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Theater erst nach der Pause
Ödön von Horvaths "Der jüngste Tag" eröffnete am Freitag die Ausweichspielstätte des Theaters Augsburg im Martini-Park.
Als Meisterin der leisen Töne ist Regisseurin und Schauspielchefin Maria Viktoria Linke ja sowieso nicht bekannt, aber vielleicht liegt es auch am ungewohnten Spielort: Auf jeden Fall werden beim ersten Stück in der Ausweichspielstätte Martini-Park zunächst eifrig Akustik und Bühnenstabilität ausgelotet. Das Publikum wird bei diesem öffentlichen Aufwärmtraining mit Sparwitzen über die Deutsche Bahn und ein, zwei guten Ausstattungsgag bei der Stange gehalten. Der Applaus vor der Pause ist dementsprechend zurückhaltend. Die Fans von Django 3000 können sich immerhin über die "bayerische Kultband" freuen, die das Stück musikalisch begleitet.
Zum Glück ändert sich das Szenario in der zweiten Hälfte. Plötzlich besinnt sich Regisseurin Linke auf eine absolute Stärke des Augsburger Theaters: die Schauspieler. Alexander Darkow als Stationsvorsteher Hudetz (Foto oben), Ute Fiedler als dessen Frau, Kerstin König als Anna, Gregor Trakis als Alfons und nicht zuletzt die beiden Gäste Susanne Bredehöft und Valerie Oberhof – die Klasse des Ensembles lässt die Materialschlacht im ersten Teil noch rätselhafter erscheinen. Selten hat man so einen erleichterten Schlussapplaus gehört.
"Der jüngste Tag" hinterlässt also einen eher zwiespältigen Eindruck, die Spielstätte dürfte aber durchaus noch für die ein oder andere Überraschung gut sein. So lange das Theater dabei nicht vergisst, Theater zu spielen, darf man sich darauf durchaus freuen. (flo)
Wieder zu sehen am: 18., 23., 27., 28., 30.10., 03., 04., 05., 11., 12.11.
Fotos: Kai Wido Meyer






