Magazin
"Erfolge wecken natürlich Begehrlichkeiten!"
Markus Weinzierl betritt den Raum mit einem breiten Grinsen, seine Laune könnte nicht besser sein. Dazu hat der Mann auch allen Grund. Mit seinem Team landete er in dieser Saison auf Platz 5 und erreichte damit sensationell die Europa-League, 2014 wurde er u.a. vom Magazin "11 Freunde" noch vor Pep Guardiola und Jürgen Klopp zum "Trainer des Jahres" gekürt. Walter Sianos im Gespräch mit dem Erfolgscoach.
Herr Weinzierl, Claudio Ranieri war drei Tage zu Gast beim FCA...
Das stimmt, ich habe ihn auch getroffen und wir haben uns ausgetauscht. Er wollte sich ein Bild vom FCA machen. Ich empfinde das als Ehre, wenn so ein international erfolgreicher Trainer uns über die Schulter schaut. Das sagt doch einiges über den Stellenwert des FCA.
Gibt es einen Trainer, der Sie wesentlich geprägt hat?
Nein, überhaupt nicht. Ich bin schon von Anfang an meinen eigenen Weg gegangen. Natürlich hat man im Laufe seiner aktiven Zeit mit einigen Trainern zusammengearbeitet, von denen man - vielleicht auch unbewusst - etwas mitgenommen hat.
Vor drei, vier Jahren konnten Sie sich in der Öffentlichkeit noch relativ frei bewegen. Wie ist das, wenn Sie heute in den Supermarkt gehen oder abends in ein Restaurant?
Man steht durch die sportlichen Erfolge inzwischen etwas mehr in der Öffentlichkeit. Ich empfinde das aber alles andere als unangenehm, wenn ich erkannt oder auch mal angesprochen werde. Die Menschen begegnen mir freundlich, freuen sich mit uns, und das ist doch etwas Schönes.
Erfolg macht sexy. Was hat sich in Ihrem Leben am meisten verändert?
Außer dass man häufiger erkannt wird, nicht viel. Ich glaube, ich kann von mir sagen, dass ich mich als Mensch deswegen nicht groß verändert habe und ich hoffe, dass andere das auch über mich sagen können.
Als Trainer eines Bundesligisten steht man brutal im Fokus der Öffentlichkeit und der Medien. Man wird bei Erfolg bejubelt, bei Fehlern aber auch schnell durchs Dorf getrieben...
Das ist nun mal so in unserem Job und damit muss man umgehen können. Unser Sport ist sehr von Ergebnissen geprägt und man muss in einigen Situationen auf Distanz gehen können und darf nicht zu emotional reagieren.
Stelle ich mir schwierig vor. Sie haben erst kürzlich Ihren Vertrag beim FCA bis 2019 verlängert. Am 19. April berichtete die Sport-Bild von einem Treffen mit Michael Zorc, dem Sportdirektor von Borussia Dortmund. Jetzt, wo die Tinte getrocknet ist, können Sie ja mal aus dem Nähkästchen plaudern.
(lacht) Alles Spekulationen...
Mit dieser Antwort will ich mich jetzt aber nicht zufrieden geben. Neue Szene-Leser wissen schließlich mehr...
Na gut. Ich weiß gar nicht, woher solche Informationen stammen. Ich kann nur sagen: Ich habe mich nicht mit Michael Zorc getroffen. Zufrieden?
Allerdings! Wie begehrt war denn die „Trainerbraut“ Weinzierl?
Klar wecken Erfolge Begehrlichkeiten. Aber ich wusste schon relativ schnell, wohin mein Weg führt, deshalb habe ich mich mit solchen Dingen nicht großartig beschäftigt.
Von Ihnen stammt das Zitat „Ich bin ins kalte Wasser gesprungen, geschwommen und nicht untergegangen.“ Der Spruch rührt aber noch aus Ihrer Zeit bei Jahn Regensburg. Mit welchem Zitat würden Sie Ihre drei Jahre in Augsburg beschreiben? „Er kam, sah und siegte“?
Ich will da jetzt nicht nach einer philosophischen Antwort suchen. Ich bin in sehr große Fußstapfen getreten und musste auch eine kritische Phase überstehen. Umso schöner, dass die Verantwortlichen mir das Vertrauen ausgesprochen haben und wir in die Spur gekommen sind.
2014 wurden Sie mit Ehrungen geradezu überschüttet. Sie wurden zum Trainer des Jahres - noch vor Pep Guardiola und Jürgen Klopp - gewählt. Wenn Ihnen das jemand vor drei Jahren erzählt hätte, dann...?
Hätte ich ihn mit Sicherheit für verrückt erklärt.
