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Eintagsfliege

Nasenloch schlägt Sommerloch

Gerade habe ich mich mit einem Bekannten sorgenvoll über die sommerliche Lokalpolitik unterhalten. Dass sich gar nichts Spannendes tut. Dann kam die Rettung...

Gerade letzte Woche habe ich mich mit einem Bekannten sorgenvoll über die sommerliche Lokalpolitik unterhalten. Dass sich gar nichts Spannendes tut, dass es erschreckend langweilig ist. Aber dann kam die Rettung. Dann kam Pro Augsburg, die von der Politik genauso gelangweilt waren wie ich.

Es ging um Reiner Erben und seine Nase, in der er, so die Stadträte von Pro Augsburg, "widerlich rumgebohrt" hat. Und das im Stadtrat. Und das in einer öffentlichen Sitzung. Und das am Ende vor Kindern oder vor Narren. Ich versuche, mir diese Szene vorzustellen.

Erben sitzt auf der Regierungsbank, bohrt versonnen in seiner Nase.

Stadtrat 1: Iiiiiiiiiiihhh schau mal, der Erben!
Stadtrat 2: Was, was, was denn?
Stadtrat 1: Der bohrt in der Nase!
Stadtrat 2 starrt Erbens Nase an: Ja, das ist ja ekelhaft!
Stadtrat 1 starrt auch gebannt auf Erbens Nase: Der hört gar nimmer auf! Also ich bin vielleicht die altmodischste Schubse hier, aber das ist doch unwürdig!
Stadtrat 2 starrt auch auf Erbens Nase: Da graust es mir ja, wie der da rumbohrt, der Saubär!
Stadtrat 1: Der hört nicht auf.
Stadtrat 2: Na, der hört gar nicht auf.
Stadtrat 1 und Stadtrat 2 starren den Rest der Sitzung auf Erbens Nase und verfolgen gebannt, wie er in ihr rumbohrt.

Nach der Sitzung telefonieren sie eifrig herum. Besprechen sich mit Parteifreunden. Sammeln Verbündete. Sie versichern sich der Unterstützung moralischer Autoritäten. Sie verfassen schließlich mit brennender Sorge eine Presseerklärung. In dieser verurteilen sie Erbens Bohrtätigkeiten mit allerehrlichster Entrüstung und fordern dessen baldige Hinrichtung. Nein, falsch, sie sind nur empört.

Und als altmodische Empörer wissen sie natürlich, dass die schönste Form der Empörung die öffentliche Empörung ist. Hätten sie Erben nach der Sitzung mit ihrem Ekel konfrontiert, hätte der womöglich fortan nie mehr in der Nase gebohrt. Das wäre dumm gewesen. Dann hätte niemals von ihrer Nasenbohrbetrachtungstortur erfahren. Aber welchen Zweck soll philisterhafte Empörung denn dienen, wenn nicht dem, sich selbst als Saubermann und den Angegriffenen als ekelhaftes Schwein zu desavouieren?

Zum Glück sekundierte die örtliche Tageszeitung mit der Veröffentlichung des Nasenlochthemas im Sommerloch, sonst hätte niemand außer den Verfassern und ein paar Spam-Opfern die Presseerklärung gelesen. Danke. (me)

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