Die Herausforderung und der Umgang mit den Sozialen Medien

Die Sozialen Medien ermöglichen uns die Nutzung einer Welt voller neuer Möglichkeiten: was vor Jahren noch undenkbar schien, ist heute Realität. Dank dieser Kommunikationsmöglichkeiten können wir uns mit einer Reihe von unterschiedlichsten Netzwerken verbinden und mit der Familie, den Freunden und gegebenenfalls auch mit Menschen auf der anderen Seite des Globus Kontakt aufnehmen. So werden bestehende Kontakte gepflegt aber auch zukünftige berufliche oder soziale Kontakte aufgebaut.

Aber wie bei allen guten Dingen des Lebens kann ein zu viel davon auch durchaus schädlich sein. Ein kürzlich veröffentlichter Bericht geht davon aus, dass 210 Millionen Menschen weltweit unter der sogenannten Internetsucht, also dem permanenten Verlangen nach Facebook, Instagram oder dem generellen Verweilen im weltweiten Netz leiden. In Europa zeige fast jeder zehnte Jugendliche ein bedenkliches Web-Verhalten.

Und die Forschungen über dieses komplexe Thema sind noch lange nicht abgeschlossen.

Aber wie soll mit diesem Phänomen umgegangen werden?
Der Hauptgrund, der unser tägliches Verhalten steuert, also auch unsere Internetgewohnheiten, wird durch das soziale Umfeld, in dem wir leben und aufgewachsen sind, geprägt.

„Den Schein wahren“ ist einer jener Zwänge, denen wir in der westlichen Welt unterliegen. Und unter dem Deckmantel „Social Media“ lässt es sich gut leben, denn dort können wir ausschließlich unsere guten Seiten präsentieren und kein Kratzer trübt unser Erscheinen. Und das macht uns glücklich!

Außerdem sind wir Menschen von Geburt an neugierig und wir lieben es, zu erfahren, was andere Leute so den ganzen Tag treiben. Während es in der Vergangenheit vielleicht zwei Nachbarn gab, die über das seltsame Verhalten eines komischen Typen am Ende der Straße getratscht haben, so kann heut zutage theoretische jeder der sich in der digitalen Welt befinden über Gott und die Welt schreiben, lästern oder einfach nur Klatsch und Tratsch verbreiten. Bilder werden veröffentlicht und betrachtet, Kommentare dazu abgegeben und schlussendlich wird so Meinung gemacht. Das Getratsche ist nie aus der Mode gekommen und schwatzhaft werden die Menschen wahrscheinlich immer sein.

Das ist alles schön und gut, aber wieso verursachen diese Tatsachen eigentlich Probleme?

Sich einer radikalen Entziehungskur stellen
Die Internetsucht und im speziellen die Abhängigkeit von den Sozialen Medien sollte im Grunde genauso behandelt werden wie eine ungehemmte und unkontrollierte Verlangen nach einem anderen Suchtmitteln. Studien wie zum Beispiel „Addicted by Design“ belegen klar, dass Webseiten wie Twitter ähnliche Techniken wie Glücksspielunternehmen verwenden, um Menschen in deren Abhängigkeit zu bringen.

Pop-up-Benachrichtigungen, wenn beispielsweise Freunde an einem Ihrer Beiträge Gefallen finden, geben Ihnen vermutlich einen ähnlichen Dopamin-Schub wie ein kleiner Gewinn bei einem Online-Slotspiel. Solche kleine Erfolgserlebnisse erzeugen psychologische Abhängigkeiten, die uns sehnsüchtig aber unbewusst auf den nächsten Glücksmoment warten lassen. Dieses Verlangen nach Belohnung verleitet uns immer mehr Beiträge zu posten oder – wenn wir beim Beispiel des Glücksspieles bleiben – immer weiter und weiter zu spielen.

Können wir jedoch unser nächstes Hochgefühl nicht erreichen, erleben wir zwangsweise eine negative Erfahrungen, ein Gefühl der Leere macht sich breit, das mit dem sogenannten „Comedown“ eines Drogenkonsumenten verglichen werden kann - nur weniger intensiv.

Solche Emotionen führen zwangsläufig zu psychischen Problemen, die Angstzustände und Depressionen mit sich führen und die Lebensqualität eines in die Sucht abgedrifteten Menschen erheblich beeinträchtigt.

Ein Mangel an Selbstwertgefühl
Wie bereits erwähnt, bieten uns die soziale Medien eine großartige Gelegenheit, die Traumwelt, in der wir eigentlich gerne leben wollen, zum Teil auch zu verwirklichen, und sei es auch nur oberflächlich für kurze Zeit.

Falls Sie dieser Aussage keinen Glauben schenken wollen, so schauen Sie sich doch einfach Webseiten wie Instagram an, die im Grunde genommen ja nur dadurch existieren können, weil diese ausschließlich auf der rosaroten Seite des Lebens beruhen. "Hier an diesem wundervollen tropischen weißen Sandstrand faulenze ich - bin ich nicht ein toller Hecht?"

Dieses Statement wird durch "Gefällt mir", Smileys und diverse Kommentare bestätigt. Aber was passiert, wenn wir diese Belobigungen dann doch nicht bekommen sollten? Wahrscheinlich tritt ein Deflationsgefühl auf, also ein Zustand der Enttäuschung und Gleichgültigkeit, das sich sogar auf das Selbstwertgefühl schlagen und beeinträchtigen kann.

