Der Fluch der Winsler

Gelegentlich denkt man ja an seine Schulzeit und andere Peinlichkeiten zurück. Nicht oft, zum Glück, aber es kommt vor. So ging es mir heute, als ich im Bett lag, kurz nach dem Erwachen und weiß der Teufel wieso, aber ich musste an die peinlichste und blödeste Spezies von Mitschülern denken, die es für mich gab: die Winsler.

Also das war so, wahrscheinlich wissen die meisten, was ich meine, aber nur zur Sicherheit erkläre ich es. Immer wenn der Lehrer etwas wissen wollte und die Frage wie ein Stück Fleisch in den Raum warf, immer dann gab es eine Handvoll Leute, die sich stöhnend über die Schulbank warfen und dabei versuchten ihre Zeigefinger möglichst nahe in Richtung Lehrkörper zu streckten. Das Stöhnen ging dann schnell in ein Winseln über: Ich, Ich, Ich, weiß es ! Als ob die Leute sehr dringend aufs Klo mussten und nur durften, wenn sie sich mit der richtigen Antwort meldeten. Irgendwann erlöste der Lehrer dann alle und irgendwer durfte dann zum Beispiel sagen, welche Farbe eine Gurke hat.

Ich überlege gerade - war das nur bei mir so? War ich zufällig immer in Klassen, in denen dieser devot wichtigtuerische Wahnsinn herrschte? Das müsste man wirklich mal erforschen. Was ich mich heute aber noch frage: Was wurde wohl aus den Winslern?

In einer gerechten, pointierten Welt, sind diese hochmotivierten Winsler heute sicher bedauernswerte und spießige Gestalten, die sich nach Aufmerksamkeit verzehren und zugleich in irgendeiner Vorhölle arbeiten, bei der Hundesteuer oder als Sklaventreiber bei einer Ausbeuterfirma.

Aber wir leben in keiner gerechten, ja nicht einmal in einer pointierten Welt. Deswegen nehme ich an, dass die Winsler Erfolg hatten, denn ihre Sucht nach Anerkennung wird sich vermutlich in guten Noten ausgedrückt haben und direkt asozial waren sie ja auch nicht, oder vielleicht schon, aber eher latent. Ich glaube, die Winsler haben sich mit den Jahren angepasst, irgendwann werden sie gelernt haben, dass zu offensichtliche Unterwürfigkeit doch nicht ganz so attraktiv wirkt und werden heute vielleicht für ein hippes Onlinemagazin arbeiten, uns mit beifallheischenden rührenden Stories zu Klicks verleiten und aufpassen, dass sie durch keine Winselkonkurrenz bedroht werden. Vielleicht sind sie aber auch engagierte Sozialpädagogen geworden und retten Kinder vor Drogen und Germanys Next Topmodel.

Ach was! Einmal Winsler - immer Winsler. Höchstwahrscheinlich winseln die Streber unserer Schulzeit jetzt total motiviert über den Schreibtischen ihrer Chefs gebeugt und sehen dabei kein bisschen jämmerlich aus, denn sie lagen am Ende richtig. (me)

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