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Eintagsfliege

Skandal im Sperrbezirk!

In Lechhausen soll ein Bordell eröffnet werden, in der Nähe des Weltbildverlags und eines Moscheevereins. Darüber sind nun fast alle Beteiligten und Unbeteiligten sehr empört...

Ja, das gute alte Thema Prostitution. Was hätten manche Literaten, Maler und manche Redakteure nur ohne diesen unerschöpflichen Topos gemacht? Wahrscheinlich hätten sie sich schlicht gelangweilt. Bukowski hätte über liederliche Hausfrauen geschrieben, Toulouse-Lautrec hätte Sonntagsschülerinnen gemalt und den Redakteuren würde auch irgendwas einfallen.

Aber um Letztere muss man sich ohnehin keine Sorgen machen. Denn die Sache mit dem käuflichen Sex scheint ein unerschöpflicher Quell zu sein. Auch wenn die Straßenprostitution in Augsburg verboten wurde und kleine Kinder wieder unbehelligt nachts durch das Schlachthofviertel tollen können, gibt es nun schon wieder Ärger. In Lechhausen soll ein Bordell eröffnet werden, pikanterweise in der Nähe des katholischen Weltbildverlags und eines Moscheevereins. Darüber sind nun fast alle Beteiligten und Unbeteiligten sehr empört. Der runde Tisch der Religionen befürchtet einen Angriff auf die "ungestörte Religionsausübung und den sozialen Frieden".

Nun muss man es sich nicht so vorstellen, dass die Prostituierten direkt vor der Moschee oder dem maladen Weltbildverlag ihre Dienste anbieten werden, eine Lärmbelästigung ist auch nicht zu erwarten. Was stört also konkret die Religionsausübung der Moscheebesucher und den sozialen Frieden in einem Gewerbegebiet? Frauen bieten hinter verschlossenen Türen und mutmaßlich blickdichten Fenstern Sex für Geld an. Das ist nicht besonders romantisch und in einer idealen Welt würde es nicht stattfinden.

Aber ist das bereits ein Grund eine Art Bannmeile um Orte religiöser Andacht zu ziehen? Sind eine Moschee, eine Kirche, eine Synagoge in dieser Hinsicht schützenswerter als ein Kindergarten, eine Schule oder einfach nur ein Wohnblock, in dem auch Kinder leben? Und ist eine Religion, die die hässlichen Realitäten der Welt nicht sehen will, nicht eine schwache Religion? Darf sie das Hässliche aus ihrem Blickfeld verbannen und um sich herum einen hübschen Grünstreifen der scheinbaren Sittsamkeit schaffen? Und wenn man Bordelle nicht generell verbieten kann, wo soll man sie überhaupt bauen dürfen? Vielleicht auf die grüne Wiese mit einem Mindestabstand von 500 Metern zum nächsten bewohnten Gebäude?

Nein, diese Debatte ist heuchlerisch. Sie ist es aus mehreren Gründen. Allein die Furcht, der soziale Friede an der Steinernen Furt könnte durch ein Bordell gestört werden, ist schon lachhaft. Denn wenn der soziale Frieden in der Gegend gefährdet ist, dann durch die berechtigte Angst der Weltbild-Mitarbeiter, die um ihre Jobs im kircheneigenen Verlag und damit um ihre Existenz bangen. Die Debatte ist auch deswegen heuchlerisch, weil während des Wahlkampfs keiner wagt vernünftige Argumente gegen die Stimmungsmache der Saubermänner zu äußern. Stefan Kiefer, OB-Kandidat der SPD, hat erst kürzlich erfahren dürfen, wie eine sachliche Aussage dergestalt verdreht wurde, dass man ihn als Lobbyisten der Bordellbetreiber darstellte.

Aber nicht jeder, der nicht in den Chor der gerecht Empörten und der Pharisäer einstimmt, ist deswegen ein Förderer oder Profiteur der Frauenausbeutung. Rein gesetzlich ist Prostitution ein Gewerbe und kein Verbrechen. Und wer den Frauen, die sexuell ausgebeutet werden helfen will, der tut das nicht, indem er sie aus seinem Blickfeld verbannt. (me)

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