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Standpunkt gesucht

Mit "Die Maßnahme" im Gaswerk startete das Brechtfestival 2017...

Im Gegenlicht, auf Kirchenbänken oder stehend - "Die Maßnahme" im Gaswerk

Man hätte vielleicht doch mal auf die Eintrittskarte schauen sollen: Stehplatz. Im Theater? Ja. Wenn man nicht das (auch nicht ganz komfortable) Glück hat, einen Platz auf den Kirchenbänken zu ergattern, drückt man sich zwei Stunden lang im Apparatehaus rum, lehnt sich an Generatoren, Geländer und Sicherungskästen und überlegt, ob es auf den Holzdielen etwas wärmer ist als auf den Fliesen. Das Ganze im Weihrauchnebel. Nimm das, Kulturpublikum!

"Die Maßnahme", eine Eigenproduktion des diesjährigen Brechtfestivals, ist eine Zumutung, rein körperlich. Das ist einerseits gut so, andererseits lenkt es ab vom eindrucksvoll inszenierten Kommunisten-Showdown im fernen China, den selbst UnsBertolt nicht ganz gelungen fand.

In der Inszenierung von Regieneuling Selcuk Cara gelingt vieles, nicht alles. Die Soundkulisse ist offensichtlich schwierig, die Erzählerin ist allzu oft schlecht zu verstehen, erstaunlich gut funktioniert indessen das Zusammenspiel zwischen dem unsichtbaren Orchester mit Chor und den Protagonisten auf der Bühne, die sich nahezu über den kompletten Raum erstreckt.

Die vier Hauptdarsteller - Luise Wolfram, Katharina Rivillis, Florian Mania und Volker Zack - sind in Verbindung mit der Musik unter der Leitung von Geoffrey Abbott dann auch das Highlight dieser "Maßnahme", das Stück selbst ist brechttypisch langatmig bis dröge. Und so gibt man sich auf der Suche nach dem tatsächlichen und im übertragenen Sinne "richtigen Standpunkt" der Atmosphäre hin und wird immer wieder mal sanft bis ruppig an die Thematik erinnert, der bereits in der dem Stück vorgezogenen "Geisterbahn" im Kühlerhaus die nötige Aktualität verpasst wurde.

Es ist ein Versuch, der freimütig scheitert und gelingt und viel Diskussionstoff für die Aftershowparty im Hoffmann-Keller liefert. Gut, dass man hier die erfrischend zugänglichen Protagonisten - Regisseur, Darsteller und Festivalleiter - trifft, und natürlich die Festivalgänger, die bei der Parallelveranstaltung in der Brechtbühne waren. Das Brechtfestival hat endlich wieder Drive und diese Maßnahme hat sich auf jeden Fall gelohnt. (flo)

"Die Maßnahme" im Gaswerk ist noch dreimal zu sehen: am Samstag, 04.03., um 18.00 und 21.00 Uhr sowie am Sonntag, 05.03., um 18.00 Uhr.

Foto: Christian Menkel

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