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Die Überförderten?
Wer über die Kulturszene berichtet und ehrliche Aussagen erhalten will, lernt schnell ein sehr spezielles Körperteil kennen: die vorgehaltene Hand. Man sagt öffentlich nichts Schlechtes über die Konkurrenz, die man nicht Konkurrenz nennt, weil das nicht zum lässigen Image der Szene passt. Stattdessen werden gern die gebräuchlichen Worthülsen verwendet. Man lobt die Innovation, die Kreativität, das Engagement. Man ist öffentlich nicht neidisch, weil Neid unsexy ist.
Man begrüßt sich mit High-Five und Küsschen und freut sich über den Erfolg der anderen. Das ist das, was auf der öffentlichen Bühne stattfindet. Und meistens ist es geheuchelt.
Das liegt nicht nur an charakterlichen Schwächen der Akteure. Kulturgenießen ist schön. Kulturmachen ist harte Arbeit. Von Kultur leben ist noch härtere Arbeit. Maler, Schauspieler, Fotografen, Autoren, Theatermacher - sie alle müssen, wenn sie nicht zur sehr erfolgreichen Miniminderheit gehören, um ihren Lebensunterhalt kämpfen und auf Fördermittel hoffen.
Für Theatermacher der freien Szene gelten noch schärfere Überlebensregeln. Sie können alleine durch die Einnahmen aus den Eintrittspreisen nicht existieren. Sie brauchen Fördergelder. Aber die sind knapp und diejenigen, die an den Fördertöpfen sitzen, verteilen deren Inhalt nicht immer gerecht und sachlich begründet. Und: Es gibt nie genug Geld für alle.
Seit zwei Jahren gibt es Bluespots Productions, Petra-Leonie Pichler ist die Macherin. Sie hat in zwei Jahren gefühlt Dutzende Projekte durchgezogen. Sie ist präsent in den Medien, sie ist präsent auf Veranstaltungen, sie hat sehr gute Drähte in die Politik und in das Kulturestablishment der Stadt. Öffentlich wird sie gelobt. Hinter vorgehaltener Hand wird sie zerrissen.
Was man wissen muss: Bluespots Productions ist nicht einfach eine Theatergruppe, in der man sich ein paar Mal trifft, zusammen arbeitet, die Türe schließt und heimgeht. Es ist eine Clique, oder, wertfreier formuliert, eine eingeschworene Truppe, deren Mitglieder sich sehr nah sind. Es gibt ein Zentralgestirn, um das sich im Bluespotsuniversum letztlich alles dreht: die Pichler-Zwillinge. Petra und Christine. Wenn eines der Ensemblemitglieder Geburtstag hat, steht mindestens ein Pichlerzwilling mit Kuchen vor der Tür. Diese Nähe finden manche niedlich, manchen ist die Verschworenheit der Gruppe unheimlich. Nach außen ist der Auftritt einnehmend.
"Nette kleine Mädchen mit ziemlich kurzen Röcken und großen Augen, die nach Fördermitteln fragen", so beschreibt eine lokale Theatergröße den Eindruck, den sie von den Bluespots-Macherinnen hat.
Wahr ist: Sie können charmant und mädchenhaft sein. Sie können aber auch anders. (me)
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