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Der lange gute Mensch
Dass Blöde am Augsburger Brechtfestival, zumindest in seiner jetzigen Konzeption, ist, dass man doch hin und wieder Brecht spielen muss, vor allem natürlich als Stadttheater der Brechtstadt. Wie enervierend die Stücke des Vielschreibers sein können, ist hinlänglich bekannt.
Das Theater Augsburg hat zum diesjährigen Festival "Der gute Mensch von Sezuan" ausgewählt und die griechische Regisseurin Katerina Evangelatos gebeten, die Story um die Prostituierte Shen Te und ihren notgedrungen ins Leben gerufenen angeblichen Vetter Shui Ta auf die Bühne zu stellen.
Und das macht sie richtig gut. Einerseits. Oder wie eine fachkundige Besucherin in der Pause urteilte: "Sie machen eigentlich alles richtig: gute Truppe, gutes Bühnenbild – aber es lässt einen völlig kalt." Womit wir beim bereits angesprochenen Manko sind: Der knapp dreistündige Tanz um das berühmte Moraldilemma ist mit seinem langatmigen Erzählstil selbst bei einer noch so einfallsreichen Inszenierung eine reichlich zähe Geschichte. Der gute Bert würde das heute sicher nicht mehr so schreiben.
Es bleiben viele gute Ideen in der Augsburger Sezuan-Sause, eine fast schon fröhliche Inszenierung, die auch den ein oder anderen Sparwitz nicht auslässt. Das bestens aufgelegte, nur neunköpfige Ensemble um Lea Sophie Salfeld in der Hauptrolle (vorne im Bild) ist mit Leib und Seele dabei, auf dem großen Spielplatz werden munter Rollen und Kostüme getauscht und Kulissen verschoben. Sogar der Regen ist echt und die "Wasserstellen" auf der Bühne zaubern wunderbare Lichteffekte. Die Musiker - Gitarrist Adrian Sieber, Saxophonist Kay Fischer und Schlagzeuger Dominik Scholz - verbringen ebenfalls viel Zeit auf der Bühne, seltsamerweise gehen die Dessau-Songs aber eher unter. Man genießt dann auch die ruhigen Momente, die gerne etwas öfter hätten kommen können. Nichtsdestoweniger endet ein langer Theaterabend in einem gelungenen Schlussbild, das dann auch mit langem Applaus bedacht wird. (flo)
Foto: Nik Schölzel






