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Augsburger Friedensfest: UN_SICHERHEIT

Das kulturelle Rahmenprogramm zum Augsburger Hohen Friedensfest 2026

Ca. 80, meist kostenlose Veranstaltungen vom 24. Juli bis 8. August 

Thema: UN_SICHERHEIT

Rund 60 Organisationen aus der Stadtgesellschaft beteiligt

Lesungen, Theater, Ausstellungen, Workshops u.v.m.

Informationen auf friedensfest-augsburg.de   

 Der Wunsch nach Sicherheit ist zutiefst menschlich – und gleichzeitig ein vielschichtiges gesellschaftliches Konzept: In sozialen, ökonomischen und geopolitischen Themenfeldern erschüttern Brüche und Widersprüche das gefühlte und tatsächliche Sicherheitsgefühl der Bürgerinnen und Bürger. Gleichzeitig gehören körperliche, seelische und materielle Sicherheit zu den grundlegendsten Bedürfnissen der Menschen. Dieses Spannungsfeld steht im Mittelpunkt des diesjährigen Rahmenprogramms zum Augsburger Hohen Friedensfest.

Unter dem Motto UN_SICHERHEIT lädt das Friedensbüro der Stadt Augsburg vom 24. Juli bis zum 8. August 2026 zu einem Kulturprogramm ein, das dieses komplexe Thema aus politischen, sozialen, künstlerischen, religiösen und persönlichen Perspektiven beleuchtet. Es umfasst Gesprächsrunden, Theateraufführungen, Lesungen, Workshops, Ausstellungen, Konzerte und Begegnungsformate. Informationen zum Programm gibt es ab sofort auf friedensfest-augsburg.de oder im gedruckten Programmheft, das u.a. in der Bürgerinformation am Rathausplatz erhältlich ist.

Was bedeutet Sicherheit – und für wen?

UN_SICHERHEIT meint sowohl die Unsicherheit als Zustand und als Erfahrung, aber auch die Frage, was Sicherheit überhaupt bedeutet, für wen sie gilt und wer sie definiert. „Sicherheit ist kein statischer Zustand. Sie braucht Transparenz, Partizipation und den Mut, Risiken einzugehen – denn absolute Sicherheit gibt es nicht, und Freiheit ist nur möglich, wenn Sicherheit mit Vertrauen einhergeht. Zugleich kann der Missbrauch des Sicherheitsbegriffs zu Freiheitsverlust, Repression und Diskriminierung führen“, skizziert das Friedensbüro-Team im Vorwort zum Programm die Spannweite des Themas. 

Vielfalt der Stadtgesellschaft im Mittelpunkt

Die Vielfalt der Augsburger Stadtgesellschaft steht im Mittelpunkt der Veranstaltungen und spiegelt sich im Programm wider. Rund 60 Organisationen, Vereine, Kultureinrichtungen und zivilgesellschaftliche Initiativen gestalten das Programm mit eigenen Beiträgen. Sie zeigen in Form und Inhalt deren individuellen Umgang mit dem Thema UN_SICHERHEIT. 

Das Friedensbüro schafft den Rahmen und tritt selbst als Veranstalterin einzelner Programmpunkte auf. Zudem strebt das Friedensbüro an, Veranstaltungen barrierearm zu gestalten. Sie sind meist kostenfrei oder auf Spendenbasis zugänglich. Bei kostenpflichtigen Terminen erhalten Inhaberinnen und Inhaber eines Kultursozialtickets oder Tafelausweises sowie Geflüchtete Tickets für einen Euro.

UN_SICHERHEIT – Rahmenprogramm zum Friedensfest 2026

Demokratische Sicherheit & Frieden: Den Auftakt bildet am Freitag, 24. Juli ein Impulsvortrag mit moderiertem Gespräch als Einführung in das Festivalthema: „Demokratische Sicherheit heute und ihr Verhältnis zum Frieden“ im Kulturhaus Kresslesmühle mit Dr. Hanna Pfeifer, Leiterin des Forschungsbereichs Gesellschaftlicher Frieden und Innere Sicherheit am Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik der Universität Hamburg. 

Bedrohung aus dem Inneren des Systems – zwei Theaterstücke

Demokratie & politische Sicherheit: Das Dokumentartheaterstück „Innere Sicherheit“ von Marie Schwesinger (Dienstag, 28. Juli, Kulturhaus Abraxas) rekonstruiert auf Grundlage von Prozess-Mitschriften und Interviews den Themenkomplex NSU 2.0 – jene Drohschreiben, die seit 2018 aus dem Inneren des Polizeiapparats an Anwältinnen, Politikerinnen und Künstlerinnen versandt wurden. Das Stück fragt: Wo sind wir sicher, wenn die Bedrohung aus dem Inneren des Systems kommt? Im Anschluss findet ein Publikumsgespräch mit der Regisseurin und Autorin Marie Schwesinger, sowie der Dramaturgin Jenny Flügge statt. Moderiert wird das Gespräch von Nicole Schneiderbauer vom Staatstheater Augsburg. 

