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Charme, Chuzpe und 13 Bläser
Peinlich, aber wahr: Das Auge hört mit. Monika Roscher begeistert mit ihrer Bigband im Jazzclub.
Den Satz konnten sich die wenigsten (männlichen) Konzertbesucher verkneifen: "Und dann sieht sie auch noch so gut aus!" Monika Roscher ist ein Phänomen der deutschen Jazzszene – und die kommt kaum hinterher, ihr die Preise nachzuschmeißen. Die 32-jährige Echo-Preisträgerin ist die Verkörperung charmanter Chuzpe und hat sich nach dem Gitarrenstudium einfach mal einen Traum verwirklicht, der mit zu den kompliziertesten im Jazz gehört: eine Bigband.
An der Seite von dreizehn (!) Bläsern sowie Kontrabass, Schlagzeug, Piano und Elektronik performt sie nun ihre Bühnenwerke, die witzigerweise als Ausgangspunkt eher harmlose Songs haben, von der Bandleaderin mit Gitarre und Gesang im Björk-Stil fast schon verträumt intoniert. Im Gegensatz dazu füllen die Bläsersätze und Arrangements meterlange Notenblätter, die ihre Mitmusiker, darunter der Augsburger Saxofonist Jan Kiesewetter, mit bewundernswerter Präzision absolvieren. Da bleibt wenig Raum für Improvisation, das Konzept Bigband ist hier trotz aller Avantgarde doch eher konservativ ausgelegt, inklusive Aufstehen bei den Solos und Dirigat der Komponistin. Hat man so noch nicht gesehen und auch das Publikum im Jazzclub zeigte sich begeistert vom Auftakt des fünfjährigen Vereinsjubiläums am Donnerstag.
Kleine Anekdote am Rande: Vor genau einer Woche gastierte die Monika Roscher Bigband in Istanbul, als der Stadtbummel am Donnerstagabend ein jähes Ende fand in Form des Militärputsches. Der Auftritt in der deutschen Botschaft wurde abgesagt, lediglich ein Privatkonzert im (offensichtlich sehr großen) Wohnzimmer des Chefs des Goethe-Instituts war möglich.
Und so wurde das Konzert in Augsburg in gewisser Weise sogar ein Symbol für die Freiheit, in der sich auch die Kunst hierzulande bewegen kann. "Wir sind so froh, wieder spielen zu können", sagte Monika Roscher lapidar zu Beginn des Auftritts. Unter diesen Umständen schwingt in dem Satz sehr viel mehr mit. Und die Augsburger waren nicht weniger froh, diese Band zu hören - und zu sehen. (flo)
Das Jazzclub-Jubiläum geht am heutigen Freitag, 22.07., weiter mit der Spätshow von Swing Alive, den früheren Swing Tanzen Verboten (Beginn: 23.00 Uhr). Am Samstag, 23.07., kommt das Julian und Roman Wasserfuhr Quartett (20.30 Uhr).
Fotos: Eric Zwang Erikkson






