Der Strippenzieher

Im Gespräch mit dem städtischen Veranstaltungskoordinator Manuel Schill

Nach der monatelangen Corona-Durststrecke kehrt endlich das kulturelle Leben nach Augsburg zurück und wir können bei einer Vielzahl an Live-Veranstaltungen wieder der Musik, Kunst und Gemeinschaftlichkeit frönen. Wir haben Manuel Schill zum Interview getroffen, der daran mitgewirkt hat, all das in diesem Sommer möglich zu machen. Er erzählt uns, wie er vom Skispringer zum Veranstaltungskaufmann wurde, wie man Eventprojekte in der Pandemie organisiert und auf welche Formate er sich in den nächsten Wochen besonders freut.
Von Lina Frijus-Plessen

Manuel, du bist langjähriger Wahlaugsburger. Wie hat es dich denn hierher verschlagen?
Ich bin in Isny im Allgäu aufgewachsen. 2006 bin ich nach einer längeren Auslandsreise nach Augsburg gekommen, um meine Schwester zu besuchen, die in der Stadt studiert hat und habe dann hier ein Praktikum angefangen. Das war bei einer Agentur, die an der Messe Konzerte und andere Veranstaltungsformate organisiert hat.

Und anscheinend war nicht nur der Einblick in die Veranstaltungsbranche genau dein Ding, sondern auch die Stadt hat es dir angetan. Was gefällt dir so besonders in Augsburg?
Genau, nach dem Praktikum bin ich hier gleich in die Berufsausbildung als Veranstaltungskaufmann eingestiegen. Was Augsburg für mich so attraktiv macht, ist die angenehme Größe, die kurzen Wege und die vielen Potenziale der Stadt, gerade auch in der Kunst- und Kulturszene. Und mit nunmehr 35 Jahren weiß ich auch die gute Anbindung an die Natur sehr zu schätzen (lacht). Augsburg ist meine Wahlheimat und ein Standort, an dem ich mich einfach wohlfühle.

Ich habe gehört, du hast früher eine Laufbahn als professioneller Skispringer angestrebt?
Als junger Bub hatte ich ziemlich Hummeln im Hintern, habe viele Sportarten ausprobiert und bin schließlich zum Wintersport gekommen. Ich bin damals auf ein Ski-Internat gegangen und war im Landeskader für Skisprung. Ich habe das zehn Jahre lang intensiv betrieben und es bis zum deutschen Jugend-Vizemeistertitel gebracht. Das war eine sehr schöne und prägende Zeit. Das Skispringen hat mich damals schon mit 12, 13 Jahren durch die kleinen Wintersportorte in Europa geführt und das war für mich sehr Horizont-erweiternd.

Wie kam es dazu, dass am Ende doch nicht der nächste Sven Hannawald aus dir geworden ist?
Nach meinem Schulabschluss habe ich mich gefragt: Möchte ich das eigentlich in 10 Jahren immer noch machen, schaffe ich es bis zur Weltspitze oder schlage ich lieber doch einen ganz anderen Weg ein? Neben dem Sport hat für mich die Musik schon immer eine große Rolle gespielt, ich habe meine Mitschüler im Internat regelmäßig mit Mixtapes versorgt und es geliebt, auf Konzerte zu gehen und mit Freunden Musik zu machen. Diese Leidenschaft hat schließlich gewissermaßen überwogen.

Du bist mit der Veranstaltungsreihe Kuriosum auch immer mal wieder als DJ in der Stadt unterwegs. Welchen Sound legst du auf?
Ich bin musikalisch ziemlich breit aufgestellt und habe mich nie auf nur ein Genre fixiert. Grundsätzlich lebt Kuriosum von einem sehr experimentierfreudigen Booking. Eigentlich komme ich eher aus der Indie-Rock-Pop-Gitarrenecke, höre aber auch viel Jazz, Hip Hop und gehe beim Auflegen gerne in die elektronische Richtung. Grundsätzlich ist es mir wichtig ist, nicht einfach Hit nach Hit zu spielen, sondern das Publikum mit meiner Auswahl auch zu überraschen.

Wie ist es dir gelungen, in der Veranstaltungsbranche Fuß zu fassen?
Nach meiner Ausbildung habe ich mich erst mal ganz blauäugig selbstständig gemacht und bin von Projekt zu Projekt durch die Metropolregionen Deutschlands getingelt. In der Phase habe ich meistens von der Hand in den Mund gelebt, aber für mich waren Inhalt und Erfahrung einfach wichtiger als das Gehalt. Danach war ich unter anderem beim Stadtjugendring fünf Jahre als Produktionsleiter fürs Modular Festival tätig. Seit 2017 arbeite ich festangestellt als Veranstaltungskoordinator bei der Stadt Augsburg.

