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Der "Hottentottenbau" wird 25
Ein Gastbeitrag von Stefanie Hörr, pädagogische Leiterin des Jugendhauses Lehmbau
Als 1986 die ersten Fichtenstämme auf das Gelände in der Mittenwalderstraße in Augsburg-Hochzoll gekarrt wurden, konnte noch niemand ahnen, dass wir nun, 25 Jahre später, unser erstes Vierteljahrhundert groß feiern würden.
Der Bau war in der Planungsphase 1986 seitens der Bevölkerung und den politischen Fraktionen umstritten: eine Bürgerinitiative aus der Nachbarschaft versuchte sogar über den damaligen Ministerpräsidenten das Jugendhaus zu verhindern. Karl Kramer, Vizepräsident der Handwerkskammer für Schwaben, bezeichnete in einem Protestschreiben an den Stadtrat die jungen Leute, die unter Anleitung der "Augsburger Gesellschaft für Lehmbau, Bildung und Arbeit e.V." das Haus errichten sollten, als "schwer erziehbare Jugendliche". In Wirklichkeit handelte es sich um schwer vermittelbare Jugendliche innerhalb einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Der Augsburger Oberbürgermeister Hans Breuer verteidigte im Stadtrat das Bauvorhaben vehement.
In der Bauphase kamen weitere Attacken aus der Anwohnerschaft. Bezeichnungen wie "Negerkral", "Hirtenhöhle" oder "Hottentottenbau" waren zu hören, die Wände seien nicht im rechten Winkel gebaut, die Fenster vom Schrott. Vom "Pfuschbau" wurde gesprochen. Doch zum Glück gab es auch Gegenstimmen wie die von Susanne Pomje, Vorsitzende der Jugendvertretung MAN B&W Diesel GmbH, die in einem Leserbrief an die AZ forderte, "der Jugend eine Chance geben – zu leben!". Arbeitsamtdirektor Erich Blume lobte die Maßnahme: "Hier baut die Jugend für die Jugend". Bis zur Eröffnung im Jahr 1989 waren insgesamt 118 arbeitslose Jugendliche an der Errichtung des Hauses in ökologischer Bauweise aus Lehm und Holz beteiligt.
Nun - 25 Jahre später - hat sich das Jugendhaus Lehmbau zu einer überregional bekannten Einrichtung entwickelt, die für hunderte Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 18 Jahren Anlaufstelle, Freizeit- und Bildungseinrichtung und für viele auch ein Stück Heimat geworden ist.
Das Jugendhaus Lehmbau steht – im Unterschied zu den anderen Jugendzentren in Augsburg – in Trägerschaft der evangelischen Kirche und nimmt hier einen ganz besonderen Platz ein: Lassen sich durch die "klassische" evangelische Jugendarbeit hauptsächlich Kinder aus dem mittleren und gehobenen Bildungsniveau ansprechen, ist das Jugendhaus mit seinen offenen und teiloffenen Strukturen und einem niederschwelligen Angebot gerade für diejenigen da, die durchs soziale Netz fallen: Kinder und Jugendliche finden hier einen Raum, an dem sie sein dürfen und angenommen sind. Viel zu oft erleben sie, von informellen Treffpunkten vertrieben zu werden, erleben im Alltag Rassismus und Abwertung aufgrund ihrer Herkunft oder Religion. Im Lehmbau finden sie Ansprechpartner, die ihre Sorgen und Nöte geduldig anhören, ihnen mit Rat und Tat und Lösungsansätzen zur Seite stehen. Sie erleben einerseits Regeln, können andererseits ihre Freizeit sinnvoll frei gestalten.
Die umwelt- und erlebnispädagogischen Angebote wie das "Osterprojekt" laden die Sechs- bis Zwölfjährigen zum Machen ein und geben Selbstbewusstsein. Kinder und Jugendliche übernehmen Verantwortung für kleine und große Aufgaben, arbeiten im Gelände oder versorgen die Tiere (darunter bedrohte Nutztierrassen) mit. Jugendkulturelle Angebote wie Konzerte, HipHop-Workshops oder Sprayen nehmen die Lebenswirklichkeit der Jugendlichen auf. Das Jugendhaus wirkt mit seiner Arbeit positiv in den Stadtteil Hochzoll ein: Es ist uns gelungen, das anfängliche Misstrauen zu reduzieren und einen Dialog zwischen den Generationen herzustellen. Unsere Türen sind für alle geöffnet, getreu unserem Leitsatz „Komm herein! Du bist nicht zu gut dafür, du bist nicht zu schlecht dafür! So wie du bist, bist du gerade richtig!“
Unser 25jähriges Jubiläum soll ein Fest der Kinder und Jugend werden! Wir möchten unsere Vielfalt, Arbeit, Nachhaltigkeit, Inter- und Multikulturalität, unser Netzwerk, unsere Freunde, Ehrenamtlichen und Unterstützer feiern und alle diejenigen, die noch letzte Zweifel haben oder uns bisher nur vom Zaun aus beobachtet haben, einladen, sich ein eigenes Urteil zu bilden.
Das Programm:
Dienstag, 24.06.: Unsere Festwoche beginnt mit dem "Familienduell" von 16 bis 18 Uhr.
Mittwoch, 25.06.: Familientag mit Ponyreiten, Luftballonkünstler, Kinderschminken sowie Lehmbau-Zirkusfest (15-18 Uhr)
Donnerstag, 26.06.: "Lehmbau kickt!" - großes Open-Air-Kickerturnier in Kooperation mit der Mitkickzentrale (16-18 Uhr), anschließend Public Viewing (Deutschland – USA). Es gibt Spezialitäten vom Grill, Lagerfeuer und gekühlte Getränke für die ganze Familie.
Freitag, 27.06.: "YOUgend-Tag": Von 15 bis 20 Uhr haben alle interessierten Jugendlichen zwischen 12 und 18 Jahren die Möglichkeit, an verschiedenen Workshops teilzunehmen: DJ- Workshop, Graffiti, Selbstverteidigung, Sport, Tanz u.v.m.
Samstag, 28.06.: Große Abschlussparty ab 11 Uhr mit einem "Jahrmarkt der Möglichkeiten", American Bullriding, Human Soccer u.a. Die Bands Capo di Capi (HipHop) sowie No Spam (Band des Jahres 2014) heizen den Gästen musikalisch ein. Es gibt Leckereien vom Grill, hausgemachtes Chili, original türkische Lahmacun von der Steinplatte sowie eine Cocktail-Beachbar und hausgemachte Kuchen.
Anmeldungen fürs Kickerturnier und die Workshops bitte bis spätestens 23.06. an: info@jugendhaus-lehmbau.de.
Mehr Info unter www.jugendhaus-lehmbau.de sowie auf www.facebook.de/JugendhausLehmbau
Fotos: Lehmbau