Es ist einfach ein Spiegelbild der realen Welt. Mädchen werden mit Werbekampagnen bombardiert, in denen sie angewiesen werden, wie der aktuelle Superstar zu sein: Ohne diesem Goodie kein Like! Dasselbe gilt natürlich auch für die Jungs, die nicht verweichlicht sich allen Gefahren des Lebens stellen sollen, denn nur so reüssieren sie im weltweiten Netz.

Jedoch ziehen solche Anforderungen auch einige Konsequenzen nach sich: Viele Menschen können diese Erwartungen oft nicht erfüllen. Es ist einfach nicht möglich, dass wir alle wie ein Supermodel aussehen oder mit einem gutgefüllten Bankkonto gesegnet sind und die teuersten Autos fahren.

Schlussendlich – früher oder später – kommen wir drauf, dass die Wunderwelten, die uns die sozialen Medien vorspielen, reine Illusion und Chimäre sind und wir nie und nimmer in der Lage sein werden diese Vorgaben zu erfüllen. Als Resultat sinkt unser Selbstwertgefühl rapide, denn wir sind nicht in der Lage diese hohen Standards auch nur ansatzweise zu erfüllen.

Nur kurze Aufmerksamkeitsspannen
Wir haben im Laufe unseres Lebens sicher die meisten Informationen erhalten, viel mehr als die Generationen davor. Dies bedeutet aber auch, dass die Zeiten, in denen wir uns auf etwas konzentrieren können, immer kürzer werden.

Auch die Kommunikationstechnik hat darauf reagiert: Informationen werden in kurz-sequenzieren Videos geliefert, auf Twitter sind die Beiträge auf 280 Zeichen begrenzt, bei Tik-Tok haben die Benutzer maximal eine Minute Zeit, um ihre Nachricht zu übermitteln. Unterhaltung ist angesagt und muss permanent stattfinden, und sollte uns etwas nicht gefallen, so können wir sofort zu einer anderen App springen oder mit uns mit jemand anderem unterhalten.

Dass durch dieses Verhalten unsere Aufmerksamkeitsdauer immer kürzer wird und die Konzentration auf einen bestimmten Sachverhalt immer schwächer wird, ist einleuchtend und liegt auf der Hand. Warum sollten wir uns den Kopf über Dinge zerbrechen, wenn uns die Lösungen scheinbar mundgerecht auf einem Teller präsentiert werden? Eines jener Probleme, die sich aus diesem Verhalten ergeben kann, ist, dass sich die mangelnde Aufmerksamkeit zu Kommunikationsstörungen führen kann, die schlussendlich in Isolations- und Angstgefühlen enden kann.

Wie können wir damit umgehen?
Zuerst sollen wir uns einmal klar werden, wie viel Zeit wir damit verbringen, unsere Nachrichten, die wir täglich so erhalten, zu lesen oder auch nur zu überfliegen. Machen Sie sich eine Woche lang Notizen über Ihr Nutzungsverhalten. Nach dieser Woche können Sie dann selbst abschätzen, ob Ihr täglicher Zugriff auf die Sozialen Medien ausreichend ist, oder ob Sie stark übers Ziel hinwegschießen und weit über der empfohlenen „Dosis“ liegen. Wenn dies so sein sollte, dann ist es an der Zeit direkte Maßnahmen zu ergreifen.

Die gute Nachricht lautet aber, dass wir diese Herausforderungen alle mit ein wenig Aufwand schaffen können, und zwar wie folgt:

● Setzen Sie sich tägliche Zeitlimits für die Nutzung Ihrer sozialen Medien fest. Es gibt sogar eine Reihe von Apps, die Ihnen dabei helfen.

● Halten Sie sich tagsüber einige medienfreie Zeitfenster frei. Wenn Sie eine Stunde vor dem Schlafengehen Ihre Apps alle abschalten und nicht mehr nutzen, kann Ihr Gehirn entspannen werden und Sie werden sich auf einen gesunden Schlaf vorbereiten. Sollte diese Nutzungseinschränkung helfen, so sollten Sie eine digitale Entgiftung von einigen Tagen oder mehr anvisieren.

● Finden Sie sich ein neues Hobby oder reaktivieren Sie alte Gewohnheiten, die Sie vor der „Social Media“-Zeit gerne getan haben: Machen Sie sich auf dem Weg etwas anderes zu finden, etwas, das Sie ablenkt, und Sie nicht alle fünf Minuten auf Ihr Mobiltelefon starren lässt.

● Wenn sich alle oben genannten Punkte als zu schwierig für Sie herausstellen sollten, so müssen Sie sich schleunigst auf die Suche nach professioneller medizinischer Hilfe machen und Spezialisten aufsuchen.

Eine Gewohnheit zu brechen ist viel leichter gesagt als getan. Es erfordert Zeit und Ausdauer, aber im Fall der Sozialen Medien kann sich der Aufwand für Sie lohnen.

Eine von Top-Ökonomen durchgeführte Studie ergab signifikante positive Auswirkungen auf das Wohlbefinden der Probanden, wenn sich diese ein Monat lang von der Facebook entsagten. Ein produktiveres und bedeutend erhöhtes soziale Leben war die Folge dieses Nichtnutzens.

Und sollte klar werden, dass die Sozialen Medien lediglich eine Unterstützung unsers Alltags sein sollte und keine Lebensnotwendigkeit, nur durch eine vernünftige und ausgewogene Nutzung können diese Medien zu einem positiven Lebensaspekt beitragen.

Foto von NeONBRAND auf Unsplash

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