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The Tea Chariot
In der ehemaligen Dominikanerkirche St. Magdalena, im historischen Herzen Augsburgs, entsteht während des Water & Sound Festivals eine begehbare Kunstinstallation zum Leitmotiv »Waterways – Canals, Sea Routes, Empire«.
Im Zentrum steht eine lebende Teepflanze in einem gläsernen Kasten, einer Wardian Case, umgeben von Klang, Kartografie, Licht und Raum.
»The Tea Chariot« ist eine prozessorientierte Zusammenarbeit des in Tunis und Turin arbeitenden Künstlers Rafram Chaddad, des Augsburger Künstlers Sebastian Giussani, der Bühnen- und Kostümbildnerin Amelie Seeger und Girisha Fernando, der das Projekt konzeptionell begleitet. Gemeinsam entsteht eine skulpturale und klangkünstlerische Arbeit, in der Tee als botanischer Protagonist der Globalisierung erscheint: als Pflanze, die Ozeane und Kanäle durch Handel, Spionage, Diebstahl, Kolonialismus und Ritual überschritten hat. An der Schnittstelle von Skulptur, Klanginstallation, Licht und Bodenmapping entsteht ein dichtes Geflecht aus Bild, Raum und Klang.
Die Installation macht sichtbar und erfahrbar, wie Globalisierung, botanische Spionage und Wasserwege miteinander verflochten sind.
Wardian Case, Tee-Diebstahl und Dominikanerkirche
Ausgangspunkt der Installation ist eine Teepflanze in einem Terrarium, inspiriert von der historischen Wardian Case. Dieses geschlossene Glaskasten-System revolutionierte ab 1829 den weltweiten Transport lebender Pflanzen, da es ihre Überlebenschancen auf langen Schiffsreisen erheblich erhöhte. Mitte des 19. Jahrhunderts nutzte der schottische Botaniker Robert Fortune diese Technik im Auftrag der britischen East India Company für eine illegale Operation: Unter Umgehung chinesischer Ausfuhrverbote schmuggelte er tausende Teepflanzen und -samen aus China nach Indien.
Mit dieser Operation sollte das massive Handelsdefizit Großbritanniens gegenüber China verringert werden, das vor allem durch Teeimporte entstanden war und bereits zu den Opiumkriegen beigetragen hatte. Auf Grundlage dieses Pflanzentransfers entstanden die Teeplantagen in Assam und Darjeeling, die China als führende Tee-Exportregion allmählich ablösten. Tee wurde so zu einem Schlüsselprodukt globaler Verflechtung, mit tiefgreifenden Folgen für Wasserwege, Handelsrouten, Arbeitsregime, Landschaften und Alltagsrituale. In St. Magdalena wird das Terrarium als zentraler Körper der Installation wie eine Reliquie positioniert. Es ist umgeben von einer großflächigen Bodenarbeit, die imperiale Handelsrouten als Kartografien globaler Extraktion sichtbar macht, sowie von einer immersiven Klanginstallation. Die Geschichte der Kirche als Ort religiöser Autorität, und patrizischer Repräsentation wird dadurch subtil befragt und durch pflanzliches Leben, Klang und Kartografie neu gelesen.
Öffnungszeiten:
Fr. 24.7. – So. 26.7. und Mi. 29.7. – Sa. 1.8., je 13:00 – 18:00 Uhr
locations
Dominikanerkirche
Dominikanergasse 15
86150 Augsburg
Deutschland






