Kantine – Eine Augsburger Institution zieht um

Am ersten Februar-Wochenende zogen die Macher der Kantine noch einmal sämtliche Register und sorgten zum Ausklang einer Ära für eine fulminante Abriss-Party. Seither sind die Türen im Kulturpark West für immer geschlossen. Doch das ist für Augsburgs Nachtschwärmer kein Grund, in tiefe Depressionen zu verfallen, denn die beiden Kantinechefs Sebastian und Lupo arbeiten schon seit Langem an der neuen Kantine. Wir trafen die beiden direkt am Königsplatz, auf der Baustelle im Herzen der Stadt. Von Verena Kröner und Markus Krapf

Hier sieht ja alles schon sehr gut aus. Wann genau ist denn die erste Veranstaltung in der nagelneuen Bude?
Beide: Puh, gleich die schwierigste Frage zuerst? Die Tendenz ist März, wir können aber noch nicht genau sagen wann. Es kommen nämlich noch einige Abnahmen, die zu weiteren Verzögerungen führen könnten. Deshalb ist die Kantine ein bisschen wie der Flughafen in Berlin. Es wird halt fertig, wenn es fertig ist! (lachen)

Für Euch ist das ja nicht der erste Umzug in der Geschichte der Kantine?
Beide: Stimmt, 2002 ging es los. Damals waren wir mit Roland und Horst ja noch zu viert. Erst war alles als reines Spaßprojekt angelegt, nur so für ein bis zwei Jahre. Aber dann haben wir gemerkt, dass für die viele Arbeit auch ordentlich Umsatz reinkommt und wir das auch professionell betreiben können. 2007 stand dann der erste Umzug von der ehemaligen Offizierskantine in das Gebäude der Mannschaftskantine an. Da waren wir schon nur noch zu zweit.

Der aktuelle Umzug hat sich deutlich länger hingezogen, als zunächst geplant...
Beide (wie aus der Pistole geschossen): Wir sagen nur ein Wort: Brandschutz! Und damit ist eigentlich auch alles gesagt. Die Klärung dieser Thematik hat sehr lange gedauert, weswegen auf der Baustelle auch fast ein Jahr lang kompletter Stillstand herrschte.

Gibt es nach 17 Jahren eigentlich ganz persönliche Kantine-Highlights?
Sebastian: Für mich war es immer ein Highlight, wenn die Beatsteaks zu Gast waren. Die Jungs haben 2005 das erste Mal bei uns gespielt, sind dann total durch die Decke gegangen und trotzdem immer wieder gerne zurück in die Kantine gekommen. Es ist einfach großartig, eine so bekannte Band in einem so kleinen Club erleben zu dürfen und dann auch noch der Veranstalter zu sein. Wir hoffen natürlich, dass sie irgendwann auch in der neuen Kantine vorbeischauen.

Die Eröffnung eines Live-Clubs mitten in der Stadt, das dürfte in der heutigen Zeit bei all den Auflagen fast einmalig sein und könnte nicht nur Vorteile haben.
Beide: Deutschlandweit, europaweit, eigentlich sogar weltweit werden alternative Clubs wegen Anwohnerbeschwerden aus den Stadtzentren vertrieben. Steigende Mietpreise sind auch oft ein Grund, warum die Clubs in den Innenstädten schließen. Das Atomic Café in München ist ein gutes Beispiel für diese Entwicklung.

Warum geht Ihr dann genau den umgekehrten Weg?
Beide: Wir wollen diesem Trend bewusst entgegenwirken. Das Unglück mit der Insolvenz des Yum-Clubs war sozusagen unsere Chance. Und wir glauben fest an den Erfolg und brennen für die Idee eines Live-Clubs in der Augsburger Innenstadt. Dass hier früher einmal eine kommerzielle Diskothek zuhause war, ist uns völlig wurst! Wir werden sowieso alles komplett anders gestalten als unsere Vorgänger. Das wird man schon beim ersten Blick auf die neue Kantine feststellen, bei dem rein gar nichts mehr an die Vergangenheit erinnert.

Beim Umzug der Brechtbühne konnte das Staatstheater das meiste Equipment mitnehmen und am Gaswerk einfach wieder aufbauen. Wie ist das bei euch, wenn man an Sound- oder Lichtanlagen denkt?
Beide: Ganz so ist es bei uns nicht. Wir nehmen ein paar wenige Teile der Lichtanlage mit. Erst wollten wir auch mit der alten Sound-Anlage umziehen, haben uns dann aber dazu entschlossen, eine ganz neue und deutlich bessere Anlage einzubauen. Wir wollen, dass der Sound in der neuen Kantine optimal klingt und haben jetzt eine Anlage gefunden, bei der wir sagen, genau so muss es sich anhören! Die Gäste können sich aber auf viele andere Andenken freuen, die von der alten in die neue Kantine mit umziehen werden.

