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Vorerst kein Ja zu Stolpersteinen in Augsburg

Der Augsburger Stadtrat erteilte in seiner Sitzung im Februar überraschend keine Genehmigung für die Verlegung von Stolpersteinen im öffentlichen Raum...

Mit seinem Projekt "Stolpersteine" setzt der Künstler Gunter Demnig den Opfern des Nationalsozialismus ein Denkmal. Vor dem letzten selbstgewählten Wohnhaus der Opfer werden Gedenktafeln in das Pflaster des Gehwegs eingelassen. Beim Vorbeigehen "stolpert" man sozusagen über die Steine und wird zum Innehalten angeregt. Auf der Oberseite der Steine befindet sich eine Messingplatte, auf welcher Name, Geburtsjahr sowie das weitere Schicksal des ehemaligen Anwohners eingraviert sind. Auf diese Weise soll die Erinnerung an die Vertreibung und Vernichtung aller Menschen lebendig gehalten werden, die unter dem NS-Regime leiden mussten. Inzwischen sind fast 44.000 der sogenannten "Stolpersteine" in über 500 Orten Deutschlands und in mehreren Ländern Europas vorzufinden. "Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist!", so der Kölner Künstler.

Die kleinen Denkmäler sollen nun auch in Augsburg Einzug halten. Zu diesem Zweck wurde der "Initiativkreis Stolpersteine für Augsburg" gegründet. Ihm gehören Friedensinitiativen, Parteien und Gewerkschaften an. Darunter auch die "Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes", von welcher die Idee für die Stolpersteine in Augsburg stammte. Die Initiative hatte das Vorhaben bereits Anfang 2013 angestoßen. Für das Projekt ist jedoch die Zustimmung des Stadtrats notwendig, da die Gedenksteine nur mit Genehmigung im öffentlichen Raum verlegt werden dürfen.

Durch den Einsatz des Initiativkreises entstand bereits Ende Januar ein gemeinsamer Antrag aller Stadtratsfraktionen, der sich für die Verlegung von Stolpersteinen in Augsburg aussprach. Dieser wurde ebenfalls von überlebenden Angehörigen unterstützt. Entsprechend groß war die Überraschung, als der Stadtrat in seiner Februarsitzung wider Erwarten keine Genehmigung für die Verlegung der Steine erteilte.

Zu Beginn der Sitzung war ein Brief des Landesrabbiners Henry Brandt vorgelesen worden, der ein kategorisches Nein zu den Stolpersteinen beinhaltete: Ihm widerstrebe Gedanke, dass man wieder auf den Namen der Opfer trampeln darf. Brandt wolle alle Hebel in Gang setzen, die Verlegung der Steine zu verhindern. Aus dem Protokoll der Sitzung geht hervor, dass der Widerstand des Rabbiners bei nahezu allen Fraktionen große Zweifel an den Miniatur-Denkmälern hervorgerufen hatte. Lediglich die SPD und die Linkspartei hielten am ursprünglichen Antrag fest. Schließlich wurde ein Alternativantrag zur weiteren Prüfung beschlossen, der keine Genehmigung für die Stolpersteine enthielt. "Der Stadtrat beauftragt die Verwaltung, neben möglichen Stolpersteinen auch andere Formen von öffentlichen Zeichen zu suchen." Zu diesem Zweck soll eine Stadtratskommission ins Leben gerufen werden. Der Antrag kam von der Grünen-Stadträtin Verena von Mutius, obwohl die Grünen Mitglied des "Initiativkreises Stolpersteine für Augsburg" sind.

Die Stolpersteininitiative hält wenig vom Hinauszögern der Entscheidung: "Eine Schande für den Augsburger Stadtrat", heißt es auf der Internetseite der Initiative, "die letzten Überlebenden wollen jetzt Stolpersteine, sie können nicht ewig warten!". Die Initiative ist enttäuscht und verärgert. Der Rabbiner Brandt sei mit seiner Ansicht bei den jüdischen Gemeinden in der absoluten Minderheit, erklärte Thomas Hacker vom Initiativkreis, viele jüdische Bürger befürworteten die Stolpersteine. "In Augsburg waren ursprünglich zwei Stolpersteine für jüdische Opfer geplant. Die Enkelin der beiden Opfer möchte unbedingt, dass die Steine ihrer Großeltern verlegt werden. Sie arbeitet sogar bei uns in der Initiative mit", so Hacker weiter. Zudem kann der Initiativkreis nicht nachvollziehen, warum aufgrund der Bedenken der Kultusgemeinde auch für andere Opfergruppen keine Genehmigung erteilt werden kann.

Leider war es bis zum jetzigen Zeitpunkt weder von der Stadtratsfraktion der Grünen noch von Rabbiner Henry Brandt möglich, eine Stellungnahme zu bekommen.

Am 26. Mai wird in der Peutingerstraße beim Dom dennoch die Verlegung zweier Stolpersteine stattfinden. Dies geschieht auf privatem Grund der "Hans- und Anna-Adlhoch-Stiftung". Ursprünglich war die Verlegung der Steine etwas weiter vom Haus entfernt geplant. Ohne die Genehmigung der Stadt wird nun auf einen kleinen Streifen vor dem Gebäude zurückgegriffen, der öffentlich zugänglich ist. Um 9 Uhr wird Gunter Demnig die Steine für Hans und Anna Adlhoch verlegen. Beide waren im katholischen Widerstand aktiv; Hans Adlhoch musste dafür mit seinem Leben bezahlen. Ob es in Augsburg zukünftig auch Stolpersteine im öffentlichen Raum geben wird, bleibt abzuwarten.

(Sandra Autenrieth)

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