Digitale Sicherheit & Überwachung: „Digital Shadows« (Montag, 3. August, Kulturhaus Abraxas) ist ein Art-&-Science-Projekt, das Fragen nach Identität, Datensicherheit und algorithmischer Kontrolle im Zeitalter von Deepfakes und Gesichtserkennung auf die Bühne bringt. Es wurde erstmals im Rahmen des Ars Electronica Festivals 2025 in Linz gezeigt. 

Unsichtbare Unsicherheiten – Lesungen 

Soziale Ungleichheit & Armut. Am Freitag, 31. Juli präsentieren Comiczeichnerin Lisa Frühbeis und Journalist Jonas Seufert ihr fünfjähriges Rechercheprojekt „Schattenleben“, das im Sommer als Neuerscheinung auf den Buchmarkt kommt. Porträtiert werden vier Menschen, die ohne gültige Papiere in Deutschland leben und deren Alltag durch ständige Unsicherheit geprägt ist. Verdeckte Unsicherheit, von außen unsichtbar: Das Projekt macht sie sichtbar. Ebenfalls am 31. Juli liest der Fotograf Lars Klingenberg aus seinem Langzeitprojekt „Schlafquartier“ über Obdachlosigkeit in deutschen Großstädten – szenisch, dokumentarisch, mit anschließendem Gespräch. Miriam Davoudvandi liest am Mittwoch, 5. August aus ihrem Buch „Das können wir uns nicht leisten“ und spricht über soziale Herkunft, Klassismus und die emotionalen Spuren materieller Unsicherheit – und darüber, wie stark diese Lebenswege prägen. 

UN_SICHERHEIT in Bildern – Fotodokumentation und Urban Art

Sicherheit und Wehrdienst: Die Fotografin Ella Seeger begleitet für ihr fotodokumentarisches Projekt „Jahrgang 2008“ junge Menschen, die im Jahr 2026 zum ersten Mal den Fragebogen zur Wehrbereitschaft erhalten, während politisch über ihre Zukunft entschieden wird. Die Ausstellung in der Villa Schöne Felder ist vom 25. Juli bis 9. August zu sehen. Die Vernissage mit Podiumsgespräch mit jungen Augsburgerinnen und Augsburgern findet am Samstag, 25. Juli statt.

Spielerische Sicherheit: Ab Samstag, 1. August entsteht an der Linken Brandstraße 6 das diesjährige Friedensfest-Mural: Der Streetart-Künstler Mr. Woodland (Daniel Westermeier) gestaltet unter dem Titel „Die Kissenschlacht“ eine großformatige Wandmalerei. Eine Kissenschlacht – kein Krieg mit Waffen, sondern Spaß und friedliches Spiel, das verbindet statt zu trennen. 

Mit Unsicherheiten umgehen lernen – Workshops

Konflikte & Friedenspädagogik: Das Transferzentrum Frieden Augsburg veranstaltet in Kooperation mit der Konfliktkiste Augsburg und der Arbeitsgemeinschaft Friedenspädagogik eine dreiteilige Workshopreihe (27. Juli, 3. und 5. August) zum konstruktiven Umgang mit Konflikten – von der Konfliktanalyse über Mediationsansätze bis zum Umgang mit polarisierenden gesellschaftlichen Auseinandersetzungen.

Mehr als Worte – Musik und persönliche Begegnungen

In den Beiträgen zum Friedensfest-Programm geht es nicht nur um (erwartbare) globale Sicherheitsfragen. Viele widmen sich der persönlichen, psychologischen Dimension: Wie entsteht das Gefühl von Sicherheit? Was stärkt, was erschüttert es? 

 Philosophie der UN_SICHERHEIT: Am Samstag, 1. August verbindet das Wandelkonzert „Freiheit ist ein Risiko“ in der Kirche St. Moritz Orgelmusik mit Texten von Hannah Arendt – zu den Begriffen Denken, Pluralität, Anfangen und Verzeihen. So entsteht ein Raum, in dem UN_SICHERHEIT nicht verdrängt, sondern als Bedingung von Freiheit und Frieden erfahrbar wird.

