Von Arschloch bis Nazi

Eine Koalition wird immer mal wieder gerne als Vernunftehe dargestellt, man hat meistens zwei Partner, die meistens eine mehr oder weniger große Übereinstimmung in ihren Zielen und Ansichten haben. Man liebt sich nicht, aber man respektiert sich. Die Augsburger Koalition unter Kurt Gribl gleicht indes eher der hasserfüllten Ruine einer Ehe nach dem Vorbild von "Wer hat Angst vor Virginia Woolf". Man ist (noch) miteinander verheiratet, aber hasst sich im Grunde, man funktioniert leidlich nach außen hin, aber die Verbitterung beider Ehepartner bricht sich immer wieder öffentlich Bahn.

Schley von der CSU beschimpft angeblich Holzapfel von Pro Augsburg, der Vorgang landet vor Gericht und wie in einem vorweggenommenen Scheidungsprozess offenbart die Vorsitzende der Pro Augsburg Fraktion mit einem überzogen-unpassenden Nazivergleich tiefsitzende Verbitterung über vergangene Machtspiele Schleys. Nein, die Ehe zwischen Pro Augsburg und der CSU bzw. NCSM war niemals eine Liebesehe, in ihren besten Zeiten war sie eine wilde Vernunftehe, inzwischen handelt es sich um ein zunehmend verbittertes Zweckbündnis, das nur noch eines halbwegs vereint: der Wille zur Macht. Das ist nicht wenig und noch ist dieser gemeinsame Wille größer als der Hass zwischen einzelnen Akteuren der Koalition, eine erfolgreiches Bündnis braucht freilich stärkere Bande als diesen Willen, ein Mindestmaß an Respekt zum Beispiel.

Doch was ist eigentlich mit den Hauptpersonen der Koalition? Sie schweigen bislang. Peter Grab, der angeblich jüdische Wurzeln hat, müsste besonders sensibel auf den Nazivergleich seiner Fraktionsvorsitzenden reagieren, einstweilen hält er sich aber auffallend bedeckt, vielleicht auch aus der Furcht heraus, Pro Augsburg könnte auseinanderbrechen, wenn er sich zu stark auf eine Seite stellt. Oberbürgermeister Gribl scheint sich sehr gut in der Rolle des überparteilich-präsidialen Regierungschefs à la Angela Merkel zu gefallen. Er regiert und repräsentiert, als ob er nichts mit dieser Koalition zu tun hätte, er schwebt über allem und leitet damit elegant Kritik und schlechte Presse in Richtung von Fraktionen und Parteien.

Man könnte das als moderate, als kluge Art des Regierens sehen, darf aber darüber nicht vergessen, dass der Oberbürgermeister damit vor allem eigene Machtinteressen verfolgt. Er schaut zu, wie sich seine innerparteilichen (ist das eigentlich auch die NCSM?) und außerparteilichen Partner massakrieren. Wäre Gribl ein, auch in seiner Partei, starker OB, würde er für Ordnung in seinen Reihen sorgen. Doch dafür fehlt ihm, weit mehr als der Wille, die (Haus-)Macht. Er ist nicht imstande, seine Partei zu beruhigen und spielt auf Zeit. Dass zwischen ihm und Pro Augsburg Spitzenmann Peter Grab schon seit langer Zeit eisiges Schweigen herrscht, ist kein Geheimnis, dass er sich eine Koalition ohne Pro Augsburg wünscht, ist nachvollziehbar. Seine Taktik besteht, in realistischer Einschätzung der Lage, darin, bis zur Wahl eine gute Figur als OB zu machen, sich das Schley-Lager und Pro Augsburg in Schlammschlachten gegenseitig schwächen zu lassen und am Ende womöglich in einer großen Koalition mit der SPD einen Bündnispartner zu haben, der wesentlich besser zu ihm passt als Pro Augsburg.

Ja, diese Ehe ist in Wahrheit innerlich längst geschieden und spätestens am Wahlabend dürfte die Scheidung amtlich werden.

Rubrik: 

Weitere News zum Thema

OB Kandidatin Eva Weber geht auf #ThemenTour2020

Verfasst von Neue Szene am 08.07.2019

Auftakt der Themen Tour 2020 mit #GrillDieWeber und Werkstattgesprächen...

Martina Wild geht für Team Green ins OB-Rennen

Verfasst von Neue Szene am 19.06.2019

Martina Wild bekommt das Votum der Mitglieder zu OB-Kandidatur 2020

JUBAG-Café hat eröffnet

Verfasst von Pit.Eberle am 07.06.2019

Augsburg eröffnet innovative und lockere Beratungsstelle für Jugendliche