Magazin

Kultur

"Wie kein Zweiter in Deutschland"

Die Jungs vom Spiegel sind begeistert von Franz Doblers neuem Roman - wir auch!

Wenn das mal keine Ehre ist: Der Augsburger Autor Franz Dobler wird auf Spiegel-online für seinen neuen Roman gelobt - und wie!

Für "Ein Bulle im Zug" bekam Franz Dobler den Deutschen Krimipreis 2015, Ende September erschien nun die Fortsetzung "Ein Schlag ins Gesicht" - und die könnte mal so richtig durch die Decke gehen.

"Dobler schreibt Kriminalromane wie kein Zweiter in Deutschland", urteilt Marcus Müntefering auf Spiegel-online. "Das Spiel mit Anspielungen und Zitaten beherrscht Dobler virtuos", er habe "eine Sprache entwickelt, die am klassischen US-Hardboiled-Stil geschult ist, aber niemals bloße Imitation bleibt", so Müntefering. Den ganzen Artikel gibt's hier.

Falls es nun noch jemanden interessieren sollte, was die Neue Szene von "Ein Schlag ins Gesicht" hält, hier unser leicht gekürzter Beitrag zum Thema aus der aktuellen Ausgabe:


"Ich brauche keinen Mord"

Der Augsburger Schriftsteller Franz Dobler und sein neuer Roman "Ein Schlag ins Gesicht"

Mein Besuch bei Franz Dobler fällt Mitte September auf den vorletzten heißen Tag des Jahres. In dem frisch sanierten Gründerzeitblock im Bismarckviertel ist die Klingelanlage ausgefallen und es dauert etwas, bis mich der Schriftsteller an der Haustüre abholt. Im dritten Stock angekommen, schwitzen wir beide mächtig. "In Thailand wird’s noch wärmer, da beginnt gerade die Regenzeit", meint Dobler. Der 56-Jährige fliegt pünktlich zum Erscheinen seines neuen Romans auf Einladung des Goethe-Instituts nach Bangkok. "Kein Problem, das Buch erscheint am 24. September, eine Woche drauf sind wir schon wieder zurück."

Man könnte durchaus verstehen, wenn der Augsburger Autor vor Eintreffen der ersten Rezensionen noch mal eine kurze Auszeit braucht. Sein letzter Roman "Ein Bulle im Zug" hat den deutschen Krimipreis 2015 gewonnen und bundesweit gute Kritiken eingefahren, da ist die Erwartungshaltung entsprechend.

Während "Ein Bulle im Zug" gar kein expliziter Krimi war, legen sich Dobler und sein Verlag mit dem Nachfolger "Ein Schlag ins Gesicht" sehr viel eindeutiger fest: "Kriminalroman“ steht zwar nur klein auf dem Cover, doch das Foto mit der leicht bekleideten Frau im rotgefärbten Fadenkreuz spricht neben der abgebildeten Pistole eine deutliche Sprache. Darauf angesprochen zuckt der gebürtige Schongauer leicht genervt mit den Schultern: "Für mich liegt das Buch dazwischen, aber ich sehe da eh keinen großen Unterschied, das ist wie mit der Unterscheidung zwischen Hoch- und Populärkultur.“

Das Satansmädel und der Ex-Bulle

Wir begegnen erneut dem psychisch angeknacksten Kriminalhauptkommissar Robert Fallner, der nun kein Kriminalhauptkommissar mehr ist und bei der Sicherheitsfirma seines Bruders anheuert. Hier bekommt er den Auftrag, die nicht mehr ganz frische Schauspielerin Simone Thomas, die ihre Karriere in den 70ern mit Schmuddelsexfilmchen ("Die Satansmädels von Titting") startete, von einem Stalker zu befreien.

Wer Dobler kennt, ahnt schon bei dieser kurzen Inhaltsangabe, was für Möglichkeiten die Story bietet und tatsächlich fehlen weder die für ihn charakteristischen Verweise in die Populärkultur, allen voran Film und Musik, noch die Charaktere, die dann in den Rezensionen zumeist als "verschroben" bezeichnet werden: Türsteher und Sicherheitsleute, Boxer und Altpunks, Halbweltmitglieder aller Art.

Vor allem merkt man dem Roman aber an, dass Dobler, neben intensiven Recherchen zum Thema Stalking und Polizeiarbeit, einige Sitzungen - und vielleicht auch das ein oder andere Bier - mit seinen Hauptfiguren hinter sich hat. Witzigerweise ist ihm dabei lange Zeit entgangen, dass er seinen aktuellen Held Robert Fallner so ähnlich benannt hat wie den Protagonisten aus "Aufräumen" von 2008, Beat Faller. "Das habe ich erst später bemerkt, ehrlich!", versichert er. Auch dass er zu Beginn der Arbeit am Roman noch kein Ende im Kopf hatte, ist sicher nicht kokettiert. "Ich hatte Vertrauen zu dem Material und wusste, aus dem wird sich der Schluss ergeben."

Ein Blick ins Arbeitszimmer

Der Ex-Bulle und die gefallene Sexbombe sind ein Traumpaar für jeden Autor, da macht Dobler keine Ausnahme. Der Spaß, den er beim Aufeinandertreffen der beiden hatte, ist nicht zu überlesen. Die Dialoge sind kleine Meisterwerke, so schlagfertig waren selten Figuren in den bisher vier Romanen (neben zahlreichen Kurzgeschichten, Gedichten, einer Biographie und einem Theaterstück) von Franz Dobler, der sich nicht umsonst mit Screwball-Comedys aus den 30ern und 40ern befasst hat und an einer Stelle sogar einen Film von Howard Hawks zitiert.