Wie viele Veranstaltungsräume wird es denn überhaupt geben?
Beide: Uns war wichtig, dass wir verschiedene Veranstaltungsräume anbieten können. Ähnlich wie in der ersten und ehemaligen Offizierskantine. Genau wie bei unseren Anfängen wird es jetzt wieder „nur“ zwei verschiedene Räume geben.

Die legendären Afterhours hatten eine große Fangemeinde. Ist so ein Format in der Augsburger Innenstadt überhaupt möglich?
Beide: Geplant ist es auf jeden Fall, zwar weniger häufig, dafür aber noch intensiver. Vielleicht werden wir auch mit den anderen beiden Clubs im neuen Augsburger Bermudadreieck „Kantine - Hallo Werner und City Club“ abwechselnd eine Afterhour anbieten. Der City Club macht ja schon seit einiger Zeit vor, dass es sowas auch am Königsplatz geben kann.

Gibt es andere Veranstaltungen, die der neuen Location zum Opfer fallen werden?
Beide: Wir wollen unserem Motto der Vielfalt treu bleiben. Alle Inhalte werden mit umziehen. Es wird weiterhin Konzerte, Techno-Veranstaltungen, Depeche Mode- und auch WG-Partys geben. Einiges wird aber auch neu sein. Es wird zum Beispiel eine neue 80er-Party geben. Jeder, der uns bisher gemocht hat, wird sich in der Innenstadt inhaltlich wieder finden. Die größte Veränderung wird sein, dass es einen regelmäßigen Freitag geben wird.

Die Zahl der Kantinengäste wird wohl durch die Größe der neuen Location zwangsläufig zurückgehen?
Beide: Das stimmt zwar, aber man muss auch ehrlich sein. Der Raum in der alten Kantine wurde nicht immer komplett ausgenutzt. Wären dauernd so viele Gäste wie am letzten Wochenende da gewesen, dann hätten wir das Gelände kaufen und für immer da bleiben können. (Beide lachen mit Dollarzeichen in den Augen). Aber so war es ja nicht. Deswegen muss eine Verkleinerung nicht unbedingt schlecht sein und ihr seht ja selber, dass auch die neue Kantine trotzdem eine gewisse Wucht hat. Hier haben „nur“ circa 30 Prozent weniger Gäste Platz, sie ist also größer, als viele erwarten.

Wird das Auswirkungen auf Euer Booking haben?
Beide: Wir versuchen weiterhin alles, von ganz kleinen Konzerten bis hin zu Acts, die in der Messehalle stattfinden, abzudecken. Insofern werden wir uns auch in Zukunft bemühen, Veranstaltungen mit Bands, die ein größeres Publikum anziehen, im Kongress am Park, in der Messehalle oder im Kesselhaus umzusetzen. Wir werden also keine Künstler verlieren und sie weiterhin nach Augsburg holen!

So wie in der Vergangenheit mit Deichkind, Beginner, Alligatoah oder Robin Schulz?
Sebastian: Genau, da treten wir dann als Fremdveranstalter auf und müssen in Zukunft vielleicht etwas öfter in größere Hallen ausweichen.

Freut ihr Euch auf einen neuen Kreis an Gästen, denen die Kantine vielleicht bisher zu weit draußen war?
Sebastian: Wir freuen uns auf alte, aber auch auf neue Gäste! Durch die Lage etwas außerhalb haben wir einige Leute nicht erreicht, obwohl ihnen das Programm inhaltlich vielleicht gefallen hätte.
Lupo: Früher haben alle gesagt, ihr seid so weit draußen und jetzt sagen viele, in der Innenstadt gibt es nicht genügend Parkplätze. Es gibt direkt nebenan ein Parkhaus und da kommen alle Gäste, die mit dem Auto anreisen, bequem unter. Außerdem sind der Bahnhof und der Königsplatz in unmittelbarer Nähe. Die Anbindung könnte also nicht besser sein und man spart sich das Geld fürs Taxi.

Warum werden wir alle in einem Jahr sagen, dass der Umzug der Kantine in die Innenstadt die beste Entscheidung überhaupt war?
Beide: Weil es einfach geil ist, mitten in der Innenstadt in einen Live-Club gehen zu können. Wir haben eine einmalige Chance bekommen und sofort gesagt: Das wollen und müssen wir machen!

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