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Die Legende lebt: Das Kaufhaus, das Pfersee verbindet
Seit über 130 Jahren versorgt das Kaufhaus Konrad die Menschen im Stadtteil
Während sich die Einkaufswelt rasant verändert, gibt es Orte, die dem Wandel trotzen: Seit über 125 Jahren versorgt das Kaufhaus Konrad die Menschen im Stadtteil mit allem, was sie zum täglichen Leben brauchen. Wer hier einkauft, kommt nicht nur wegen der Produkte, sondern auch wegen der Atmosphäre - und wegen der Menschen, die das Geschäft mit Leidenschaft führen
In einer Einkaufswelt, die von großen Zentren und Online-Riesen beherrscht wird, gibt es sie noch: die charmanten Kaufhäuser von nebenan, die Generationen begleitet haben. Das Kaufhaus Konrad in Augsburg-Pfersee ist eines davon - eine Institution, die seit weit über einem Jahrhundert besteht und für viele Menschen mehr ist als nur ein Geschäft. Es ist ein Ort der Begegnung, der Erinnerung, des Entdeckens. Wer das Kaufhaus betritt, fühlt sich in eine andere Zeit versetzt. Zwischen dicht bestückten Regalen, in denen sich Haushaltswaren, Spielzeug, Kleidung und allerlei Nützliches aneinanderreihen, entsteht eine Atmosphäre, die in modernen Konsumtempeln oft fehlt. Fast glaubt man, in einem dieser kleinen Läden aus einem alten Film gelandet zu sein, in dem der Ladenbesitzer seine Kundschaft persönlich kennt und immer einen guten Rat parat hat.
Gegründet wurde das Kaufhaus Konrad im Jahr 1894 von Klaus und Wolfgang Konrads Großvater in Stadtbergen
Damals noch ein kleiner Laden für Stoffe, entwickelte sich das Geschäft über die Jahrzehnte fort, wuchs mit den Bedürfnissen seiner Kunden und zog schließlich 1938 an seinen heutigen Standort in der Augsburger Straße in Pfersee. Seit 1962 befindet sich das Kaufhaus in seinen aktuellen Räumlichkeiten. Ein Familienunternehmen durch und durch, in dem mittlerweile die vierte Generation aktiv ist. Sibylle Konrad und ihre Schwester Pia Jung haben gemeinsam mit ihrem Vater Klaus Konrad und ihrem Onkel Wolfgang Konrad das Ruder übernommen und führen die Tradition fort - mit einem feinen Gespür für die Balance zwischen Bewahren und Erneuern.
„Wir kennen einen Großteil unserer Kunden mit Namen“, erzählt Sibylle Konrad. „Wir wissen, wo die Kinder hingehören, wenn sie alleine kommen. Wir kennen die Familien, die Großeltern, die Eltern. Viele unserer Kunden kommen schon seit Generationen zu uns, weil sie wissen, dass sie hier nicht nur einkaufen, sondern sich auch aufgehoben fühlen.“ Diese persönliche Beziehung ist es, was das Kaufhaus Konrad so besonders macht. Es ist nicht nur ein Ort zum Einkaufen, sondern auch ein sozialer Treffpunkt. Viele ältere Menschen aus der Nachbarschaft kommen hierher, nicht nur, um Besorgungen zu machen, sondern auch, um ein paar Worte mit vertrauten Gesichtern zu wechseln. Eltern schicken ihre Kinder mit dem ersten Taschengeld los, damit sie ihre kleinen Schätze selbst aussuchen können – ein kleines Ritual, das für viele Familien dazugehört.
Diese Kundennähe spiegelt sich auch im Sortiment des Hauses wider
Es gibt das, was gebraucht wird, aber auch das, was überrascht. Neben den klassischen Nahversorgerprodukten wie Schreibwaren, Haushaltswaren oder Geschenkartikeln, findet sich immer wieder Neues, sorgfältig Ausgewähltes, das den Zeitgeist trifft. „Wir haben ein Grundsortiment, das wir als Nahversorger einfach haben müssen“, erklärt Sibylle Konrad. „Aber wir versuchen auch, unsere Kunden immer wieder neu zu begeistern. Alle sechs Wochen wird eine Fläche im Laden neu bestückt - mit aktuellen Trends, praktischen Helfern oder schönen Dingen, die Freude machen.“ Auch Nachhaltigkeit spielt eine immer größere Rolle, vor allem im Bereich Schreibwaren und Schulbedarf.