Dass Romanheld Fallner nicht auf den Mund und schon gar nicht auf den Kopf gefallen ist, weiß der Leser bereits, doch auch sein weiblicher Counterpart entspricht nicht dem Klischeebild "Blond-Busen-blöd", wie Dobler es nennt. "Es gibt allerdings eine Bemerkung von ihr, in der sie auf den Autor B. Traven anspielt, die manchen Kritikern unrealistisch erscheinen mag, aber ich fand sie einfach zu gut." Diese Freude beim Schreiben ist im ganzen Buch zu spüren, auch im fünfseitigen "Quellenverzeichnis", ungewöhnlich für einen Roman. "Ich fand einige Aufsätze oder Bücher zum Thema einfach erwähnenswert und habe mir dann den Spaß gemacht, zusätzlich Songs, Filme etc. mit reinzunehmen", so Dobler. Für den Leser bietet sich dadurch nicht zuletzt ein lohnenswerter Blick ins Arbeitszimmer des Schriftstellers.

Ein Krimi ohne Leiche

Einen weiteren Preis hat das Finale seines Romans verdient. Wie so oft bei Krimis, vor allem im Fernsehen, beschleicht den Fan auch bei "Ein Schlag ins Gesicht" die Angst, die bis dahin so bodenständige Geschichte könnte mit einem krachenden Showdown zwischen dem früheren Cop und einer Gang osteuropäischer Revolverhelden enden, stattdessen wird's eher unspektakulär, aber genau dadurch sehr realistisch – und sympathisch.

Dobler lacht, überlegt kurz und sagt: "Ich denke, das darf man schon verraten: Es gibt keinen Mord. Ich habe keinen gebraucht." Auf die Stimmen, ein Krimi ohne Leiche sei wie ein Cowboy ohne Pferd, gibt der Autor nicht viel. Und München, der nie erwähnte, aber klar identifizierbare Handlungsort, ist auch nicht LA. "Schau dir doch die Mordrate in München an: Es gibt hier keine Leute, die einfach eine 45er ziehen. Das ist in Amerika anders."

Ein Autor im Fernsehen

Ob Franz Dobler wieder den Krimipreis bekommen wird, zeigt sich dann im Januar. Von seinem Sieg 2015 hat er übrigens erst durch den Verlag erfahren. "Vom Gremium selbst habe ich nicht mal eine Mail bekommen, es gibt keine Urkunde, keine Preisverleihung, nichts", erzählt er, "das ist fast schon wieder nett." Die diesjährige Auszeichnung hat übrigens sein Freund Friedrich Ani geholt.

In den letzten Jahren war Dobler nicht nur als Autor aktiv. Er hat Bücher von Ry Cooder und Jim Thompson übersetzt und ist selbst zum Schauspieler geworden. Im Dezember 2015 lief der "Tatort" mit Ulrich Tukur, in dem Franz eine Nebenrolle spielt. In dem 45-minütigen Filmporträt "Standing“ seines Weggefährten Hubl Greiner steht er dann selbst im Mittelpunkt.

Etwas dauern wird es wohl auch noch bis zur Verfilmung von "Ein Bulle im Zug". Immerhin ist das Drehbuch bereits geschrieben und - "wenn nix passiert" - könnte Robert Fallner irgendwann tatsächlich im ZDF auf große Bahnfahrt gehen. Die naheliegende Frage nach einem weiteren Teil lässt Dobler indes offen: "Ich versuche sicher nicht krampfhaft, einen dritten Band zu schreiben, selbst wenn die Trilogie natürlich klassisch wäre." Zumindest aus Augsburger Sicht ist er das aber sowieso schon: ein Klassiker. (flo)


"Ein Schlag ins Gesicht" ist am 24.09. bei Tropen (Klett-Cotta) erschienen, 364 Seiten kosten 18,95 Euro. Franz Dobler ist DJ beim "Bayerischen Abend gegen das sogenannte bayerische Integrationsgesetz" am 28.10. im Mauläffle, die offizielle Buchvorstellung findet am 18.11. im Münchner Gasteig statt. Die "Rusty Roots Roadshow" mit Franz Dobler und Steve Train & His Bad Habits steigt wieder am 16.12. im Grandhotel. Das Porträt "Standing" von Hubl Greiner ist auf dbate.de zu sehen.

Foto: Marijan Murat

Weitere Kultur
Bild
Gustl Mair, Klaus Weigele
Kultur
Amphi“theater“ am Steg - Oberhausen-Hettenbach, Kreuzung Schöppler-/Seitzstraße
Bild
Ruede Hagelstein
Kultur
Lesung mit Ruede Hagelstein und Lange Kunstnacht im Juni im Atelierhaus
Placeholder image
Kultur
Vom 11. Juni bis 19. Juli im Römerlager im Zeughaus
Tagestipps
Bild
Kahnfahrt
MITTWOCH
10
T A G
E S T
I P P
Do. 11.06.
Konzert
Brunnenhof im Zeughaus
Fr. 12.06.
Buntes
Planetarium
Fr. 12.06.
Konzert
Brunnenhof im Zeughaus