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Goran Bregović and his Wedding & Funeral Orchestra
Ein singender Drummer, ein Männerchor, eine Gypsy Brass Band und zwei bulgarische Sängerinnen verwandeln die Freilichtbühne in eine riesige Tanzfläche
Die ersten Musiker laufen ein, es wird still - die Ruhe vor dem Sturm! Mit sanften Klängen eröffnet das Orchester, es folgen zwei bulgarische Sängerinnen in Tracht mit ihren typisch klagenden Stimmen. Ein Männerchor setzt ein, laut und ausdrucksstark, ein dichter, triefender Teppich polyphoner Hymnen, die einem Gänsehaut bereiten. Die Bläser steigern die Dramatik und erst dann betritt Balkan-Star Goran Bregović die Bühne. Das Publikum empfängt ihn mit begeistertem Applaus. In einem strahlend weißen Anzug, mit einer kleinen E-Gitarre im Schoß, dirigiert er spielerisch sein Orchester mit der gehobenen Rechten. Danach gab es kein Halten mehr.
Die Show ist durchzogen mit vielen hymnenartige Songs, melancholisch, manchmal anklagend, und meistens kraftvoll vom Männerchor geprägt, bildeten sie einen hervorragenden Kontrast zu den vielen fröhlichen Stücken. Diese Hymnen gehörten für mich zu den schönsten Momenten des Abends. Aber dennoch, genau diese Mischung aus Melancholie, tragenden Filmmelodien und schweißtreibenden Balkan Beats, die unweigerlich zum Mitmachen einluden, demonstrierte Bregović und sein Ensemble, wie man auf dem Balkan feiert.
Lange hielt es das sitzende Publikum nicht aus, nach kurzer Zeit stand der Großteil auf den Beinen und tanzte. Der ansteckende Rhythmus und der unbändige Bregovic verwandelten die Freilichtbühne in ein pulsierendes Balkan-Festival. Ich war überrascht, wie viele Menschen seine Lieder mitsangen und wie groß seine Fangemeinde ist. Mit dem italienischen Rebellenlied "Bella Ciao“, das gefühlt alle mitsangen, wäre es das Ende eines großartigen Konzerts gewesen, aber das Publikum wollte mehr, doch das Orchester verabschiedet sich, leider viel zu früh, mit „If you don’t go crazy, you are not normal“ (Kalashnikov). Ein unvergesslicher Abend. Selten habe ich die Freilichtbühne so ausgelassen und fröhlich feiern sehen.
Daniel Anzaldua






