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Das Imperium schmiegt zurück

Nach den erhitzten Diskussionen der letzten Jahre hat die GEMA ihre Strategie geändert. Mit Erfolg: Die Kritik wird leiser, die Zusammenarbeit besser. Das zeigte sich auch bei der Diskussion auf dem Grenzenlos...

Ein besseres Umfeld für eine Diskussion über die GEMA kann man sich kaum wünschen: Das Grenzenlos-Festival tönt am Eröffnungstag trotz Nieselregen aus allen Ecken, die Tanzgruppe ebenso wie der Straßenkünstler performen zu Hits vom Band vor dem Kühlerhaus. Drinnen verteidigen zwei Protagonisten die Institution, die dafür sorgen soll, dass die Komponisten der verwendeten Musikstücke ihren fairen Anteil bekommen: die GEMA.

Eingeladen hat Jürgen Kannler von a3-Kultur, gekommen sind u.a. der Augsburger Musiker und Komponist Wolfgang Lackerschmid, der Tonträgerhersteller und Labelmitbetreiber Moritz Illner sowie der Volksmusikbeauftragte des Bezirks, Christoph Lambertz, und natürlich GEMA-Bezirksdirektor Jürgen Baier.

Kaum eine Institution hat so ein schlechtes Image wie die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte, doch ist es nach Inkrafttreten der heißdiskutierten Preisreform im Januar 2014 erstaunlich ruhig geworden. Das Clubsterben ist mal wieder ausgeblieben, zumindest bis jetzt, und wenn man sich umhört, sind die meisten Wirte zufrieden. Viele Veranstalter und Gastronomen berichten von guten Kontakten und pragmatischen Lösungen. Die GEMA, so scheint es, hat dazugelernt.

Doch es gibt sie natürlich, die Kritiker. Selbst in einer etwas missglückten Diskussionsrunde wie der am Mittwoch auf dem Grenzenlos sind von einer Handvoll Zuhörer die Mehrzahl schlecht zu sprechen auf die Gesellschaft. Die Vorwürfe sind bekannt: Warum man für einen Abend mit GEMA-freier Musik bzw. Bands, die nicht Mitglied sind, trotzdem zahlen muss? Warum Locations und Veranstalter überhaupt "so viel" zahlen müssen und warum DJs mit dem Erwerb ihrer Platten und CDs nicht automatisch das Recht bekommen, diese öffentlich abzuspielen.

Bezirksdirektor Jürgen Baier macht mit seinem Laptop auf den Knien nicht gerade einen entgegenkommenden Eindruck, doch ist der langjährige GEMA-Mitarbeiter vermutlich aus Erfahrung gerne gut vorbereitet. Und tatsächlich kann er nahezu jeden Vorwurf entkräften. Das Imperium schmiegt zurück?

Ein ebenfalls vehementer Befürworter ist der Augsburger Musiker und Komponist Wolfgang Lackerschmid, der mittlerweile sogar stimmberechtigtes Mitglied der GEMA ist. Er gibt sozusagen den Sven Regener der Runde, erklärt ruhig und gelassen die möglichen Tarif- und Berechnungsarten und empfiehlt jedem Kollegen, Mitglied zu werden. Insgesamt redet er mehr als der Mann von der GEMA.

Und spätestens beim letzten Diskussionspunkt wird klar, dass die großen Feinde der bezahlten Kultur ganz woanders sitzen. Denn im Kampf gegen Google und Youtube freut man sich dann doch, nicht komplett auf "Do It Yourself" angewiesen zu sein – und blickt hilfesuchend zu dem Mann mit dem Laptop auf dem Schoß. Die angekündigte Party im Anschluss "Dance & Fun ohne GEMA" entfällt wegen des mangelnden Publikums. Doch für den Regen kann nicht mal die GEMA was. (flo)

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