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Eindrücke von Schwabens größtem Volksfest

Kaum habe ich das Eingangstor des Plärrers durchquert, bin ich mittendrin im Trubel und schlagartig irgendwie aufgedreht. Warum eigentlich?, frage ich mich...

Ich brauche einen Moment, um mit der plötzlichen Reizüberflutung klarzukommen. Schon am Eingang werde ich von lauter Musik zugedröhnt, bunte Lichter blinken mir aus allen Richtungen entgegen. Sofort ist man in einer anderen Welt.

Für Abwechslung ist ohne Zweifel gesorgt. Alle paar Meter ändert sich die Musik. Von HipHop-Bässen bis zu bekannten Popsongs und Volksmusik ist alles dabei – meist in ohrenbetäubender Lautstärke. Dazu mischt sich Kindergeschrei mit dem Tröten, Läuten und Klingeln der Fahrgeschäfte. Wer sich unterhalten will, hat es hier schwer. Dafür wird permanent gute Laune verbreitet. Bei den Fahrgeräten ertönen gellende Stimmen aus den Lautsprechern und heizen den Besuchern ein: „Könnt ihr noch? Wollt ihr noch ne extra Runde?“.

Als ich weiterlaufe, wird es ein wenig ruhiger. Ich bin froh, eine Pause zu bekommen und setze mich auf eine Bank, um das Geschehen zu beobachten. Schon um 16 Uhr ist der Plärrer gut besucht. Alle Altersklassen sind vertreten. Dabei sind auffällig viele Familien mit Kinderwagen unterwegs. Aber auch viele junge Paare und Schülergruppen hat es auf das Volksfest gezogen. Einige schlendern sogar allein über das Gelände; ich falle also gar nicht auf. Entgegen meinen Erwartungen sind Trachten eher die Ausnahme. Nur zirka ein Drittel der Besucher hat sich für Lederhose oder Dirndl entschieden. Vermutlich sind die meisten direkt aus der Arbeit oder Schule gekommen. Dafür entdecke ich einen kleinen japanischen Jungen in Lederhose und Karohemd, der mit seiner Familie Fotos vor einem der großen Fahrgeschäfte macht – wenn schon, denn schon!

An jeder Ecke riecht es nach Essen. Wie die Musik ändern sich auch die Gerüche alle paar Meter. Neben altbekannten Gaumenfreuden wie Bratwurst, Zuckerwatte und gebrannten Mandeln ist aufgrund des schönen Wetters vor allem Eis beliebt. In den Zelten ist nachmittags dagegen kaum etwas los. In einigen bereitet sich das Personal schon auf den großen Ansturm vor. In anderen sitzen vereinzelt Leute auf den Bänken und unterhalten sich entspannt zu Bier oder Hendl. Von Party keine Spur! Besser besucht sind die Terrassen vor den Zelten. Hier lassen einige Gäste ihren Tag in der Sonne ausklingen und genießen den Feierabend.

Beim Flanieren komme ich an einigen Fahrgeschäften vorbei, die ein ungutes Gefühl in meiner Magengegend hervorrufen. Diese kündigen sich meist schon durch lautes Gekreische an. So gibt es zum Beispiel die „Kongaschaukel“ – eine Riesenschaukel, die sich auch noch um ihre eigene Achse dreht. Hier scheinen sich fast nur junge Leute hineinzuwagen, die den Adrenalinkick suchen. Die meisten Attraktionen sind allerdings für Kinder gedacht. Ob Ponyreiten, Karussell oder Bungee-Trampolin – die Auswahl für die kleinsten Besucher ist groß. Nicht umsonst finden sich an jeder Ecke Kinder, die mit großen Augen umherschauen und auf ihre neuesten Entdeckungen zeigen.

Als ich gerade gehe, kommt mir ein Junggesellenabschied entgegen – leicht zu erkennen an einheitlichen T-Shirts mit der Aufschrift „EHE – ich trink’s mir schön“. Hier häufen sich dann doch noch die Lederhosen. Langsam aber sicher beginnt der nächtliche Teil des Plärrers. Zwar mit anderen Vorlieben des Publikums, doch gewiss nicht weniger überschwänglich. (Sandra Autenrieth)

Fotos: Christian Menkel

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