Magazin

Rofa 40 Punky und NT
Nachgefragt

40 Jahre Rockfabrik

Die Rockfabrik feiert ihr 40-jähriges Jubiläum. Walter Sianos traf Markus „Punky“ Höltl und Jürgen „NT“ Endres zum Interview.

In einer Zeit, in der man über Clubsterben redet und das Ausgehverhalten sich verändert hat, ist das schon bemerkenswert.

NT, was zeichnet denn die Tante Rofa aus, dass sie auch nach vier Jahrzehnten sexy ist? 
Punky: Der Club war und ist in seiner Art ziemlich einzigartig. Allzu viele Discotheken und Clubs gibt es ja in unserer Region gar nicht mehr und gerade im alternativen Bereich sind wir so ziemlich die einzigen weit und breit. Die Rofa lebt nach wie vor von ihrer Tradition und sie hat sich trotz allem im Laufe der Jahrzehnte auch immer wieder neu erfunden, ohne etwas von ihrer Glaubwürdigkeit einzubüßen. Gerade die jungen Leute gehen anscheinend gar nicht mehr weg, die sitzen lieber am Lech oder schlürfen ihr Bier an der Tankstelle. Das Geld sitzt nicht mehr so locker und wird wohl lieber für Urlaube und gutes Essen ausgegeben.

NT: Ich denke, derzeit kämpft jeder auf seine Art in der Unterhaltungsbranche, egal ob Club oder Konzerthalle. Heute kostet ein Longdrink im Club einen Zehner. Wenn du mit Freunden zuhause feierst, dann kostet die Flasche Wodka mit einer Spotify-Playlist dasselbe.

1986 wurde die Rofa von Roland Bock, einem ehemaligen Wrestler, in Augsburg eröffnet. Damals noch als reiner Hard-Rock- und Heavy-Metal-Palast. 
NT: Ich bin erst Anfang der 90er Jahre dazugekommen, ich war gerade mal 17 bei meinem ersten Besuch und war ziemlich beeindruckt von der Größe der Location. Dieser Mix aus Rocktempel und Geisterbahn kam super an und die Leute kamen aus ganz Süddeutschland und Österreich angefahren. Die mussten in den ersten Jahren gar kein großes Programm fahren, die Rofa war als Laden schon eine Attraktion. Im Laufe der Jahre wurde das Programm bunter, dienstags war Classic-Rock mit Woodstock-Feeling, mittwochs wurde die harte Schiene mit Thrash-Metal gefahren, dann folgten Techno und Gothic. Donnerstag lief anfangs sogar Funk, Soul und Hip Hop. Mit Paolo Montagni war das lange Zeit ein Renner, auch weil viele GIs, die in Augsburg stationiert waren, kamen. Das war der Tag, an dem auch immer die MP durch den Laden patrouilliert ist, damit es keinen Stress gibt.

Wie bist du im DJ-Cockpit gelandet?
NT: Ich habe damals in Gersthofen im Pro-Markt in der Plattenabteilung gearbeitet. Der damalige Geschäftsführer Andreas Leotta war dort Stammkunde und kam mit einer Liste neuer Veröffentlichungen. Ich habe ihn immer beraten und eines Tages hat er mich gefragt, ob ich denn nicht Lust hätte, aufzulegen. Der DJ für den neu geplanten Donnerstag stand nicht mehr zur Verfügung und ehe ich schauen konnte, stand ich schon hinter den Turntables. Anfangs noch als Kollektiv zu viert, später als Duo und irgendwann eben solo. 

Was für einen Sound hast du denn serviert?
NT: Unser Auftrag hieß Crossover/Indie/Wave. Ich kam ja aus der Wave-Ecke und dementsprechend haben wir auch aufgelegt. Das hat schon bei dem einen oder anderen Grunge-Fan für lange Gesichter gesorgt. Am ersten Abend waren 600 Leute da, die Woche drauf waren es nur noch 200. Wir mussten das Set also erst einmal komplett umstellen… Mit Bands wie Green Day, Offspring oder Rage Against the Machine wurde aber schnell die Kurve gekriegt, der Donnerstag war fast 10 Jahre „mein“ Abend und bayernweit ein Publikumsmagnet.

