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"Keine Sentimentalitäten"

Das Theater Augsburg präsentiert seinen neuen Spielplan, der gleich zwei Abschiede einleitet: vom Großen Haus und von Intendantin Juliane Votteler...

Vermutlich wäre die heutige Pressekonferenz im Theater Augsburg zur neuen Spielzeit etwas anders ausgefallen, hätte es nicht die andere Pressekonferenz am vergangenen Freitag gegeben, bei der die Sanierungskritiker ihr Bürgerbegehren ankündigten. Immerhin ist die Saison 2016/17 die letzte für Intendantin Juliane Votteler, die seit 2007 in Augsburg tätig ist.

Angriffsfreudig zeigte sich die 55-Jährige allerdings erst gegen Ende der Veranstaltung: "Jetzt gilt es zu kämpfen!" Noch am gleichen Nachmittag findet im Großen Haus eine Vollversammlung statt, um sich gegen das Bürgerbegehren aufzustellen und weitere Aktionen zu planen.

Davor wurde fast schon routiniert der neue Spielplan präsentiert und die anwesenden Spartenleiter zeigten sich dermaßen gutgelaunt, dass man nicht umhin kam, ans Pfeifen im Walde zu denken. Kulturreferent Thomas Weitzel bezeichnete die Saison 2016/17 als "großes Fest" und Juliane Votteler versprach, "keine Sentimentalitäten" aufkommen zu lassen.

Etwas sentimental wirkt der Spielplan allerdings schon: das Ballett "Der Nussknacker", Kästners "Pünktchen und Anton" als Weihnachtsstück, die Puccini-Oper "Tosca", Mozarts "Idomeneo", Horvaths "Der jüngste Tag", dazu "Simplicius Simplicissimus" und "Wallenstein" zur Lutherdekade - allein angesichts der Titel dürfte es schwer werden, einen Siebzehnjährigen vom Theaterbesuch zu überzeugen. Das alles natürlich getoppt von Goethes Gassenhauer "Faust I&II", den Schauspielchefin Maria Viktoria Linke "verjazzen" will, und der Freilichtbühnenproduktion im nächsten Jahr: "The Rocky Horror Show".

Etwas verwundert blickt man zum Beispiel nach Gersthofen, die Ferdinand von Schirachs "Terror" auf die Bühne bringen, oder Inszenierungen von Michel Houellebecqs "Unterwerfung" in Hamburg und Berlin. Selbst die geplante Brecht-Revue von und mit dem neuen Festivalleiter Patrick Wengenroth klingt wie noch von Joachim Lang erdacht: "Die Welt ist: schlecht! Und ich bin: Brecht!". 2016 hieß es "Ich kann Brecht und Brecht kann mich".

Die geplanten Publikumserfolge dürften indes einigermaßen gesichert sein: Mit "Oscar" gelang dem französischen Komiker Louis de Funès in den 60ern der Durchbruch, Michael Frayns "Der nackte Wahnsinn" von 1982 wird bisweilen sogar als "Mutter aller Komödien" bezeichnet.

Offensichtlich aktueller sind "Das große Wundenlecken" zum Spielzeitauftakt und das Rechercheprojekt "Unruhe im Paradies" mit der beliebten Publikumspartizipation. Auf die Hoffmannkeller-Experimente "If Dogs Run Free" von Thomas Prazak und "Auerhaus" von Bov Bjerg darf man ebenso gespannt sein wie die Musiktheatercollage "Die Weiße Rose" und natürlich die Neuinszenierungen beim Ballett. Und auch das sei erwähnt: Das Spielzeitheft mit Fotos der argentinischen Fotografin Eli Cornejo ist ein absoluter Hingucker.

Bleibt zu hoffen, dass die (vermutlich) letzte Spielzeit vor der Sanierung nicht zum reinen Schaulaufen mit "kämpferischen" Einsprengseln wird. In ihrem abschließenden Statement nannte es Juliane Votteler "gefährlich, noch einmal über die Sanierungspläne zu diskutieren". Ihr letztes "großes Fest" in Augsburg wird das wohl aushalten müssen – und sicher auch können. (flo)

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