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Ach, die lieben Vorurteile
Berliner sind ruppig, Ostfriesen sind dumm – manche Vorurteile halten sich erstaunlich hartnäckig. Über kein Land gibt es so viele Vorurteile wie über Bayern. Was ist dran?
Ausgerechnet beim feierlichen Jubiläum von 25 Jahren Wiedervereinigung konnte man wieder eindrücklich erleben, wie die Vorurteile zwischen Ost- und Westdeutschen blühen. Die aktuellen Vorurteils-Umfragen zeigen: Wessis halten Ossis für unzufrieden und misstrauisch, Ossis die Wessis dafür für oberflächlich und arrogant. Aber nicht nur entlang der alten, längst überwunden geglaubten Grenze des geteilten Deutschlands scheiden sich die Geister – auch die einzelnen Bundesländer behacken sich untereinander eifrig mit Vorurteilen. Die festgefahrenen Meinungen über die anderen sind wie drollige schlechte Angewohnheiten, die man einfach nicht loswird. Aber nicht nur mit übler Nachrede, auch mit den scheinbar positiven Vorurteilen hat man zu kämpfen, sei es das Bild der sparsamen schwäbischen Hausfrau oder der angeblich immer zuverlässigen Holsteiner. Die meisten Vorurteile gibt es aber über Bayern – oder ist das etwa auch nur ein Vorurteil? Jedenfalls wird dem „Alpenvolk“ ja gerne mal so einiges nachgesagt.
Bayern – Land der übergewichtigen Bierfreunde?
Angefangen, bitteschön, mit der Behauptung, die Bayern seien übergewichtig und tränken zu viel Bier. Na, stimmt’s oder nicht? Wie immer liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen. Tatsächlich sind etwa 60 Prozent der Männer in Bayern übergewichtig, und damit fast zehn Prozent mehr als im bundesdeutschen Durchschnitt. Die bayerischen Frauen dagegen halten ihre schlanke Linie ganz auf Durchschnittsgewicht. Wenn überhaupt, dann liegen sie etwa einen Prozent darüber, aber das mag auch rein statistische Schwankung sein. Es liegt nahe, diesen eklatanten Unterschied mit einem hohen Biergenuss der Herren zu erklären. Aber auch dieses Vorurteil hat nicht wirklich bestand. Freilich wird in Bayern gern Bier getrunken, wer würde das bestreiten? Allein, in NRW wird noch deutlich mehr Bier pro Nase konsumiert. Das mag nicht recht ins Bild passen? Ist aber so.
Bayerisch ist kein Deutsch
Ist Bayerisch eine eigene Sprache, die der Rest der Deutschen einfach nicht verstehen kann? Mit Sicherheit nicht. Die bayrischen Dialekte sind, eben, Dialekte wie die die anderen auch, keine eigene Sprache. Wer da nicht gerade ein lupenreines Hochdeutsch spricht, sollte, im wahrsten Sinne des Wortes, den Mund nicht zu voll nehmen. Auch ein richtiges Badisch oder Sächsisch oder Plattdeutsch kann kaum einer verstehen, der es nicht gelernt hat. Was allerdings stimmt: Bayrisch ist, das bestätigen Meinungsumfragen immer wieder, mit Abstand der beliebteste Dialekt der deutschen Sprache.
Die Bayern sind modisch zurückgeblieben
Das ganze Jahr nur Lederhose und Dirndl? Das ist Quatsch. Sicher, die Bayern sind stark darin, ihre Markenzeichen zum Kult zu machen: Lederhosen und Dirndl sind, neben dem Bier, einer der größten Exportschlager des Landes. Und natürlich lieben viele Bayern die alten Traditionen und Feste. Aber gerade deshalb ziehen sie die traditionelle Festbekleidung auch nur zu festlichen Anlässen an. Ansonsten sind die Bayern nicht besonders konservativ, sondern eher sportlich-schick gekleidet, wie ein Blick auf die Mode-Landkarte zeigt. Das Modelabel Cecil gibt hier eine Übersicht über die aktuellen Top Seller in den verschiedenen Bundesländern – die Unterschiede im Modegeschmack lassen sich so wunderbar vergleichen. Was ziehen die sparsamen Schwaben an, was trägt man im ruppigen Berlin?
Frische Bilder, frische Outfits
Dass die althergebrachten Vorurteile einer Überprüfung nicht standhalten, sieht man auf einen Blick. Vielleicht ist es an der Zeit, sie endlich loszuwerden – und sich ein paar neue zuzulegen, die man objektiv überprüfen kann. Die Bayern sind verrückt nach Daunenjacken in selbstbewussten Farben und nach Hoodies im lässigen Oversize-Look. In NRW tragen sie derzeit bevorzugt offene Strick-Kombinationen. Was das nun wieder bedeuten soll? Immerhin: Auf der Karte kann sich jeder selbst sein Bild machen – und ganze nebenbei noch ein paar Shopping-Tipps mitnehmen. (PM)
Bild: Rainer Sturm / pixelio.de






