler (Die Linke) konzentriert sich auf ÖPNV, Mieten, Bauen. Sie spricht weniger strategisch, dafür klarer. Dafür gibt es Sympathiepunkte. Siegerin der Herzen. Eine Kategorie, die in solchen Runden gern unterschätzt wird.

Und Iris Steiner (FDP): Die FDP ist da, wie sie immer da ist. Freiheitsgedanke, liberaler Grundton. Man kann das als Pflichtübung lesen. Oder als notwendige Stimme in einem Spektrum, das sonst enger wäre. Gerade deshalb ist sie wichtig: als Angebot an jene, die Freiheit suchen, ohne gleich ins Autoritäre abzubiegen.

Im zweiten Teil darf das Publikum ran. Jemand fragt, warum Florian Freund gegenüber Eva Weber stets so respektlos sei. Freund antwortet mit einem einzigen Wort: "Nein." Der Saal applaudiert. Es ist ein fast literarischer Moment: knapp und wirkungsvoll.

Ein anderer Bürger verliert sich, sehr ernsthaft, in einer Frage über eine ausgebliebene Information des Bürger:innenbüros zu einem Streik. Ein kleiner Monolog, irgendwo zwischen Anliegen und Selbstvergewisserung. Auch das gehört dazu.

Am Ende dieses Abends bleibt ein Eindruck, der zugleich tröstlich und leicht ernüchternd ist: Alle hatten recht. Jede Position war schlüssig, jede Argumentation in sich sauber, jede Rolle ernsthaft gespielt. Und genau das macht solche Abende aus. Aber es begrenzt sie zugleich.

Die BDS-Wahlarena ist ein gutes Format. Sie ordnet, sie strukturiert, sie bringt Menschen zusammen, die sonst übereinander reden. Sie ist kein Ort für Brüche, sondern für Einordnung. Vielleicht darf man von so einem Abend auch nicht mehr erwarten.

Es war kein Erkenntnisgewitter. Aber ein höfliches, gut ausgeleuchtetes Schauspiel demokratischer Selbstvergewisserung. Und das ist, gerade in diesen Zeiten, vielleicht schon mehr, als man denkt. (tk)

Foto: Jörn Steinhauer, BDS

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