Haben Sie'n Tütchen?

Ja, es war sehr, sehr konstruiert, um nicht zu sagen mutwillig zusammenfabuliert. Der Münsteraner Tatort "Erkläre Chmiäre" gestern stand jeglicher Realität ferner als St. Pauli der Deutschen Meisterschaft.

Eigentlich musste man sich wundern, dass das Drehbuch nicht auch noch eine Tauchszene in der Karibik vorangestellt hat, schließlich sind sechs Flaschen uralter Champagner, gefunden in einem Wrack vor Kuba, Auslöser des Falles. Der Anfang war aber auch so spektakulär genug: Ein Altglassammler wird überfahren, Kommissar Thiel per Luftröhrenschnitt von Kollege Boerne gerettet und die erste Leiche hat auch was am Hals. Wobei die Münsteraner genau genommen gar keine Toten benötigen würden.

Wie gehabt in der Fahrradstadt wird geschnippelt und gewitzelt, geraucht und gekeucht, "Vadder" bekommt seine Einsätze, Frau Staatsanwältin und Boerne-Assistentin Alberich. Das hat schon fast schon den Charme von Komödienklassikern wie "Ein Herz und eine Seele" und ist auch auf dem besten Weg in den deutschen TV-Krimi-Himmel, was vornehmlich an den Hauptdarstellern Jan Josef Liefers und Axel Prahl, aber auch am weiteren Ensemble liegt.

Spannend wird wie immer sein, wie's mit diesen leicht bekifften Tatorten weitergeht, wenn der letzte Tütchenwitz gerissen und die letzte Spitze gegen Kleinwüchsige stumpf geworden ist. Aber das ist mehr, als man von so manch anderen ARD-Ermittlern sagen kann. (flo)

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