Der Donnerstag war früher der Ausgehtag überhaupt.
NT: Stimmt, egal ob Yum Club, Ostwerk oder auch Odeon, Donnerstag hat es in der Stadt immer gebrummt.

Würdest du sagen, dass du die Rockfabrik im Laufe der Jahre mitgeprägt hast, oder war es eher andersrum?
NT: Gute Frage, ich denke es war von beiden Seiten etwas. Mitte der 90er war ich wohl der meist gebuchte DJ der Stadt, ich habe in vielen Clubs und auf Schulbällen in Augsburg und München aufgelegt, sogar beim MTV Snowboard Opening in Sölden. Ich hatte sogar einen eigenen Klamottensponsor. 

Das musikalische Spektrum wurde immer wieder neu ausgedehnt, sogar Pop-Partys, Bravo-Hit-Events und Techno fanden ihren Weg in die Riedingerstraße.
NT: Ex-Chef Leo hatte schon einen guten Riecher und lag oft richtig, wenn es darauf ankam, was denn musikalisch so als nächstes angesagt ist. Die erste Halloween-Party der Stadt fand bei uns statt, auch die ersten Dubstep-Partys. Allein die Tatsache, dass Anfang der 90er Jahre schon Techno in einem Rockclub lief, sagt schon alles. 

Und dann eben viele Konzerte mit großen Namen.
NT: Gentleman, Life of Agony, Fanta 4, Héroes del Silencio – um nur wenige zu nennen. Sehr viele Rockgrößen haben dort angefangen. Für Marek Lieberberg, eine der größten Konzertagenturen Deutschlands, war die Rofa eine wichtige Anlaufstelle in Augsburg. Volbeat machen heute Stadien voll, Eisbrecher sind hier groß geworden, auch Unheilig, VNV Nation und viele andere Grufti-Bands. Sogar Lemmy von Motörhead war als Gast da.

Punky, jetzt bist du an der Reihe. Als die Rockfabrik 1986 in Augsburg ihre Pforten eröffnet hat, da war wohl eher die Sendung mit der Maus deine Spielwiese, oder?
Punky: (lacht). Da war ich noch gar nicht da, ich wurde 1989 geboren. 

Wie bist du in der Rofa hängengeblieben? 
Punky: Als Gast. Als ich das erste Mal dort reinmarschiert bin, war ich sofort angefixt. 2007 habe ich dann als Flascheneinsammler angeheuert. Mir hat es viel Spaß gemacht, gerade auch weil wir eine tolle Crew waren. Einige Zeit später küsste mich das gleiche Schicksal wie NT Jahre zuvor. Ein DJ fiel aus, ich bin eingesprungen und wurde dann im Laufe der Zeit mittwochs und samstags Resident. 2010 habe ich dann zusätzlich im Büro angefangen und dort das kaufmännische Einmaleins von der Pike auf gelernt.

Seit 2023 bist du Inhaber und warst vorher schon Geschäftsführer nach Ausscheiden von „Leo“. Das ist eine steile Karriere, aber das klingt auch nach Stress und viel Verantwortung. 
Punky: Das ist es auch, denn wir haben hier einfach ein wunderbares Team, man kennt sich schon lange und kann sich aufeinander verlassen. Wir haben eine sehr geringe Fluktuation beim Personal, einige sind hier bereits seit 20 Jahren dabei. Mir macht der Job unglaublich Spaß und ich könnte mir nicht vorstellen, etwas anderes zu tun.

Vor drei Jahren hat die Rockfabrik ihren Stammsitz auf dem Riedinger Gelände aufgeben müssen. Ihr habt nach kurzer Pause den Club im ehemaligen Pleasure Dome wiederbelebt. Es war eine sehr turbulente Phase, weil der Club quasi von einem Tag auf den anderen geschlossen war.
NT: Das war vor drei Jahren und genau drei Tage vor meiner großen CSD-Lovepop, und wir standen plötzlich ohne Location da.

Punky: Wir hatten in den Jahren zuvor immer wieder Theater mit dem ehemaligen Vermieter und insgeheim haben wir schon damit gerechnet, dass das nicht ewig so weitergehen würde. Wir haben in weiser Voraussicht deswegen schon vorher unsere Fühler nach einer neuen Heimat und neuen möglichen Partnerschaften ausgestreckt. Die Alternativen waren nicht sehr groß und irgendwann sind wir auf Leo Dietz und seinen Club „Cube“ gestoßen. 

