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Brechtfestival – Lang, länger, am längsten
Wer hätte das gedacht! Joachim Lang soll, geht es nach der CSU und der SPD, wohl auch nächstes Jahr das Brechtfestival leiten. Die Grünen und Kulturreferent Weitzel sind eigentlich dagegen, aber wer sind schon die Grünen und was ist schon ein Kulturreferent? Das mögen sich die entscheidenden Kulturmachtler, allen voran Bernd Kränzle (CSU-Fraktionsvorsitzender) und Karl Heinz Schneider (SPD-Graue Eminenz), gedacht haben und flugs wurde beschlossen: Lang soll es noch länger machen.
Spannend ist die ganze Geschichte deswegen, weil sie zeigt, wie Macht im Kleinen funktioniert. Na gut, so klein ist Augsburg nicht, das stimmt, aber der Kreis der handelnden Personen in der Kulturpolitik ist vergleichsweise winzig, er würde an einen Wirtshaustisch passen. Vielleicht wurde die Lang-Personalie ja an einem solchen Wirtshaustisch entschieden. Das ist nicht abwegig.
Vor ein paar Jahren saß ich mit Joachim Lang nebst hübscher Assistentin, Bernd Kränzle, Karl-Heinz Schneider nebst Gattin, A3-Herausgeber Kannler und DAZ-Boss Siegfried Zagler spät abends an einem solchen Wirtshaustisch und es wurde herumkulturt.
Lang gab sich souverän, auch weil die Assistentin ihn konsequent bewundernd anschaute. Zagler polterte drauf los, hielt alles, was Lang machte für schwach, für unsinnig, ihn selbst für eine totale Fehlbesetzung. Kränzle flirtete halbherzig mit Langs Assistentin, die schaute aber ja immer nur Lang an. Schneider und seine Gattin, eine Frau mit einer wunderschönen bayerisch gefärbten Stimme, polterten gegen Zagler, der unverdrossen zwischen Kartoffelsalat und Leberkäse gegen Lang stichelte. Der winkte immer nur ab.
Schneider-Gattin: Jetzt hören's doch auf, Herr Zagler, sie san a richtiga Übatreiberling!
Zagler: Ahhhh, ihr immer! Was der Lang über Brecht erzählt, ist doch Murks! Dann rühmt er sich, dass die Tagesschau was über sein Brecht-Festival bringt, aber ihr wisst doch alle, wie das läuft!
Kannler (unschuldig): Wie läuft das denn, Sigi?
Zagler (stöhnend): Der Mann is bei der ARD, die bringen sowas schon aus Gefälligkeit, und dann bringen die dritten Programme dieselbe Meldung und am Ende kann er sagen: Wir wurden 25mal im Fernsehen erwähnt!
Lang (winkt ab und geht auf die Toilette)
Langs Assitentin (winkt ab).
Kränzle (winkt ab).
Zagler (energisch zu Langs Assistentin): Jetzt sagen Sie doch mal, wie viele Zuschauer hatte das Brechtfestival wirklich?
Assistentin: Das darf und kann ich Ihnen noch nicht sagen.
Zagler (winkt ab).
Kannler: Wenn sie es halt nicht sagen kann....
Schneider: Ja, dann weiß sie es halt noch nicht.
Kränzle (lachend): Oder darf's nicht wissen.
Schneider-Gattin: Auf jeden Fall macht der Lang seine Sache wirklich sehr gut, diese ewige Nörgelei is doch ein Schmarrn!
Kränzle, Schneiders (nicken zustimmend).
Zagler schweigt und isst missmutig seinen Kartoffelsalat. Die anderen Anwesenden sind zufrieden und widmen sich ihrem Essen.
Tja,und so in etwa dürfte das mit der Verlängerung von Langs Brechtfestival gelaufen sein. Man kennt sich, man mag sich, ja man schätzt sich und wieso sollte man jemanden dann vom Hof jagen, wenn man seine Arbeit schätzt? Das würde man bei einem Klempner auch nicht machen, wenn er sich bewährt hat, wieso also sollte bei einem Festivalleiter diese Logik nicht greifen? Eben.
Solange es diese Art der Wirtshauskulturpolitik gibt, haben theoretisierende Schöngeister wie Kulturreferent Weitzel keine Chance. Vielleicht entschließt man sich ja konsequenterweise dazu, Lang das Brechtfestival lebenslang leiten zu lassen und er kann dann testamentarisch bestimmen, wer ihm nachfolgen soll. Lang, länger, am längsten. (me)






