Magazin

Sport

Europapokal? Interview mit FCA-Kapitän Paul Verhaegh

Letzte Station Mönchengladbach. Die Europapokal-Qualifikation ist nur noch theoretisch gefährdet, Platz 6 und sogar 5 noch mit Schützenhilfe drin...

Paul Verhaegh ist durch und durch ein Vorbild. Der Kapitän spielt bereits seit 2010 beim FC Augsburg und hat erst seinen Vertrag bis 2018 verlängert. 2014 feierte er mit 30 Jahren sein Länderspieldebüt für Oranje und mit der WM-Teilnahme in Brasilien ging für den Niederländer ein Traum in Erfüllung. Die Europapokalteilnahme mit dem FCA wäre jetzt noch das Sahnehäubchen.

Paul, du stammst aus Sevenum, das ist gleich in der Nähe von Venlo. Kommt da nicht auch Jos Luhukay her?
Ja, das ist richtig. Ich habe als Knirps beim VVV Venlo mit dem Kicken begonnen, Luhukay war ja auch dort als Spieler aktiv. Ich bin als Jugendlicher auch öfters zu den Heimspielen von Venlo gegangen.

Seid ihr euch dort schon begegnet?
Seltsamerweise nicht, sondern erst in Augsburg. Kaum zu glauben, nicht?

Die Grenze nach Deutschland ist nur ein paar Kilometer entfernt. Hast du dich schon als Teenager für die Bundesliga interessiert?
In erster Linie habe ich mich natürlich für die holländische Liga begeistert, aber die Sportschau habe ich oft zu Hause angekuckt. Die Bundesliga ist in Holland auch sehr populär.

Welchem Team hast du die Daumen gedrückt?
Einen deutschen Lieblingsklub hatte ich nicht wirklich. In Holland war es vor allem Venlo und später PSV Eindhoven, weil ich dort von 1998 bis 2004 gespielt habe. Das sind so die beiden Teams, denen ich in Holland die Daumen drücke. Aber ich verfolge auch Vitesse Arnheim, dort habe ich ja lange gespielt.

Wegen dir gibt es ein holländischen FCA-Fanclub. Wie kam es denn dazu?
Ja, der stammt aus meinem Heimatdorf. Das ging schon bei der WM 2014 in Brasilien los. Nach der Weltmeisterschaft kam dann die Idee zu einem FCA-Fanclub. Die haben inzwischen schon eine stattliche Anzahl an Mitgliedern. In dieser Saison waren sie schon bei einigen Spielen des FCA mit dabei.

Wenn du auf 2014 zurückblickst - war es das verrückteste Jahr in deiner Profilaufbahn?
Es war ein sensationelles Jahr für mich. Wir haben eine tolle Saison mit dem FCA gespielt und meine WM-Teilnahme war natürlich die Krönung. Damit ist ein Traum in Erfüllung gegangen.

Louis van Gaal hat dich 2014 in die Nationalmannschaft geholt und neben der WM-Teilnahme sind es drei Einsätze geworden. Hättest du gedacht, dass du mit 30 noch Nationalspieler wirst?
Ganz ehrlich? Nein! Es gibt wohl nur wenige Spieler, die mit 30 in ihrer Nationalmannschaft debütieren, umso größer war meine Freude.

Van Gaal ist ein sehr extravaganter Typ. Deine Erfahrung mit ihm?
Ich war selber gespannt auf ihn. Unsere Vorbereitung mit der Nationalelf dauerte fast neun Wochen, in denen man nahezu 24 Stunden am Tag zusammen war. Ich bin sehr positiv von ihm überrascht, er ist ein außergewöhnlicher Trainer mit einem großen Erfahrungsschatz, er hat große Mannschaften trainiert. Er verlangt wirklich sehr viel von seinen Spielern. Aber er ist auch jemand, der sich für seine Spieler interessiert, er will auch viele private Dinge wissen. Und er ist zweifelsfrei ein Mensch mit viel Humor. Ich kann nur das Beste über ihn berichten und es war eine tolle Erfahrung, mit ihm zu arbeiten.

Deine ersten Erfolge im Oranje-Trikot hast du in den Jahren 2006 und 2007 gefeiert. Du bist mit der U21 zweimal Europameister geworden. Wer waren denn da deine Mitspieler?
So etwas ist für einen jungen Spieler natürlich ein überragendes Erlebnis. Mit im Team waren damals u.a. Klaas-Jan Huntelaar und Rafael van der Vaart.

