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Ja, aber...
Das hat die Theaterdebatte so an sich: Die unterschiedlichen Meinungen und ihre Repräsentanten sind nicht immer klar getrennt, weder inhaltlich noch örtlich. Bei der Sitzung des Kulturbeirats am Dienstag traf u.a. ein Mitinitiator des Bürgerbegehrens, Peter Bommas, auf Theaterintendantin Juliane Votteler. "Die Stimmung zu Beginn war schon sehr angespannt", beschreibt Beiratsmitglied Sebastian Lübeck die Stimmung.
Der Vorsitzende Peter Bommas ließ wegen der aktuellen Meinungsverschiedenheiten dann auch seinen Stellvertreter Korbinian Grabmeier die Sitzung leiten, in der zunächst Bastian Lange vom Bürgerbeteiligungsprozess zum Theater berichtete.
Das von einer Arbeitsgruppe vorformulierte Statement zum Tagesordnungspunkt "Theatersanierung/Bürgerbegehren" wurde eine gute Stunde lang intensiv diskutiert, die schließlich verabschiedete Version enthält keine "Verurteilung" des Bürgerbegehrens mehr, rügt aber eine "Verrohung der Mittel" in der Debatte – eine direkte Kritik an den Aktionen einiger Sanierungsbefürworter. Grabmeier widerspricht: "Die Kritik richtet sich allgemein an alle Diskursteilnehmer, der Beschluss ist da bewusst offen formuliert." (siehe Kommentar unten)
Wer wissen will, wo der Kulturbeirat steht, muss fast ein bisschen suchen: Erst in Punkt vier (von sechs) befürworten die Mitglieder die "geplante Sanierung", fordern aber im selben Atemzug eine Erhöhung des Kulturetats. "Für uns heißt das auch, das wir von den 189 Millionen Euro Kosten ausgehen – und keine Million mehr", erläutert Lübeck.
Die Stellungnahme wurde einstimmig beschlossen und auch von den beiden Hauptkontrahenten Bommas und Votteler unterzeichnet. "Die haben engagiert diskutiert, nachdem das Eis gebrochen war", so Lübeck. Das Papier soll nun dem Kulturausschuss übermittelt werden, der blöderweise am selben Tag tagte und turnusmäßig erst in über einem Monat wieder zusammenkommt.
Nichtsdestoweniger sind die Kulturbeiratsmitglieder Feuer und Flamme für ihre Tätigkeit, wie Lübeck erzählt: "Wir haben uns 2016 schon viermal getroffen, eigentlich sollte der Beirat halbjährlich tagen." Die nächste Sitzung des Kulturbeirats findet voraussichtlich am 13. Juli statt, die Treffen sind öffentlich. (flo)
Hier die Stellungnahme des Kulturbeirats in voller Länge:
1. Die Kultur einer Stadt erzeugt über das alltägliche Geschehen hinaus eine dynamische Atmosphäre des Zusammenlebens, die bei allen Spannungen den verschiedensten Menschen eine Heimat bietet. Kunst und Kultur eröffnen den notwendigen Raum für Diskurs und kritische Reflexion und bieten eine Bühne für Bildung und Identifikation. Damit geht der Wert von Kunst und Kultur weit über das finanziell Messbare hinaus.
2. Der Kulturbeirat begrüßt die zum Erhalt des Stadttheaters und für seine Öffnung zur Stadtgesellschaft notwendigen beschlossenen Investitionen. Er vertraut in die Relevanz von Theater für eine positive Entwicklung der Augsburger Kultur und für die Zukunftsfähigkeit der Stadt.
3. Aus einer solch großen Investition in eine kulturelle Einrichtung erwächst eine dauerhafte Verantwortung. Die daraus resultierende Konzeption des Stadttheaters muss offen sein für zukünftige Entwicklungen, offen sein für vielfältige Nutzung, offen sein für Kooperation und bürgerschaftliche Beteiligung. Das Stadttheater befördert die kulturelle Entwicklung auf breiter Basis und ist Katalysator für besondere künstlerische Schöpferkraft.
4. Die akute Sanierungsbedürftigkeit des Augsburger Stadttheaters rührt auch daher, dass notwendige Investitionen in die Kultur über Jahrzehnte unterblieben sind. Daher steht der Kulturbeirat heute zur geplanten Sanierung des Theaters und fordert zugleich eine Erhöhung des Kulturetats und eine langfristige finanzielle Unterstützung der freien Szene und anderer kultureller Einrichtungen.
5. Eine überprüfende Auseinandersetzung mit Planung und Finanzierungskonzept ist nachvollziehbar. Der durch die Bürgerbeteiligung angestoßene Prozess einer weiteren Öffnung und Vernetzung des Stadttheaters mit der kulturellen Szene wird gewünscht. Es gilt den Begriff des Theaters der Zukunft weiterzuentwickeln und daran ausdrücklich die Stadtgesellschaft zu beteiligen. So erweist sich Augsburg als lebendiger Ort bürgerschaftlichen Engagements.
6. Dabei appelliert der Kulturbeirat an alle Diskursteilnehmer, besonnen und sachlich zu argumentieren und eine Debatte zu führen, die von Transparenz und vom Ringen um echte Alternativen geprägt ist. Eine Verrohung der Mittel ist in der Friedensstadt Augsburg nicht akzeptabel.
Einstimmig beschlossen von Orhan Aycac, Peter Bommas, Korbinian Grabmeier, Michael Grau, Prof. Andreas Kunert, Sebastian Lübeck, Jonas Mattejat, Christoph Smija und Juliane Votteler.
Foto: Christian Menkel