Mal ganz ehrlich: Ertappt man sich in solchen Momenten manchmal selber dabei, dass man abends auf der Couch denkt: „Mensch Markus, du bist schon eine coole Socke“?
Nein. Ich denke, Selbstzufriedenheit kann Gift in unserem Job sein. Wir müssen uns jeden Tag aufs Neue hinterfragen und immer am Limit arbeiten. Man kann sich in unserem Beruf so etwas einfach nicht leisten.
Sie sind mit Thomas Schneider, dem Co-Trainer der Nationalmannschaft, befreundet. Der musste beim VfB Stuttgart eine schwere Phase durchstehen und stand am Scheideweg seiner Karriere. Jetzt ist er Assistent von Jogi Löw. Daran sieht man, wie unberechenbar und auch verrückt dieses Geschäft ist.
Dieses Geschäft ist unglaublich schnelllebig. Man kann oft nur in kurzen Phasen planen. Dennoch habe ich bis 2019 unterschrieben, weil ich überzeugt bin, dass wir in Augsburg noch einiges bewegen können.
Sie haben die Messlatte für die neue Saison ziemlich hoch gelegt. Natürlich ist der Augsburger für seinen Realitätssinn bekannt, dennoch steigen die Erwartungen unweigerlich mit den Erfolgen.
Das ist uns absolut bewusst und wir wissen, dass wir kaum noch höher klettern können in der Tabelle. Dennoch bin ich mir sicher, dass die Menschen in der Region genau wissen, woher wir kommen, und mit welchen Mitteln wir arbeiten. Wir sind mit unserem Etat immer noch eine kleine Nummer in der Bundesliga. Aber wir wollen versuchen, den FCA langfristig in der Bundesliga zu etablieren und den Klub noch populärer zu machen. Wir haben infrastrukturell einiges verbessert, aber dieser Prozess ist noch lange nicht beendet. Es gibt also noch viel zu tun und wir können sicher noch einiges erreichen.
Sie sind Bayer. Kann ein Mann wie Sie auch im Norden oder Westen glücklich werden?
Meine weiteste Station als aktiver Spieler waren die Stuttgarter Kickers, weiter bin ich bisher noch nicht herausgekommen (lacht). Aber denkbar ist alles, da will ich mich jetzt nicht festlegen. Aber es stimmt, ich bin Bayer und fühle mich hier im Süden sehr wohl.
Gibt es etwas, wo Sie jetzt schon sagen können „Das will ich unbedingt mal in meinem Leben machen“?
So weit lehne ich mich gedanklich gar nicht aus dem Fenster. Meine ganze Konzentration liegt in Augsburg. Auch wenn das wie eine Floskel klingt, aber es ist die Wahrheit.
Ein Wort zu Stefan Reuter.
Wir arbeiten auf einer vertrauensvollen und freundschaftlichen Basis hervorragend zusammen.
Klingt schön, im Haifischbecken Bundesliga. Themenwechsel: Im Sommer 2014 veröffentlichte das Modemagazin „Instyle“ einen Bericht über Mode und Fußball. Der Titel lautete „Trainer mit Stil“. Protagonisten dieser Reportage waren Pep Guardiola, Jürgen Klopp und Sie. Man sieht Sie gerne mit modischen Nike-Sneakern, G-Star-Jeans, taillierten Hemden und kurzgeschnittenes Jackets. Welchen Stellenwert haben Style und Mode für Sie?
Ich kenne den Artikel. Ja, ich interessiere mich etwas für Mode und mache mir Gedanken, was ich anziehe. Aber ich übertreibe das auch nicht. Vom Style her bin ich vielleicht ein Mittelding aus Guardiola und Klopp, also zwischen Eleganz und Casual.
Manager Heidel vom FSV Mainz 05 hat den Vorschlag gemacht, die Bundesliga auf zwanzig Vereine aufzustocken. Ihre Meinung?
Da habe ich im Prinzip nichts dagegen. Aber, ob 18 oder 20 Teams, Hauptsache der FCA ist bei diesen Klubs dabei.
Wann haben Sie zum letzten Mal vor Glück geschrien?
Ich schreie fast bei jedem Tor von uns (lacht). Aber echte Glücksmomente hat man außerhalb des Feldes bei der Geburt der eigenen Kinder.
Über was können Sie sich total aufregen?
Über Ungerechtigkeit und Respektlosigkeit.
Was ist Ihr "place to be" in Augsburg?
Da gibt es einige schöne Orte, aber der schönste ist schon noch meine Trainerbank in der SGL arena, wenn wir in Führung liegen!
Foto: Charlie Sono






