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Brechtfestival? Reine Routhieme
Im Rathaus wurde am Donnerstag das Programm des diesjährigen Brechtfestivals vorgestellt, dem (vermutlich) letzten unter Festivalleiter Joachim Lang. Der führt seinen biographischen Ansatz zu Ende mit dem Fokus auf die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg und Brechts Rückkehr nach Deutschland aus dem Exil in den USA: "Die Vaterstadt, wie empfängt sie mich wohl?", so das Motto.
Die Vaterstadt hat nach dem Krieg wohl nicht gerade auf ihren berühmten Sohn gewartet, man hatte andere Probleme. Wie Brecht auch, der zunächst ab November 1947 in der Schweiz residierte und ein Jahr später in den Ostteil Berlins zog. Wie Kulturreferent Thomas Weitzel in seiner Eröffnungsrede erwähnte, war der Autor vor seinem Tod 1956 nur noch zweimal kurz in Augsburg.
Die diesjährige Ausgabe des Brechtfestivals startet am 28.02., endet am 06.03. und ist quasi ein Best-of der vergangenen sechs Jahre: Bekannte Stammgäste wie Thomas Thieme (Foto), Meret Becker und Dominique Horwitz sind wieder dabei, Johanna Schall, Michel Abdollahi und Jan Knopf. Dazu natürlich die zahlreichen Augsburger Beteiligten, die mittlerweile knapp die Hälfte der Künstlervorstellungen im Programmheft bilden, in dem allerdings auch jeder Kleinstbeitrag einzeln gewürdigt wird, darunter Stadträte und Lokaljournalisten.
Das große musikalische Highlight ist bereits bekannt: Element Of Crime spielen im Kongress, darüber hinaus darf man sich auf die Schweizer Ausnahmekünstlerin Sophie Hunger freuen. In Diskussionsrunden sind u.a. der ARD-Moderator und Autor Max Moor, der Schweizer Schriftsteller Lukas Bärfuß, der Historiker Herfried Münkler ("Die Deutschen und ihre Mythen") sowie das Aushängeschild der Partei Die Linke, Gregor Gysi, zu erwarten. Den Brechtpreis bekommt die Schriftstellerin Silke Scheuermann zur Musik von Rainer von Vielen.
In Ermangelung einer Augsburger Brecht-Produktion bringen drei auswärtige Ensembles BB auf die Bühne: das Berliner Ensemble präsentiert eine Brecht-Revue, das Frankfurter Ensemble Modern führt "Die Dreigroschenoper" konzertant auf und das Deutsche Nationaltheater Weimar zeigt "Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui". Dafür darf Theaterintendantin Juliane Votteler in Sebastian Seidels Theaterstück "Brechtburg" im Sensemble mitwirken.
Die Festivalzentrale residiert dieses Jahr im früheren Stadtarchiv in der Fuggerstraße beim Stadtmarkt und wird von der Augsburger Kreativschmiede "Bluespots Productions" bespielt. Über die Zukunft des Festivals und seines aktuellen Leiters Joachim Lang soll laut Kulturreferent Thomas Weitzel nach Ende der diesjährigen Ausgabe entschieden werden.
Tickets für Element Of Crime gibt es seit Oktober, der Kartenvorverkauf für alle anderen Veranstaltungen startet am 19.01. Das komplette Programm hier. Viel Spaß! (flo)
Foto: Diana Deniz






