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"Ich pflanz’ mir die Welt, wie sie mir gefällt"
Urban und Guerilla Gardening in Augsburg: Zwei Phänomene mit dem gemeinsamen Ziel, die Stadt zu begrünen und zu verschönern. Was hat Augsburg davon zu bieten? Eine Entdeckungstour mit Saskia Grandel
Ein unvermutetes Meer aus Beeten erstreckt sich im Kulturpark West, gleich hinter dem Abraxas. Auf manchen wachsen bunte Tulpen und Traubenhyazinthen, andere zeigen Reihen aus Radieschen, Salat und Spinat. Gerade werden neue Beete mit Pflöcken und Seilen abgesteckt. Ich brauche Tine Klink, Gründerin des Arbeitskreises Urbane Gärten, gar keine Fragen stellen – aus ihr sprudelt gleich alles über den Interkulturellen Garten „Grow Up“ heraus. „Im Moment haben wir 75 Beete. Zu einem Beet kommt man über eine Vereinsmitgliedschaft und einen Jahresbeitrag von 20 Euro sowie vier Stunden Gemeinschaftsarbeit pro Jahr. Allerdings gibt es gerade eine Warteliste.“ Wir schlendern durch den Garten, vorbei an einem Insektenhotel, einer Igelfutterstelle, bewohnten Bienenstöcken und ostereiersuchenden Kindern.
Während es beim „Guerilla Gardening“ um das heimliche Begrünen städtischer Flächen geht, werden diese beim „Urban Gardening“ auf legalem Wege gärtnerisch genutzt. Der Arbeitskreis „Urbanes Gärtnern“ wurde im Januar gegründet und bündelt eine Vielzahl von grünen Projekten in Augsburg. Nachhaltigkeit, Naturerfahrung, aber auch soziale Begegnung sind die Motive des Arbeitskreises.
Wir fahren zum Nachbarschaftsgarten Oberhausen. Alles, was ich sehe, ist ein Bauzaun, ein Bagger und eine Fläche ohne jeden Grashalm. „Die Kirche, die den Grund für den Garten geboten hat, baut gerade und braucht den Platz selbst. In zwei Jahren dürfen die Gärtner aber wieder zurück.“ Was hier dann wieder neu entstehen wird, ist ein Nachbarschaftsprojekt mit gemeinsamem Gärtnern und Festen.
Dass Gartenprojekte Bauplänen weichen müssen, ist kein Einzelfall. Auch der Grow-Up-Garten ist davon betroffen, der bis 2017 noch Unterpächter beim Kulturpark West ist. Was danach geschieht, hängt ganz davon ab, wie es mit dem KuPa weitergeht. Schon jetzt mussten baustellenbedingt einige Beete weichen. Immobiliendruck und der Wert von innerstädtischen Flächen sind häufige Ursachen für das Ende solcher Projekte. Manchmal ist es aber auch die Uneinigkeit zwischen verpachtenden Eigentümern wie im Fall der Cityfarm in Oberhausen, die bis zum Herbst dringend eine neue Fläche braucht.
Ildi und Benni, Gründer der Cityfarm, begrüßen mich freundlich. Meine ersten Eindrücke sind hoppelnde Kaninchen, scharende Hühner, blühende Apfelbäume. Kinder klettern auf Bäumen und tragen Hühnern Regenwürmer nach. Man kann hier Jungpflanzen ertauschen, mitgärtnern, an Workshops teilnehmen oder einfach ausruhen. Ildi pflückt mir Sauerampfer zum Probieren, ihr Handy klingelt – wer hätte das gedacht – mit der „Löwenzahn“-Melodie. „Kind, Student, Hausmeister – alle machen hier mit.“ Auf die Frage, ob sie hier glücklich sei, antwortet sie lachend: „Ja! Ein Garten ist die beste Therapie für alles!“
Der Spaß am Anbauen und Ernten
Unsere letzte Station ist die Hochbeetanlage beim Sozialkaufhaus „Contact“ in Haunstetten. Auf den ersten Blick sehe ich Erdbeeren, Peperoni und Meerrettich wachsen. „Wie kommt es vom Samenkorn zur Ernte? Was wächst da? Die Antworten auf diese Fragen erleben zu können, das ist die Motivation des Projekts!“, schwärmt Roswitha, 60, die mit der Gründung von Contact ihren Beruf beim Finanzamt aufgegeben hat. Die Beete sind kostenlos. Hier gärtnern z.B. Mitarbeiter, aber auch Behinderte und ältere Leute, für die die Hochbeete praktisch sind. „Hier geht es um den Spaß am Anbauen und Ernten!“, strahlt Roswitha. Es menschelt, wie bei allen Stationen der vierstündigen Tour. Mir erscheint es, als sei Augsburg wirklich reich an Grün – hoffentlich findet sich auch in Zukunft genügend Platz dafür.






