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Der große Serienguide zu Weihnachten II
In Treatment
Worum geht es...Der Therapeut Paul Weston behandelt im Verlauf der ersten Staffel vier Patienten mit völlig verschiedenen Hintergründen und Problemen. Jede Therapiesitzung/Folge dauert 25 Minuten und ist für sich genommen ein kleines Kammerspiel.
Nichts für...schlichte Gemüter
Empfehlenswert, weil...In Treatment zeigt, dass eine Serie auch mit wenig Kulisse grandios sein kann. Der allergrößte Teil der Handlung spielt sich im Arbeitszimmer Paul Westons ab. Dort empfängt er seine Patienten und förmlich von der ersten Minute an will man als Zuschauer nicht mehr aus diesem Zimmer hinaus. Wie sich alle Beteiligten mitsamt ihren Geschichten im Lauf der Therapiestunden öffnen und den Blick auf die Tragik, die Sehnsüchte, das Erhabene und die Abgründe freilegen, das ist spannendes, psychologisches Serienkino, für das man die Produzenten und die Schauspieler liebt.
Ach ja...die erste Staffel ist etwas besser als die zweite, wie so oft.
Fargo
Worum geht es...Fargo basiert auf dem gleichnamigen Film der Gebrüder Coen. Ist das ein Spin-off, ein Prequel, ein Sequel? Scheißegal, die Serie ist ein groteskes Meisterwerk. In der ersten Staffel steht der glücklose Versicherungsvertreter Lester Nygaard im Mittelpunkt. Sein böser Geister, Helfer, Verfolger und Mephisto, ist der Killer Lorne Malvo (Billy Bob Thornton), der eine oscarwürdige Vorstellung bietet. Nygaard trifft durch Zufall auf Malvo, der aus Sadismus, oder auch aus Hilfsbereitschaft, diverse Störenfriede aus Nygaards Leben ins Jenseits befördert, was für reichlich Komplikationen sorgt. Zum Glück ergibt sich aus diesem Plot keine billige Wo-verstecken-wir-die-Leiche?-Komödie, sondern die abgründigste und originellste Serie des Jahres (dicht gefolgt von Better Call Saul)
Nichts für...Verächter schräger Geschichten
Empfehlenswert, weil...es den Machern gelingt, die Serie genauso intelligent, schräg und kühl hinzukriegen wie die Filmvorlage. Im Grunde kämpfen alle Figuren gegen ihre Dämonen - und ums nackte Überleben
Ach ja...die zweite Staffel ist genauso genial wie die erste.
Better Call Saul
Worum geht es...Better Call Saul ist ein Spin-off der Serie Breaking Bad - das sei nur deswegen erwähnt, weil die Hauptfigur, der Anwalt Saul Goodman, bereits aus Ersterer bekannt ist und man beide gesehen haben sollte. Goodman ist auch hier ein exzentrischer Kerl, aber noch nicht so sehr auf der dunklen Seite der Macht. Die Serie startet mit dem steinigen Beginn seiner Anwaltskarriere.
Nichts für...Menschen, die kein Herz für Schlitzohren haben.
Empfehlenswert, weil...Saul Goodman der witzigste, tragischste, schlauste und liebenswerteste Schelm der Fernsehgeschichte ist (mir fällt wirklich niemand ein, der den Titel mehr verdient) - ein tragisch-komisches Charakterdrama.
Ach ja...gutes Zitat: "Sie sehen nicht schuldig aus, wenn Sie sich einen Anwalt nehmen. Schuldig sehen Sie erst aus, wenn man sie in Handschellen abführt."
Narcos
Worum geht es...Porträtiert wird der berüchtigte Drogenkönig Pablo Escobar - Aufstieg, Kampf, Höhepunkt und Niedergang. Escobar gab es übrigens wirklich, die Serie ist sicher nicht einhundert Prozent realitätsgetreu, aber zum allergrößten Teil (was viel von der Faszination erklärt, die von Narcos ausgeht).
Nichts für...allzu gesetzestreue Zuschauer.
Empfehlenswert, weil...man sich nicht sattsehen kann an dieser realistischen Darstellung von Macht, Schäbigkeit, Gewalt und Verbrechen. Hier zeigt sich, wie entscheidend die Perspektive ist. Ein Verbrecher mag noch so abstoßende Dinge tun, wenn wir die Lage lange genug aus seinem Blickwinkel betrachten, fiebern wir schon bald mit (und sind zugleich angewidert).
Ach ja...keine Macht den Drogen.
Marcus Ertle