Von Schulheften bis Rohrspiralen – das Sortiment überrascht
Die Kundschaft weiß diesen Mix aus Tradition und Modernität zu schätzen. Es gibt Artikel, die seit Jahrzehnten fest zum Sortiment gehören, wie Schulhefte, Stifte oder Koffer – aber auch unvermutete Dinge. „Neulich wollte ein Kunde eine Rohrspirale“, lacht Pia Jung. „Die Leute trauen uns wirklich viel zu. Manchmal fragen sie nach Dingen, die eher in einem Baumarkt zu finden wären. Aber das zeigt uns ja nur, wie breit unser Angebot wahrgenommen wird.“
Eine besondere Rolle spielt die integrierte Postfiliale, die seit fast 25 Jahren fester Bestandteil des Marktes ist. Sie ist mehr als nur ein praktischer Zusatzservice – sie bringt regelmäßig neue Kunden ins Geschäft, die über das vielfältige Angebot staunen. „Viele Leute sind überrascht, wenn sie zum ersten Mal bewusst durch den Laden gehen und entdecken, was wir alles haben“, sagt Sibylle Konrad. „Manchmal führt der Weg zur Post zu einer kleinen Entdeckung, die den Alltag bereichert.“
Natürlich muss sich auch das Kaufhaus Konrad den Herausforderungen der modernen Zeit stellen. Der Konkurrenz durch Online-Handel und große Ketten begegnen die Betreiber mit einem klaren Konzept: persönlicher Service, direkte Ansprechpartner und ein einzigartiges Einkaufserlebnis. „Wer einen neuen Wasserkocher oder Toaster braucht, will nicht erst tagelang auf ein Paket warten. Bei uns findet man ihn sofort – und falls nicht, besorgen wir ihn. Und sollte es mal ein Problem geben, ist die Reklamation ohne Umwege erledigt.“ Dieser kundennahe Service ist für viele Kunden Grund genug, den vermeintlich günstigeren Online-Einkauf gegen die Zuverlässigkeit und Beratung bei Konrad einzutauschen.
Mehr als nur ein wirtschaftlicher Anker
Das Kaufhaus ist aber nicht nur ein wirtschaftlicher Anker in Pfersee, sondern auch ein fester Bestandteil des sozialen und kulturellen Lebens im Quartier. Wolfgang Konrad engagiert sich seit über 30 Jahren in der Bürgeraktion Pfersee, Klaus Konrad war viele Jahre Vorsitzender von Pfersee aktiv. Beteiligt wird sich an zahlreichen Aktionen, sei es die Weihnachtstombola für die Kindergärten oder das Maifest. Die Familie ist sich ihrer Verantwortung bewusst und setzt sich aktiv dafür ein, dass der Stadtteil lebendig bleibt.
Das Ziel für die Zukunft ist klar
Blickt man in die Zukunft des Kaufhauses, ist das Ziel klar: Es soll ein Ort bleiben, an dem sich Menschen treffen, an dem sie stöbern, entdecken und einkaufen - und dabei ein Stück Heimat erleben. „Wir versuchen, uns jeden Tag weiterzuentwickeln“, sagt Sibylle Konrad. „Sich auf unserer langen Tradition auszuruhen, wäre nicht unser Anspruch. Wir wollen auch für die nächste Generation attraktiv sein. Das bedeutet, dass wir unser Angebot anpassen, immer wieder neue Ideen einbringen und unsere Stärken bewahren.“
Dazu gehört auch der Wunsch, das Einkaufserlebnis hier modern zu halten, ohne die gewachsene Identität zu verlieren. „Genau das macht uns aus. Wer einmal hier war, spürt sofort: Wir gehen mit der Zeit, ohne unseren Charakter zu leugnen“, merkt Pia Jung an. Und so behauptet sich das Kaufhaus Konrad seit mehr als einem Jahrhundert gegen alle Veränderungen im Handel - nicht durch blinden Fortschritt, sondern durch eine kluge Mischung aus Bodenständigkeit, Innovation und einer gehörigen Portion Herzblut.
Text und Foto: Thomas Krones






