Augsburgs erstes Spiel nach dem Schock

Angesichts der Umstände: Ein Unentschieden, mit dem man leben kann
Mit dem Unentschieden gegen den 1. FC Nürnberg konnte sich der FCA in der einstelligen Tabellenregion halten. Platz 9 nach zehn Spieltagen sorgt einigermaßen für Zufriedenheit, wenn auch nicht für Begeisterung. Und das ist gut, da es die über Jahre gewachsenen Ambitionen unterstreicht.

Die Voraussetzungen für einen Sieg waren allerdings gegeben, das 2:2 hat deswegen einen bitteren Beigeschmack: Nicht nur, dass Augsburg das bessere Team war und den zweiten Gegentreffer erst kurz vor Schluss bekam, waren die Nürnberger ohnehin schon unter den Vorzeichen einer echten Horror-Serie angereist. Die Zusammenfassung spricht für sich:

Ein Augsburger Triumph hätte somit zum aktuellen Formverlauf gepasst, denn in den beiden Spielen zuvor gingen die Franken mit 0:7 gegen Borussia Dortmund und 0:6 gegen RB Leipzig unter.

Auch die Quoten der Sportwetten-Anbieter sprachen deswegen für Augsburg. Dabei war das Sportliche in den letzten Tagen in den Hintergrund gerückt: Der unerwartete Tod des Aufsichtsratsvorsitzenden und ehemaligen Präsidenten Peter Bircks in Folge eines Verkehrsunfalls versetzte den Verein sowie die ganze Stadt in einen Schockzustand. Das Heim-Remis gegen Nürnberg kann daher als gewonnener Punkt anstatt als zwei verlorene Zähler verbucht werden.

Drüben in München: Wenn ein Unentschieden nicht gut genug ist
Nur rund 70 Kilometer in südöstlicher Richtung entfernt kann davon keine Rede sein. Auch die Bayern schafften zu Hause nur ein Unentschieden; das 1:1 gegen den SC Freiburg dürfte die ohnehin schon angespannte Stimmung an der Isar noch verschärfen. Und wie immer ist ganz Fußballdeutschland zur Stelle, um die Ursachen ausfindig zu machen. Den Verantwortlichen wird vorgeworfen, die Mannschaft nicht rechtzeitig verjüngt und verbessert zu haben. Die aufsehenerregende Pressekonferenz im Oktober trug nicht gerade zu mehr Ruhe seitens der Medien bei. Außerdem: Die Teamchemie sei nicht intakt und Trainer Niko Kovac könne kein klares Konzept vorlegen.

Welche dieser Faktoren tatsächlich der Grund für den wackligen Saisonverlauf sind, ist schwer zu sagen. Kovac selbst behält die Ruhe und verweist auf mangelnde Chancenverwertung, doch spätestens gegen Freiburg wurde offensichtlich, dass auch die spielerische Anlage keineswegs zufriedenstellend ist.

Verletzungen spielen dabei durchaus eine Rolle: Kingsley Coman fiel schon früh in der Saison aus und das führte zu erhöhten Einsatzzeiten von Arjen Robben und Franck Ribery, die jedoch altersbedingt nicht mehr die bekannte Qualität abliefern können. Viel schwerer noch wiegt die Verletzung von Thiago, der bislang der wohl beste Spieler war und nun mit Außenband- und Kapselriss für mehrere Wochen ausfällt.

Andererseits dürfen diese Verluste (nicht zu vergessen auch der Kreuzbandriss von Corentin Tolisso) nicht als alleinige Ausrede gelten. Die verbliebenen fitten Spieler sind zahlreich und haben Rang und Namen; eine Mannschaft mit Neuer, James, Lewandowski, Kimmich und Hummels muss unter allen Umständen besser dastehen als es momentan der Fall ist.

Neu gemischte Karten in der Bundesliga?
Wie auch immer: Aus der Bayern-Krise ergibt sich eine interessante Augsburger Perspektive, da der FCA nur 7 Punkte und sechs Plätze hinter dem Rekordmeister liegt. Als Titelkandidat gelten zur Zeit die Dortmunder, die unter Lucien Favre bislang eine beeindruckende Hinrunde spielen. Einen großen Schritt kann der BVB am kommenden Samstag machen: Passend zur dramaturgischen Kurve reist der FC Bayern am 11. Spieltag nach Westfalen und diese Begegnung ist aus Zuschauersicht das vorläufige Highlight dieser Saison.

Die Bayern sind dabei in einer unbequemen Lage: Ein Sieg ist fast Pflicht, um die Krise nicht um ein Vielfaches zu verschlimmern, doch das junge BVB-Team spielt stark auf und ist vor allem zu Hause eine echte Macht. Dank der individuellen Qualität ist ein Münchner Sieg zwar theoretisch immer möglich, doch die Wahrscheinlichkeit ist niedriger als in den Jahren zuvor.

Auch der FC Augsburg hat eine schwere Aufgabe vor sich. Am Samstag tritt das Team um Knipser Alfred Finnbogason in Hoffenheim an, und dass die Rhein-Neckar-Arena immer ein heißes Pflaster ist, sollte inzwischen bekannt sein. Hoffnung geben dabei die etwas verdrehten Umstände: Die Augsburger tun sich bisher zu Hause auffällig schwer, während die Auswärtsbilanz akzeptabel ist. Die Fans hätten sicherlich nichts dagegen, wenn das am kommenden Wochenende noch so bleibt.

Bild 1: ©istock.com/SeanPavonePhoto
Bild 2: ©istock.com/Pgiam

(pm / Pit)

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