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Aufmerksamkeit schafft Aufmerksamkeit

Der Augsburger Daniel Söll kämpft mit seiner Installation „Vorbilder“ gegen das Vergessen.

„Die Zeugen des Nationalsozialismus werden nicht mehr lange unter uns sein. Wir haben eine Aufgabe zu übernehmen.“

Als die letzten Vorbereitungen fertig sind, betrachtet Daniel Söll seine Installation: zwei lebensgroße Skulpturen mit menschlichem Aussehen, gehüllt in Alltagskleidung, haben den Blick zum Boden gesenkt. Folgt man ihrem Blick, fallen einem drei pflastersteingroße Messingplatten ins Auge. „Enteignet“, „Deportiert“ und Auschwitz“ sind drei der Wörter, die eingraviert sind. Es handelt sich um das „Stolpersteine“-Projekt des Berliner Künstlers Gunter Demnig. Jedem Opfer des Nationalsozialismus wird seit 1992 ein Stein gewidmet, wird sich an dessen Namen erinnert. Meist vor der ehemaligen Wohnung des Opfers. Kürzlich verlegte Demnig den 75-tausendsten Stolperstein.

Seit Jahren blickt der 28-jährige Augsburger Daniel Söll immer wieder auf die kleinen Mahnmale in seiner Heimatstadt. Es dauert dabei nie lange bis weitere Passanten aufmerksam werden und neugierig den Blick auf den Boden werfen. Aufmerksamkeit schien Aufmerksamkeit zu schaffen. „Diesen Effekt wollte ich nutzen.“, sagt Söll. „In Augsburg gibt es nur circa 20 Steine. Dabei gab es allein unter den jüdischen Mitbürgern hunderte Opfer.“ So beschloss Söll, auf die wenigen Steine viel Aufmerksamkeit zu lenken.

Nun stehen sie da, die „Vorbilder“, wie die täuschend echt wirkenden Skulpturen bewusst getauft wurden. Hunderte Meter Klebeband, kubikmeterweise Watte, ein Skelett aus Alu-Stangen vom Baumarkt sind die verwendeten Materialien. „Mein Projekt steht aber nicht im Vordergrund“, mahnt Söll „Sobald die Leute zum Boden schauen, ist meine Aufgabe getan.“

Als es bei Tagesende dämmert, packt Söll seine „Vorbilder“ wieder ein und nimmt sie mit nach Hause. Bis sie wieder zum Dienst antreten müssen, um noch ein Mal mit ihrer Aufmerksamkeit Aufmerksamkeit zu bewirken.

„Ich kämpfe nicht für ein Erinnern, sondern gegen ein Vergessen“, sagt Söll.

Foto: Lisa Seifert

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