Wie kann es sein, dass so ein kleines Land so viele gute Fußballer hervorbringt?
In den Niederlanden haben sie schon sehr früh mit der Nachwuchsförderung begonnen. In Deutschland arbeiten die Nachwuchsleistungszentren seit sechs oder sieben Jahren sehr gut, in Holland haben sie die Zeichen der Zeit aber schon einige Jahre vorher erkannt.

Aber fast alle Stars spielen im Ausland. Anfang des Jahres konnte ich drei Spiele in der Eredivisie, u.a. Ajax Amsterdam, sehen. Was mir auffiel: Das Tempo ist wesentlich niedriger als in der Bundesliga und das Spiel bei weitem nicht so kampfbetont, wie man es aus Deutschland kennt.
In den Niederlanden wird viel Wert auf Taktik und Technik gelegt. Die Bundesliga ist eine sehr intensive Liga und vom Niveau noch mal eine Klasse besser, das muss man schon anerkennen.

Leidet die Eredivisie darunter, dass die besten Spieler im Ausland ihre Brötchen verdienen?
Ja, der Trend geht dahin, dass immer mehr Fußballer schon in jungen Jahren zu Klubs aus ganz Europa wechseln. Die fehlen dann natürlich in der holländischen Liga, aber man muss das auch positiv sehen. Es ist für unser Land sehr gut, wenn unsere Spieler in den besten Ligen vertreten sind.

Du hast jetzt 141 Einsätze für den FCA absolviert, für Vitesse Arnheim 143. Es fehlen also noch drei Spiele, dann ist der FCA auf Platz eins, was deine Einsätze betrifft. Hättest du 2010 gedacht, dass du so lange in Augsburg spielen würdest?
Ganz ehrlich, der FCA ist mein Verein geworden! Fußball ist nur schwer über Jahre planbar. Für mich war der FCA eine echte Herausforderung. Wir sind in die Bundesliga aufgestiegen und wir behaupten uns jetzt seit vier Jahren in der höchsten Spielklasse. Hätte ich 2010 nicht gedacht.

Du hast erst deinen Vertrag bis 2018 verlängert. Du wirst im September 32. Was wünscht du dir noch für die Zukunft?
Ich fühle mich absolut fit und mir macht mein Beruf großen Spaß. Ich will noch möglichst viele Jahre aktiv dabei sein und mit dem FC Augsburg noch viel Spaß haben.

Diese Frage musste ich noch los werden: Hast du schon mal in deinem Leben Urlaub mit dem Wohnwagen gemacht?
(lacht). Ich war zwar als Jugendlicher mit meinen Eltern beim Campen, aber nie mit dem Wohnwagen.

Über was kannst du dich total aufregen?
Ich bin ja ein ruhiger und ausgeglichener Mensch. Aber worüber ich mich immer wieder aufregen kann, ist, wenn ich im Stau stehe.

Was ist dein ”place to be” in Augsburg?
Augsburg ist eine tolle Stadt mit vielen tollen Plätzen. Sehr gerne bin ich am Kuhsee, im Parkhäusl und bei Bruno im “Al Teatro”.

Fußballer tauschen ja gerne Trikots nach dem Spiel. Welches hältst du am meisten in Ehren?
Komisch, ich habe nur ein paar Trikots. Ich tausche wirklich selten, von Arjen Robben habe ich zum Beispiel eins. Auch mein WM-Trikot im Spiel gegen Mexiko habe ich behalten. Das hebe ich für meine Kinder auf. Ich verschenke oft meine Trikots nach dem Spiel an irgendwelche Kids.

Letzte Frage. Am kommenden Samstag steht der letzte Spieltag in Mönchengladbach an. Platz 7, also die Europa-Quali ist so gut wie sicher.
Es sieht gut aus, aber ich feier erst, wenn es so weit ist. Wir werden in Mönchengladbach alles geben. Und dann werden wir sehen, was herauskommt. Mehr will ich auch zu diesem Thema gar nicht sagen. (ws)

Weitere Sport
Bild
Gregoritsch
Sport
FCA zieht Kaufoption: Michael Gregoritsch bleibt in Augsburg
Bild
Bewegung
Sport
Vom 1. Juni bis 2. Oktober finden an acht Standorten Fitness- und Bewegungskurse statt
Bild
Brackelmann
Sport
FCA verpflichtet Innenverteidiger Calvin Brackelmann vo SC Paderborn
Tagestipps
Bild
kleiner-goldener-saal-01-zoom.jpg
SONNTAG
14
T A G
E S T
I P P
Mi. 17.06.
Do. 18.06.
Konzert
Brunnenhof im Zeughaus
Fr. 19.06.
Klassik
Rokokosaal der Regierung von Schwaben
Fr. 19.06.
Konzert
Brunnenhof im Zeughaus