UN_SICHERHEIT (aus)halten: Bei „Empathy for Free“ schenken geschulte Zuhörende ihre ungeteilte Aufmerksamkeit. Auch wenn Zuhören das Bedürfnis nach Sicherheit nicht unmittelbar erfüllt, kann das Teilen von Gedanken und Gefühlen entlasten und stabilisieren. Im Rahmen von „Alles sicher... oder was?“ tauschen sich die Teilnehmenden im Dialog darüber aus, was UN_SICHERHEIT ganz konkret für sich selbst und andere bedeutet (beides am Freitag, 31.Juli).

Das Dresdner Ensemble Coexist mit Musikerinnen und Musikern aus Israel, Syrien, Palästina, der Türkei, Ägypten und Deutschland gibt am Sonntag, 2. August ein interreligiöses Friedenskonzert in der Evangelischen Kirche St. Ulrich. Das Konzert mit jüdischer und arabischer Folklore, christlicher und weltlicher Musik will zeigen: Ein Miteinander ist möglich, wenn man sich zuerst als Mensch begegnet. 

Unter dem Titel „Sicher sind wir nicht geblieben“, diskutieren die Publizistin Laura Cazés und die Autorin Shahrzad Eden Osterer über Antisemitismus in Deutschland nach dem 7. Oktober 2023. Im Gespräch, moderiert von Franz Dobler, geht es darum, wie antisemitisches Denken demokratische Grundlagen untergräbt und was jüdische Menschen von der Mehrheitsgesellschaft brauchen, um sich sicher zu fühlen. Die Veranstaltung von Artists Against Antisemitism Augsburg findet in Kooperation mit dem Friedensbüro der Stadt Augsburg und der Stadtbücherei Augsburg statt.

Die Friedenstafel(n) – eine Augsburger Friedenstradition

Ein besonderes Merkmal des Augsburger Friedensfests ist die Tradition der Friedenstafeln: Gemeinsames Essen symbolisiert gelebtes Miteinander und gleichberechtigte Teilhabe. Einige Jahre gab es nur die große Friedenstafel auf dem Augsburger Rathausplatz am 8. August. Inzwischen hat sich die beliebte Form der Zusammenkunft zeitlich auf die Wochen vor dem Stadtfeiertag und auf weitere Orte im Stadtgebiet ausgedehnt. In diesem Jahr gibt es so viele Satelliten-Friedenstafeln wie nie zuvor: In Oberhausen, im Univiertel, in Kriegshaber, Lechhausen, Haunstetten, Göggingen und Herrenbach. Bereits ab Donnerstag, 23. Juli laden die Jugendfriedenstafeln in fünf Stadtteilen zum Zusammenkommen ein.  

Am Samstag, 8. August, dem Augsburger Hohen Friedensfest, trifft sich die Stadt und ihre Gäste wie immer auf dem Rathausplatz zur traditionellen, großen Friedenstafel, eröffnet von Oberbürgermeister Dr. Florian Freund, begleitet von Musik und den Friedensgrüßen vom Runden Tisch der Religionen. Weitere traditionelle Veranstaltungen an diesem Tag sind Gottesdienste, das Kinderfriedensfest sowie das Festkonzert am Abend.

Das Augsburger Hohe Friedensfest - Ein Feiertag und Fest mit Geschichte

Das Augsburger Hohe Friedensfest ist seit 1950 ein offizieller gesetzlicher Feiertag – damit hat Augsburg die meisten Feiertage aller deutschen Städte. Seine Wurzeln reichen bis in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges zurück: Am 8. August 1629 wurde den Protestanten in Augsburg die Ausübung ihres Glaubens verboten. Erst der Westfälische Frieden von 1648 brachte die rechtliche Gleichstellung mit den Katholiken, die der Augsburger Religionsfriede von 1555 zwar formulierte, aber nicht dauerhaft gesichert hatte. In Erinnerung an diesen Tag der Unterdrückung feierten die Augsburger Protestanten am 8. August 1650 erstmals das Hohe Friedensfest.

Multireligiöse und vielkulturelle Ausrichtung des Friedensfestes

Aus dieser Geschichte leitet Augsburg seinen heutigen Auftrag als Friedensstadt ab: Niemand soll aufgrund von Religion oder Herkunft ausgeschlossen werden. Heute lebt in Augsburg eine vielfältige Stadtgesellschaft. Gut die Hälfte der Bewohnerinnen und Bewohner hat eine Zuwanderungsgeschichte. Das Friedensfest wird deshalb seit vielen Jahren multireligiös und vielkulturell gefeiert. 2018 wurde es in das Bayerische Landesverzeichnis und das Bundesverzeichnis Immaterielles Kulturerbe der UNESCO aufgenommen, 2019 erhielt es den Heimatpreis Bayern. 2025 feierte das Hohe Friedensfest sein 375-jähriges Jubiläum.

 

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