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Die Band, die alles hat
Was macht eigentlich eine Band, die schon alles hat? Tocotronic machen einfach weiter. Zum Glück. Am Samstag gastierten sie in der Kantine.
Tocotronic sind das Urgestein der so genannten "Hamburger Schule", jener Musikbewegung, die Anfang der Neunziger der gesungenen deutschen Sprache zur finalen Emanzipation und ungeahnten Höhepunkten verhalf.
Neben Gruppen wie Die Sterne oder Blumfeld ist der Anteil von Tocotronic an dieser Befreiung vom selbstauferlegten, angloamerikanischen Diktat nicht zu unterschätzen: Sänger Dirk von Lowztow, Bassist Jan Müller und Schlagzeuger Arne Zank, zu denen 2010 Gitarrist Rick McPhail stieß, haben mehr Slogans geliefert als die erfolgreichste Werbeagentur: "Digital ist besser", "Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein", "Samstag ist Selbstmord", "Du bist ganz schön bedient", "Die Idee ist gut, doch die Welt noch nicht bereit", "Es ist egal, aber", "Pure Vernunft darf niemals siegen", "Aber hier leben, nein danke", "Im Zweifel für den Zweifel" und so weiter und so fort. Es ist für Fans wie Band vermutlich ähnlich schwer, eine adäquate (Wunsch-)Setlist zusammenzustellen.
In der prall gefüllten Kantine präsentierten Tocotronic eine gute Mischung aus ihrem beeindruckenden Œuvre. Punkt neun Uhr standen die vier Jungs auf der Bühne, schnörkellos, ohne Vorband und mit einem riesigen weißen Laken als Hintergrunddekoration - nichtsdestotrotz waren die Lichteffekte bei aller Einfachheit und Sparsamkeit ziemlich gelungen.
"Pädagogisch wertlos" nannten sie ihre Apriltour, tatsächlich sind Tocotronic zurzeit wichtiger denn je. Provokant und charmant, resigniert und engagiert, böse und liebevoll, Grandezza und Lofi – die Band ist eine Welt für sich und es ist jedes Mal ein Genuss, sie zu besuchen. Und vielleicht ging es Tocotronic mit Augsburg ja auch so, wenn man die Zugaben als Maßstab nimmt, sieht's zumindest danach aus, Gitarrist Rick McPhail stand auch noch lange im Biergarten mit Fans zusammen. Sechs Jahre liegt ihr letzter Besuch in der Kantine zurück, hoffentlich dauert es nicht wieder so lange! (flo)
Foto: Universal Music