Welche Aufgaben fallen da im normalen Arbeitsalltag an?
Ich arbeite in der städtischen Kommunikationsabteilung und bin der Ansprechpartner für alle Augsburger Dienststellen und Ämter, die Veranstaltungsprojekte planen. Ich berate und unterstütze verschiedene Referate bei der Konzeption und Organisation von Veranstaltungsformaten jeglicher Art, was die Arbeit auch sehr abwechslungsreich macht.

Wie ergeht es eigentlich jemandem wie dir, der von und für Veranstaltungen lebt, in der Coronakrise?
Man könnte ja meinen, als Veranstaltungskoordinator hat man in der Pandemie gar nichts zu tun, aber das ist zumindest in meinem Fall eine Fehldiagnose. Seit letztem Frühjahr ist für uns in der Kommunikationsabteilung das Krisenmanagement stark in den Fokus gerückt. Außerdem stellte sich die Herausforderung der Digitalisierung von Veranstaltungsformaten, von der Pressekonferenz bis zum Streaming-Konzert. Später bekam ich den Auftrag, eine Task Force für die Organisation von Schnelltestmöglichkeiten in der Stadt zu leiten. Für mich ist es jedenfalls ein großes Privileg, in Zeiten der Krise bei der Kommune angestellt zu sein und ich leide besonders mit allen Selbstständigen aus der Branche.

Glaubst du, dass sich aus der Pandemie vielleicht auch neue Chancen ergeben?
Ein positiver Nebeneffekt ist, dass in der Stadt Kooperationen zustande gekommen sind, die ohne Corona wahrscheinlich nicht stattgefunden hätten. Man hat sich disziplinübergreifend die Hände gereicht und gemeinsam großartige Projekte umgesetzt. Darüber hinaus hat die Krise viele Missstände aufgedeckt. Auch wenn die Erfahrung sehr negativ ist, gerade für die Veranstaltungsbranche ist das eine lehrreiche Zeit, die zeigt, dass der Trend zum ”Höher, Schneller, Weiter” nicht ewig tragbar ist.

Diesen Sommer können wir erst mal wieder viele verschiedene Open-Air-Events in der Stadt genießen. Bei welchen davon hattest du deine Finger im Spiel?
Nach einem erfolgreichen Corona-angepassten Veranstaltungssommer letztes Jahr bin ich richtig froh darüber, dass wir auch heuer durch intensive Zusammenarbeit mit Institutionen wie dem Kulturreferat oder dem Stadtjugendring tolle Veranstaltungsformate möglich machen konnten. Zu den Projekten, die ich aktuell mitbetreue, zählen unter anderem der Gaswerksommer und auch die für August geplante vierteilige Konzertreihe auf der Freilichtbühne.

Das Infektionsgeschehen in Augsburg hat erst Mitte Mai die dafür nötigen Lockerungen zugelassen. Wie war das für dich, so kurzfristig Veranstaltungen auf die Beine zu stellen?
Meine Kolleg*innen und ich hatten schon seit längerem Veranstaltungskonzepte ausgearbeitet, die dann in der Hoffnung auf mögliche Lockerungen bereit lagen. Im Vorjahr haben wir uns schon eine gewisse Expertise in der Planung und Umsetzung von Hygienekonzepten angeeignet. Aber klar, in diesen Zeiten muss man Flexibilität mitbringen und es ist eine gewisse Portion Mut und Optimismus gefragt. Wenn man dann noch ein gutes Team um sich hat, kriegt man so schöne Formate hin wie den Gaswerksommer.

Welche Events willst du dir in nächster Zeit auf keinen Fall entgehen lassen?
Zunächst einmal finde ich es richtig gut und wichtig, was diesen Sommer alles geboten ist. Anfang Juli war ich bei San Antonio Kid beim Gaswerksommer. Freuen tue ich mich schon total auf die Konzertformate auf der Freilichtbühne. Auch die Sommerbühne im Annahof finde ich einen sehr charmanten Spielort. Grundsätzlich bin ich einfach überglücklich, dass kulturell wieder was in der Stadt passiert und wir endlich aus dieser Corona-bedingten Gelähmtheit herauskommen. Jetzt hoffen wir nur noch auf die Clubs!

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