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Umbruch statt Europa League

Immer noch verwunderlich: Der FCA geht in seine sechste Bundesligasaison. Esswein geht, Schmid kommt!

Es kommt, wie es kommen musste: Die Metamorphose hat begonnen. Angreifer Sascha Mölders, der die ersten Bundesligatore in der FCA-Geschichte geschossen hatte und irgendwas zwischen Ikone und Maskottchen war, hat im vergangenen Winter den Verein verlassen. In der Sommerpause wechselten ein wirbliger Außenstürmer mit spärlichem Haarwuchs und ein kantiger Innenverteidiger mit dem Namen eines Wikingerhäuptlings zu anderen Klubs. Tobi Werner und Ragnar Klavan haben das Gesicht der Mannschaft in den vergangenen Jahren geprägt, zusammen mit Profis wie Daniel Baier, Halil Altintop und Paul Verhaegh. Diese Drei bringen es gemeinsam auf fast 100 Jahre und man muss kein Prophet sein, um zu wissen, dass auch ihre fußballerische Zukunft in Augsburg endlich ist.

Schuster für Weinzierl

Die Metamorphose hat begonnen und sie wird also noch ein bisschen dauern. Der gewichtigste Teil des aktuellen Umbruchs ist der Trainerwechsel: Markus Weinzierl erlag erwartungsgemäß nun doch den Verlockungen eines großen Vereins und sitzt zumindest eine Zeit lang bei Schalke 04 auf der Bank. Der neue starke Mann an der Augsburger Seitenlinie heißt Dirk Schuster, erst kürzlich vom Fachorgan „Kicker“ zum „Trainer des Jahres“ ernannt. Die Auszeichnung erhielt er noch für seine Arbeit beim SV Darmstadt 98. Mit den Lilien schaffte er den Durchmarsch von der dritten in die Bundesliga und dort den überraschenden Klassenerhalt mit einer Mannschaft, die viele Experten als Tasmania Berlin der Gegenwart eingeschätzt hatten. Keine schlechten Arbeitspapiere.
Ein Paradigmenwechsel im Spiel des FC Augsburg ist mit dem neuen Übungsleiter allerdings nicht zu erwarten: Er wird die erfolgreiche Taktik seines Vorgängers – stabile Defensive, Druck bei gegnerischem Ballbesitz, schnelles Umschaltspiel – beibehalten und nur in Feinheiten korrigieren. „Wir haben eine Mannschaft mit einem richtig guten Charakter“, attestierte er seinen Profis nach dem Trainingslager in Südtirol. Nur ist sie ihm fast zu brav: Er fordert mehr Aggressivität, mehr Lautstärke als zuletzt ein. Für die nötigen Tore soll der nun fest verpflichtete Alfred Finnbogason sorgen. Der seit Anfang des Jahres ausgeliehene Isländer war mit sieben Treffern in 14 Spielen – mit Abstand die beste Quote eines FCA-Stürmers in der Bundesliga – der Garant für den Klassenerhalt.

Von Hof nach Liverpool

Der Verbleib in der Bundesliga wird auch in der kommenden Saison als Ziel ausgerufen. Nur sollte er etwas zeitiger erreicht werden als zuletzt. Schließlich schwankten Team und Anhängerschaft in der vergangenen Spielzeit zwischen Euphorie und Niedergeschlagenheit. Da war zum einen das Erlebnis Europa League, ein Meilenstein in der bald 110-jährigen Klubgeschichte. „Und plötzlich saß man im Flieger nach Bilbao und später nach Liverpool. Mit unserem FCA! Der vor 15 Jahren noch nach Hof mit einem privat gemieteten Bus gefahren war“, wundert sich der ehemalige Fanbeauftragte Alexander Edin noch immer. Nach dem „Wunder von Belgrad“, dem 3:1-Sieg zum Ende der Gruppenphase, überwinterte der kleine FCA im internationalen Wettbewerb und traf dann auch noch auf den Traumgegner FC Liverpool. Gegen die „Reds“ endete der europäische Traum, wenn auch nur denkbar knapp.

Auf der anderen Seite war der Alltag in der Liga: Da zitterte man sich, gerade auch wegen der internationalen Mehrbelastung, von Spieltag zu Spieltag. Es gab Wochen, da wurde einem angst und bange. Nach zwölf Partien zu Beginn der Saison hatten die Rot-Grün-Weißen erst mickrige sechs Punkte gesammelt. Seltsam war vor allem die ungewohnte Heimschwäche, nur drei Siege gelangen im eigenen Stadion. Auf fremden Plätzen dagegen befand man sich wieder auf Europa-League-Kurs und beendete die Saison als fünftbeste Auswärtsmannschaft.

Kommt da noch was?

Wer jetzt genau für eine ruhigere Spielzeit sorgen soll, ist allerdings nicht ganz klar. Klavan war eine Bank in der Innenverteidigung, nicht umsonst hat ihn Jürgen Klopp zum FC Liverpool geholt. Bisher konnte Klavan nicht adäquat ersetzt werden, in die Bresche wird wohl Defensivroutinier Gojko Kacar (kam vom HSV) springen. Der zweite neue zentrale Abwehrmann namens Marvin Friedrich (von Schalke 04) und ist eher ein Versprechen auf die Zukunft – und erst einmal verletzt. Spannend wird es sein, wie sich Offensivakteur Takashi Usami macht. Der gab schon einmal ein Gastspiel in der Bundesliga, die Bayern hatten den Japaner als Teenager verpflichtet - und das sicher nicht ohne Grund.
Die Transferperiode hält sich an keine Redaktionsschlüsse und endet erst danach. Vielleicht greifen die Verantwortlichen um Präsident Klaus Hofmann und Manager Stefan Reuter ja noch tiefer in die eigentlich gut gefüllte Kasse, um die Metamorphose des FCA nachhaltig zu gestalten. Wie eben bekannt wurde, wechselt Alexander Esswein zum Ligakonkurrenten Hertha BSC Berlin. Für ihn kommt Jonathan Schmid von 1899 Hoffenheim!

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