Ihr habt es also geschafft, innerhalb weniger Wochen den Location-Wechsel zu vollziehen.
NT: Ich habe zwei Umzüge der Kantine miterlebt und da hat alles wesentlich länger gedauert.

Punky: Wenn ich heute so zurückblicke, dann weiß ich gar nicht, wie wir das eigentlich hinbekommen haben. Das war wirklich sensationell, alle Leute haben an einem Strang gezogen und ohne die Hilfe von Leo Dietz hätten wir das auch nicht hinbekommen. Wir haben am 16. Juni dicht gemacht und im September 2023 neu eröffnet. 

Wie schwer fiel euch der Abschied aus der Original-Location? 
Punky: Natürlich war das ein emotionaler Moment, aber wie es im Leben so ist, die eine Tür geht zu und die andere öffnet sich. Der Kampf mit dem alten Vermieter war lang und anstrengend. Der Umzug in die Piccardstraße hatte etwas Befreiendes, denn die Rofa hatte ein neues Fundament und wir hatten endlich auch wieder Planungssicherheit. 

NT: Wir haben bei der Schlüsselrückgabe nochmal einen Rundgang durch die alte Location gefilmt und auf Instagram geteilt. Wir hatten in wenigen Tagen über 45.000 Views und 2000 Likes, das Reel wurde über 1000 Mal geteilt, das spricht Bände. Die Medienberichterstattung 2023 war damals auch riesig. 

Ihr seid eigentlich zwei völlig unterschiedliche Typen.
NT: Das stimmt und deswegen ergänzen wir uns wohl auch gut. Punky ist ein sehr spontaner Typ, der meist nicht lange zögert und ich bin jemand, der gerne im Voraus plant. Ich bin jetzt seit Januar 2026 hier angestellt, vorher war ich lange in der Kantine beschäftigt und ich muss sagen, dass ich mich hier sehr wohl fühle, hier steckt mein Herzblut drin. Ich bin seit über 20 Jahren im Eventmanagement und Booking tätig und inzwischen finden meine Partyreihen neben „Lovepop“ auch „Inbase Remember“, „The Cure Tribute Night“ zusätzlich zu den „Rofa Donnerstags Remember“ Events hier statt. 

Inwiefern hat sich das Feiern in den letzten Jahren verändert?
Punky: Wie vorhin schon erwähnt, die junge Generation hat andere Ausgehgewohnheiten, unser Publikum beginnt ab Mitte 30. Ich empfinde das als sehr angenehm und ein echter Vorteil für uns ist, dass wir etwas außerhalb der City liegen, kein Laufpublikum haben und deshalb die Leute gezielt zu uns kommen. Das macht die Sache stressfreier, bei uns gibt es nie Ärger und alles läuft sehr harmonisch ab. 

Welche Events sind eure Renner?
NT: Kinky Pleasures, Halloween und die Rofa Donnerstags-Partys. Für die Gothic-Szene ist die Rockfabrik das Aushängeschild in ganz Süddeutschland.

Welche Visionen habt ihr für die Rockfabrik?
Punky: Obwohl wir altersmäßig einige Jahre auseinanderliegen, haben wir einen ähnlichen Matchplan. In erster Linie wollen wir immer wieder Neues wagen, aber auch unsere Traditionen bewahren, man muss sich schon treu bleiben.

NT: Hin und wieder müssen wir mit den Wölfen heulen, aber das gehört nun mal dazu. Zu viel Kommerz ist aber auch nicht unser Ding. Das Schöne an der Rofa ist, dass wir hier nie Ärger haben. Unser Publikum ist unglaublich tolerant. Egal ob Metaller, Gothic-Fan oder queerer Paradiesvogel – hier stehen alle friedlich an der Bar oder flippen auf dem Dancefloor aus.

Kein Jubiläum ohne Feier…
NT: Am 22.08. steigt unsere große Party mit Live-Konzert und Original-DJ Eddy aus Ludwigsburg mit vielen Specials. Und natürlich sind Punky und ich auch mit am Start. Wir starten im Außenbereich und dann geht es innen weiter! (ws)

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